Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand - Do. 25.11. - ARD: 20.15 Uhr

Leidenschaft am Espressostand

21.11.2021 von SWYRL/Wilfried Geldner

Ein Küstenkrimi jagt den nächsten - Mitte Oktober gab's den neuen "Dänemark-Krimi" am Donnerstag, der "Usedom-Krimi" kam gar als Trilogie daher und jetzt kommt die unterschätzte Verkehrssünder-Metropole Flensburg zu ihrem Krimirecht. Mit Katharina Schlothauer und Eugene Boateng ermitteln zwei neue Gesichter.

Die Attraktion der Küstenkrimis aus dem hohen Norden scheint, den Schweden sei Dank, ungebrochen. Eben noch jagte Marlene Morreis zur Saisoneröffnung im Ersten in der dänischen Provinz einen Serienmörder, da kehren die Macher schon wieder an die deutsch-dänische Grenze zurück. Mit dem "Flensburg-Krimi" kommt die Stadt an der Förde endlich zu ihrem Krimirecht und wird ganz nebenbei ihren etwas einseitigen Ruf als Verkehrssünder-Metropole ein wenig los. In der ersten Folge, "Der Tote am Strand" (Regie: Janis Rebecca Rattenni, "Rentnercops") wird wieder einmal ein Toter aus dem Meer gespült. Aber vor allem müssen die Kommissarin Svenja Rasmussen (Katharina Schlothauer) und ihr Kollege Antoine Haller (Eugene Boateng) erst einmal zueinander finden.

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Jede Menge familiärer Probleme

Dabei gibt es jede Menge familiärer Probleme zu bewältigen. Haben sonst Kommissare kaum Zeit fürs Privatleben, so hat hier zumindest Svenja an ihrem Familienschicksal schwerstens zu tragen. Der Bruder, hat sich wohl das Leben genommen, die Mutter verstarb früh und der Vater erlitt nach dem Tod seines Sohnes ein derart schweres Trauma, dass er mit schwerer Psychose in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Svenja holt ihn zwar von dort zurück, aber es bleibt die Angst, dass er sich jederzeit etwas antun könne.

Antoine, Svenjas Assistent mit ghanaischen Wurzeln und atemberaubendem Rasta-Dutt, bekommt immer mal wieder versteckten Rassismus zu spüren. "Darf der das?" wird beispielsweise gerne in den Raum gefragt, wenn er den Ausweis eines Verdächtigen kontrolliert. Zudem leidet Antoine unter dem als schroff empfundenen Beamtenton der Kollegin, die ausdauernd immer "Sie" anstatt "Du" zu ihm sagt. Sie kommt aus Hamburg, muss man wissen, sie hat dort einen "Fehler" gemacht.

Die Momente am fahrbaren Espressostand, Pendant zur Kölner Bratwursthütte am Rhein, sind die schönsten des Films. Antoine liest dort Svenja die Leviten, er bevorzugt gegenüber Befehlen die Teamarbeit. Überstrapaziert wird vom Drehbuch (Stephan Wuschansky, "Soko Köln", "In aller Freundschaft") allerdings sein Hang zum Wetten. Da lässt er keine Gelegenheit aus, ob es nun um die Herkunft der angeschwemmten Leiche (Däne oder Deutscher?) oder um Pferdewetten geht. Als Persönlichkeitsprädikat nicht eben grandios.

Die Lösung des Mordfalles geschieht im Collage-Stil. Mal sind wir in Flensburg, mal im grenznahen dänischen Sønderborg. Dorthin führt eine überraschende Spur: Ein Vater entdeckt nach Jahren seine verschollene Tochter wieder und setzt mit seinem Komplizen einen Mann erpresserisch unter Druck. Fehlgeburt, Suizid und eine Kindesentführung kommen ans Licht - alles zusammen ein bisschen viel. Svenja, die Kommissarin, lächelt immer sehr charmant und engelsgleich dabei, sie wirkt nicht über die Maßen betroffen. Die Krimistadt Flensburg ist dabei meist eine malerisch schöne Kulisse, es gibt Yachthäfen und Boote. Wie in allen Regionalkrimis, man muss das mögen, ist auch hier wieder die lokale Attraktivität ein wichtiger Teil des Programms.

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