Die Diplomatin - Mord in St. Petersburg - Sa. 18.09. - ARD: 20.15 Uhr

"Manchmal ist die Realität schneller als die Fiktion"

14.09.2021 von SWYRL/Maximilian Haase

Whistleblower, Entführungen und Einfluss auf Wahlen: "Die Diplomatin" alias Natalia Wörner ermittelt im sechsten Film der Reihe erstmals in Berlin und gerät in eine Krise zwischen Russland und Deutschland. Gerade sein hochaktuelles Setting macht "Mord in St. Petersburg" zum veritablen Politthriller.

Ein Whistleblower wird vom russischen Geheimdienst auf deutschem Boden entführt, weil er mutmaßliche Beweise für eine Einflussnahme der Russen auf eine Wahl in Deutschland besaß: Der sechste Film der ARD-Reihe "Die Diplomatin" will von Beginn an klotzen statt kleckern. Dafür bedient sich "Mord in St. Petersburg" der gesamten Bandbreite politisch brisanter Krisen aus den vergangenen Jahren - von Edward Snowden über Alexei Nawalny bis zum Verdacht der russischen Manipulation der US-Wahlen. Auch wenn die Geschichte nach dem Drehbuch von Rebecca Mahnkopf völlig fiktiv ist, ahnen Macher und Zuschauer gleichermaßen: Die Wirklichkeit schreibt anscheinend in der Tat die besten Politthriller.

Als solchen inszeniert Regisseur Roland Suso Richter die spannende Story dann auch, Hochglanzoptik und kühler Geheimdienstlook ergänzen sich mit treibendem Soundtrack und klassischen Genresettings - etwa in der alten Kalter-Krieg-Radarstation auf dem Berliner Teufelsberg und, natürlich, in einem Flughafen. Letzterer, namentlich der Hauptstadtairport BER, taugt vorzüglich für das Kidnapping des russischen Journalisten Kolja Petrow (Beat Marti), der dort gerade mit seiner sechsjährigen Tochter Manja (Rena Harder) gelandet ist. Tiefgarage, schwarze Vans, das ganze Programm. Der Mann wird entführt, die Tochter bleibt am Flughafen - zuvor hat ihr der Vater aber noch die Nummer von Karla Lorenz, der von Natalia Wörner gespielten titelgebenden Diplomatin, auf den Arm gekritzelt und in der Toilette einen USB-Stick versteckt.

Lorenz und Petrow kennen sich seit Jugendtagen. Und auch wenn sie seit langer Zeit nichts voneinander gehört haben, nimmt die Botschafterin in spe das Kind zunächst bei sich auf. Kümmern muss sich allerdings ihr Freund Jan (Alexander Beyer), schließlich hat die Diplomatin im Krisenstab um BND-Frau Weimer (Anna von Haebler) Dringlicheres zu tun. Bald wird klar, dass Petrow in die russische Botschaft gebracht wurde. Die Russen, so sendet es das dortige Staatsfernsehen, nachdem der deutsche Staatssekretär Wagner (Thomas Heinze) Druck macht, werfen ihm den titelgebenden "Mord in St. Petersburg" vor. Er soll dort seine Frau getötet haben und anschließend geflohen sein. Alles Unsinn, glaubt Karla Lorenz, die ihren einstigen Kumpel gut einzuschätzen weiß.

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Eine diplomatische Krise

Die diplomatische Krise spitzt sich jedenfalls zu, während Lorenz mit Hochdruck die Wahrheit herausfinden will. Und die scheint es in sich zu haben: Der Entführte soll Beweise dafür gesammelt haben, dass von Russland aus eine wichtige deutsche Wahl beeinflusst worden sei. Brisanter und aktueller kann ein Thrillerstoff jedenfalls kaum sein - auch wenn dies teilweise ungeplant geschah. Gedreht worden sei der Film nämlich vor der Nawalny-Entführung, wie Hauptdarstellerin Natalia Wörner erklärt: Die Reihe, so die Schauspielerin, stehe "für eine kritische Auseinandersetzung mit dem politischen Alltag und politischen Themen. Und manchmal ist die Realität schneller als die Fiktion".

Die Tagesaktualität des Films sei laut Drehbuchautorin Mahnkopf "einerseits ein Geschenk, andererseits aber natürlich eine Herausforderung". Während des Schreibens und des Drehs "erreichten uns Nachrichten zum Thema der Deutsch-Russischen Beziehungen, die plötzlich sehr nah an unserer Geschichte waren". Dem Film, so muss man sagen, tut diese Nähe gut, Realismus und Glaubwürdigkeit stellen sich gleichsam automatisch her. Übrigens: Dass die eigentlich nach Rom versetzte Botschafterin dafür erstmals in Berlin zum Einsatz kommt, sei der Coronapandemie geschuldet gewesen, wie Natalia Wörner aufklärt: "Rom muss somit noch ein bisschen auf Frau Lorenz warten oder umgekehrt: Rom, die Ewige Stadt, ist ein Sehnsuchtsort geworden. Wir hoffen alle auf ein dolce Vita in 2022"

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