"America First - Bilanz einer Amtszeit"

Hinter den Kulissen der Macht: Spektakuläre ARTE-Doku blickt auf Trumps Amtszeit

07.04.2021 von SWYRL/Wolf J. Krauss

Diese Dokumentation gewährte spektakuläre Einblicke in den Schaltzentralen der Macht: "America First - Bilanz einer Amtszeit" verriet einiges - nicht nur über das Handeln und Wirken des abgewählten US-Präsidenten, sondern auch über die Arbeit auf höchster politischer Ebene allgemein.

Keine Frage, Donald Trump hat in den vier Jahren seiner Amtszeit vor allem innenpolitisch viele seiner zuvor lautstark geäußerten Wahlversprechen eingelöst. Doch zu welchem Preis? Seine zahlreichen internationalen Kritiker sind sich einig: Trump hat die transatlantische Verbundenheit schwer erschüttert, Konfrontationen mit Russland, China und dem Iran neu entfacht, Handelsverträge aufgelöst und den Klimaschutz torpediert. All das wurde nun in einer hochbrisanten ARTE-Dokumentation minutiös seziert.

Der unbedingt sehenswerte Polit-Dreiteiler "America First - Bilanz einer Amtszeit", der am Dienstagabend auf ARTE lief und nun auch in der Mediathek abrufbar ist, beschreibt noch einmal das in mancherlei Hinsicht toxische Wirken des abgewählten US-Präsidenten. Zu Wort kommen ausschließlich hochrangige Zeitzeugen - Stabsmitarbeiter, Berater, Reporter, führende Politiker ... Sogar der ehemalige französische Staatspräsident François Hollande stand für ausführliche Interviewsequenzen zur Verfügung.

Spannend waren dabei weniger die vielen bereits bekannten Fakten und Stationen aus Trumps Amtszeit, sondern insbesondere die exklusiven Einblicke hinter die Kulissen der internationalen Spitzenpolitik: Man sitzt beim Beitrag der amerikanischen Dokumentarfilmerin und Produzentin Norma Percy in der ersten Reihe und staunt nicht schlecht über das unermüdliche Ringen von Staatschefs wie Angela Merkel, Theresa May oder Emmanuel Macron. Es geht dabei im Grunde nie ums Rechthaben, sondern meistens allenfalls um eine Annäherung und um so etwas wie Konsens. So war vor allem zwischen den Zeilen des Gesagten viel darüber zu erfahren, was die politische Arbeit von heute auf der allerhöchsten Ebene so wichtig und anstrengend macht - manchmal konnte man es auch nur an den Gesichtern der Beteiligten ablesen. Wohl selten zuvor hat es in einem Beitrag über die Mächtigen der Welt derart gemenschelt.

Ob Klimakonferenz, G7- oder NATO-Gipfel: Trump hat mit seinen oft impulsiv wirkenden Entscheidungen und Aussagen das globale Miteinander aufgemischt, manche sagen, dass er die Staatengemeinschaft gefährlich nahe an den Abgrund geführt hat, und im eigenen Staat hat er nach und nach auch einige der abgebrühtesten Diplomaten und sogar Vertreter der Republikanischen Partei an den Rand der Verzweiflung oder darüber hinaus getrieben. Auf seinen Nachfolger Joe Biden kommen Herkulesaufgaben zu.

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Schubumkehr aus der Selbstisolation

Als am 20. Januar dieses Jahres Joe Biden tatsächlich als 46. Präsident der USA verteidigt wurde, schien ein dankbarer Stoßseufzer rund um die Welt zu gehen. Während Donald Trump seine eigene Heimat tief zerrissen in zwei sich einander zunehmend feindlich gegenüberstehende Blöcke der Gesellschaft zurückließ, war vor allem auf dem internationalen diplomatischen Parkett, auf dem während der vierjährigen Amtszeit viel Porzellan zerschlagen worden war, die Erleichterung groß. Umso höher die Hoffnungen, die nun auf Biden ruhen. Er muss die Weltgemeinschaft wieder stärker zusammen- und die USA aus der während der Trump-Administration vorangetriebenen Selbstisolation zurückzuholen.

"Die ganze Welt schaut heute auf uns. Deshalb richte ich diese Worte an die Menschen jenseits unserer Grenzen: Amerika wurde auf die Probe gestellt und ist gestärkt daraus hervorgegangen", sagte Joe Biden in seiner Rede beim Ableisten des Amtseids. Er gab damit die Stoßrichtung seiner Außenpolitik, die in weiten Teilen einer Schubumkehr gleichen könnte, programmatisch vor. "Wir werden die Beziehungen zu unseren Verbündeten erneuern und uns der Welt wieder öffnen."

Tatsächlich hatte Donald Trump nicht nur Widersacher auf der Weltbühne, sondern vor allem auch viele Freunde durch seinen erratischen, oft planlos wirkenden Amtsführungsstil vor den Kopf gestoßen. Wichtige Bündnisse, darunter das Pariser Abkommen zum Schutz des Weltklimas, wurden aufgekündigt. Handelskriege zeichneten sich ab. Eine der markantesten Episoden ist ein Blick auf das NATO-Gipfeltreffen von 2018 in Brüssel, wo Trump nicht nur harsche Kritik an Deutschland äußerte, sondern, den Ausführungen seines damaligen Sicherheitsberaters John Bolton zufolge, schon kurz davor stand, komplett aus der Staatengemeinschaft auszutreten. Auch die Szene von einem in Trotzhaltung isolierten US-Präsidenten Donald Trump am Rande der offiziellen Tagesordnung des G7-Gipfels 2018 in Kanada wird in dem Film noch einmal aufgegriffen. Erzählt wird nun beides: die ganze Story hinter jenem Bild, das um die Welt gegangen ist, und wie verzweifelt damals im Grunde um nur ein einzelnes Wort in der Abschlusserklärung gegangen worden war.

Wie Trump Freunde und Verbündete irritierte

Wie konnte alles soweit kommen? Der von Norma Percy packend inszenierte Doku-Dreiteiler wirkt wie ein Bericht aus vergangenen, zumindest schnell verdrängten Zeiten.

Immer wieder geht es um die störrische Doktrin "America First", von der Trumps Außenpolitik geprägt war und die zu vielen neuen Konflikten sowie irritierenden Annäherungen an im Westen umstrittene Machtpolitiker wie Wladimir Putin und den nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong-Un geführt hatte.

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