ARD-Politiktalk

Hitzige Debatte bei "maischberger": Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Alice Weidel im Streitgespräch

21.09.2022 von SWYRL/Franziska Wenzlick

Eine "Friedenslösung" sei in Bezug auf Russland längst überfällig, monierte Alice Weidel am Dienstagabend bei "maischberger". Im Gespräch mit der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zeigte die AfD-Vorsitzende selbst jedoch wenig Interesse an einem friedlichen Dialog.

Wie stehen die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und die AfD-Co-Chefin Alice Weidel eigentlich zu Atomkraft? "Ich befürchte, an dieser Stelle sind wir einer Meinung", prognostizierte Strack-Zimmermann - und sollte Recht behalten. So sprachen sich beide Politikerinnen bei "maischberger" dafür aus, die drei aktiven Kernkraftwerke hierzulande am Netz zu halten. Es blieb der letzte und einzige Moment des späten Dienstagabends, an dem Weidel und Strack-Zimmermann eine Ansicht teilten.

Uneinigkeit herrschte beispielsweise bei der Frage, ob Wladimir Putin vor das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gehöre. Während Strack-Zimmermann bedingungslos zustimmte ("Wenn er den Fuß aus seinem Land setzt, sollte er abgeführt werden"), wand sich Weidel um eine klare Antwort: "Da müssten noch ganz andere davor hin." Zwar handle es sich bei der russischen Offensive auch ihrer Meinung nach um einen "völkerrechtswidrigen Angriff", aber man müsse "abwarten, wie diese Auseinandersetzung ausgeht und vor allem auch, wie wir uns dabei verhalten". Strack-Zimmermanns Einordnung, Putin sei ein "Diktator und Massenmörder", widersprach sie - allen Erklärungsversuchen der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses zum Trotz.

"Putin hat diesen Krieg ausgelöst. Er ist verantwortlich für Tausende Tote, Vergewaltigungen, Verschleppungen von Kindern und die Folterung von Gefangenen", zählte Strack-Zimmermann auf. Weidel jedoch schien angesichts derartiger Gräueltaten unbeeindruckt zu bleiben: "Die Debatte ist viel zu verkürzt. Was Frau Strack-Zimmermann gerade beschrieben hat, muss objektiv aufgeklärt werden." Hierzulande sei es Weidel zufolge allerdings wichtiger zu diskutieren, was "die deutschen Interessen" seien.

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann: "Können nicht weiter zuschauen"

Sie halte es grundsätzlich für falsch, sich "dort einzumischen, in eine Kriegshandlung einzugreifen, einen Gegenschlag zu provozieren, Kriegspartei zu werden und dann auch noch einen dritten Weltkrieg mit zu provozieren". Auch die Panzerlieferungen könne sie nicht nachvollziehen. Stattdessen, so Weidel, sollten Verhandlungen geführt werden: "Die deutsche Bundesregierung hätte doch schon lange den Weg einschlagen müssen zu einer Friedenslösung."

Dem setzte Strack-Zimmermann entgegen, dass es um nicht weniger als die Verteidigung der Menschenrechte gehe. "Deshalb können wir nicht weiter zuschauen", betonte sie. "Wenn wir den russischen Präsidenten nicht stoppen, und zwar politisch und militärisch, wird er als Nächstes in die Westukraine gehen, und irgendwann ist das Baltikum dran."

Es sei "nicht zu vertreten", was ihr Gegenüber von sich gebe, warf an dieser Stelle Alice Weidel ein: "Frau Strack-Zimmermann möchte mit dieser Linie Deutschland zum Kanonenfutter machen. Sie wollen dieses Land ausliefern und schaden ihm mit Ihrer Politik." Als "Lobbyistin der Rüstungsindustrie" könne die FDP-Frau Friedensverhandlungen gar nicht unterstützen und mache den "fatalen" Fehler, ihren Interessenskonflikt nicht offenzulegen.

"Brauner Humus" trifft auf "kollektive Selbstschädigung"?

"Ich weiß nicht, wo Sie in Ihrem Leben falsch abgebogen sind", konterte Strack-Zimmermann, die - wie Sandra Maischberger einwarf - Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik sowie beim Förderkreis Deutsches Heer ist. Es gehe Weidel und der AfD "gar nicht darum, was richtig und was falsch ist", so die Beisitzerin im Bundesvorstand der FDP. "Ihre Politik basiert auf dem üblen braunen Humus, den Sie brauchen, damit Sie überhaupt ankommen." Ein Vorwurf, den Weidel nicht auf sich sitzen ließ - und so holte die AfD-Politikerin erneut zum Gegenschlag aus: "Die Menschen sehen es auf ihren Stromrechnungen und in den Läden. Was Sie hier betreiben, ist kollektive Selbstschädigung!"

Dass die Debatte zunehmend hitziger wurde, machte sich nicht nur an den immer scharfzüngigeren Bemerkungen der Kontrahentinnen bemerkbar. So versuchte Maischberger wiederholt, ihre Gäste daran zu erinnern, sich gegenseitig ausreden zu lassen - erfolglos.

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