ZDF-Talk

Keine "Schurken am Werk": Kretschmann rechtfertigt bei Lanz Schulöffnungen

27.01.2021 von SWYRL

Bis 14. Februar läuft der Alltag in Deutschland in der Corona-Pandemie auf Sparflamme. Doch in Baden-Württemberg plant man eine frühere Öffnung von Schulen und Kitas. Was hinter dem Alleingang steckt, versuchte Markus Lanz von Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Erfahrung zu bringen.

Im Home Office arbeiten, währenddessen ein Auge auf die Kinder haben und nach Feierabend noch mit dem Nachwuchs an den Schulaufgaben sitzen: So oder so ähnlich sieht für viele Eltern der anstrengende Arbeitsalltag während des Corona-Lockdowns aus. Daran wird sich bis 14. Februar auch nichts ändern - es sei denn, betroffene Familien leben in Baden-Württemberg. Dort will Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits am kommenden Montag Grundschulen unter Verzicht auf die Präsenzpflicht sowie Kitas vorsichtig wieder öffnen. Warum - das erklärte der Grünen-Landeschef nun zu Gast im ZDF-Talk "Markus Lanz".

Zunächst jedoch biss sich Gastgeber Lanz mit seinen Fragen die Zähne an Kretschmann aus, der nicht müde wurde, zu betonen, dass seine Sonderregelung im Sinne der Beschlüsse von Bund und Länder getroffen sei. Sie sei "verantwortbar" und im Sinne "einer faktenbasierten Politik". Doch nach weiteren Nachfragen riss Kretschmann der Geduldsfaden, und er beklagte: "Man muss nicht jede kleine Differenz aufbauschen." Dann legte der Politiker nach: "Man muss nicht so tun, als seien da Schurken am Werk."

Zuvor hatte er bereits klargestellt: Die frühere Öffnung von Schulen und Kitas habe er keineswegs "freihändig" getroffen, sondern er habe sich dabei auf Fakten verlassen. In diesem Zusammenhang verwies der Politiker auf Studien, die seiner Ansicht nach beweisen sollen, dass Kinder unter zehn Jahren während der Pandemie weniger infektiös seien. Einziges Problem: Kretschmann berief sich auf eine Untersuchung von Mai 2020, was Lanz zur kritischen Nachfrage bewegte: "Die Virus-Mutanten können da nicht berücksichtigt worden sein."

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Kritik am Vorstoß Kretschmanns

Dies wiederum ließ der baden-württembergische Landeschef nicht unkommentiert. Er entgegnete, beim Treffen seiner Entscheidung einen Virologen und andere Experten hinzugezogen zu haben. Sie hätten laut Kretschmann mehrere Studien geprüft, weswegen der 72-Jährige betonte: "Das ist belastbar." Gleichzeitig war er darum bemüht herauszustellen, er ziehe "mit der Kanzlerin an einem Strang". Aber: Kretschmann sagte, er habe "auch schon einen eigenen Kopf".

In der Diskussionsrunde erntete Kretschmanns Vorstoß Kritik. Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, merkte an: "Ich kann nicht nachvollziehen, warum man da nicht gewartet hat." Die Infektionszahlen in Baden-Württemberg seien noch nicht auf einen Wert gesunken, der es rechtfertige, "mit verschiedenen Schatten zu spielen". Das mache ihr Sorgen, wie Buyx erklärte. Gleichzeitig drückte sie ihr Unverständnis darüber aus, dass häufig über eine verlorene Generation im Zusammenhang mit den Schulschließungen gesprochen werde: "Das halte ich für Schwarzmalerei, die auch Motivation nehmen kann."

Schon vor der Sendung hatte Kretschmanns Parteikollege Jürgen Trittin auf Twitter mit markigen Worten dessen Vorstoß verurteilt. Zu den "martialischen" Vorwürfen sagte Kretschmann im ZDF-Talk aber nur so viel: "Bei den Kleinsten wiege ich mit der Goldwaage, das sind wir ihnen schuldig."

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