"maischberger. die woche."

Bill Gates bei "Maischberger": Ohne Atomkraft ist der "Klimawandel nicht zu stoppen"

18.02.2021 von SWYRL

Er gilt als großer Visionär und jemand, der sein riesiges Vermögen zum Wohle der Menschheit einsetzt: Am Mittwoch war Microsoft-Gründer Bill Gates zu Gast bei Sandra Maischberger und erklärte, wie man aus seiner Sicht den Klimawandel stoppen kann und warum er eben doch ein "Nerd" ist.

Gastgeberin Sandra Maischberger kündigte ihren zugeschalteten Gesprächspartner als einen der "faszinierendsten Menschen dieser Welt" an - einer der reichsten ist er zweifellos. Doch Microsoft-Gründer Bill Gates ist nicht nur der drittreichste Mann der Welt, sondern präsentiert sich auch gerne als Philanthrop, der sich unter anderem für das Klima engagiert. Bei "maischberger. die woche" wurde am Mittwoch neben dem Kampf gegen die Corona-Pandemie durch Impfungen auch der Klimawandel thematisiert und der Visionär warnte eindringlich: "Die natürlichen Ökosysteme werden zerstört, wenn wir nicht handeln."

Laut Gates sind dafür zwei Zahlen von Bedeutung: die 51 und die Null. "51 Milliarden ist die Menge des Kohlenstoffdioxids gemessen in Tonnen, die wir Jahr für Jahr in die Atmosphäre blasen", erklärte der 65-jährige Investor. "Null CO2-Emissionen ist das Ziel, das wir erreichen müssen, wenn wir vermeiden wollen, dass die Temperatur weiter hochgeht." Ein extrem ambitioniertes Ziel, bedenkt man, dass der Plan Deutschlands aktuell so aussieht, seine Emissionen bis 2050 lediglich auf 80 möglicherweise sogar 90 Prozent zu reduzieren. Bill Gates machte zwar deutlich, dass auch rund 85 Prozent ein Fortschritt wären, da dafür große Änderungen im industriellen Sektor sowie der Fleischindustrie nötig wären. Das Ziel müsse aber die Null sein.

Abonniere doch jetzt unseren Newsletter.

Mit Anklicken des Anmeldebuttons willige ich ein, dass mir die teleschau GmbH den von mir ausgewählten Newsletter per E-Mail zusenden darf. Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und kann den Newsletter jederzeit kostenlos abbestellen.

Durch neue Technologien können AKWs "nicht einfach in die Luft fliegen"

Dafür könnte man zunächst bei der Betonherstellung sowie im Flugverkehr ansetzen, so Gates. Doch wenn man beispielsweise keine Verbrennungsmotoren und kein Erdgas zum Heizen mehr nutze, müssten andere Methoden her, um die Menschen warmzuhalten und Stromversorgung sicherzustellen. Solar- und Windenergie seien hierfür zu unsicher, da wetterabhängig. "Die Herausforderung ist, dass wir mehr Strom brauchen werden. Vielleicht dreimal so viel Strom als aktuell", erklärte der Milliardär. Für Bill Gates gibt es demnach zwei Optionen, in die es gleichzeitig zu investieren gilt: Stromspeichertechnologie - hier hält er den großen Durchbruch für unrealistisch - oder aber Atomkraft. "Wenn wir keines der beiden haben, können wir den Klimawandel nicht stoppen."

Nach den Katastrophen von Tschernobyl und zuletzt Fukushima gilt die Kernkraft als großer Risikofaktor, doch laut Gates sei die Atomenergie sicherer und auch wirtschaftlicher als jemals zuvor. "Die neuen Technologien, die mit anderen physikalischen Prinzipien funktionieren, werden dazu führen, dass diese Atomkraftwerke nicht einfach in die Luft fliegen können", machte er deutlich. Er habe nur aus Klimaschutz-Gründen ein Unternehmen aufgebaut, dass "sichere Kernkraft-Technologien" entwickle. Nach eigener Aussage habe er außerdem Aktien an Kohle- und Ölunternehmen veräußert, weil er nicht von der Verzögerung des Klimafortschritts profitieren möchte.

"Ich bin sicherlich ein Nerd"

Dabei wies Sandra Maischberger Gates auf eigene Angaben hin, wonach er als Privatperson nicht gerade als leuchtendes Vorbild diene. Schließlich besitze er mehrere große Häuser und fliege mit dem Privatjet selbst zur Klimakonferenz. Daraufhin sah sich der Milliardär zu einer Rechtfertigung genötigt: "Ich habe dieses Jahr meine Emissionen reduziert, indem ich Bio-Kerosin verwende", erklärte er. Dies sei dreimal so teuer wie gängiges Kerosin und obendrein ebenfalls Investitionen wert. "Ich gebe sieben Millionen Dollar im Jahr aus, um Emissionen zu bezahlen."

Abseits von Klima- und Coronakrise ging es auch um das Privatleben des Microsoft-Gründers. Ob er denn ein Nerd sei, wollte Gastgeberin Maischberger wissen. "Ich bin sicherlich ein Nerd", gab Gates freimütig zu. "Ich kann manchmal verschwinden und tagelang nur Bücher lesen. Aber ich sehe das nicht als negative Beschreibung."

Das könnte dir auch gefallen


Trending auf SWYRL