Unbroken

Nach dem "Tatort"-Ausstieg in düstere Gefilde

20.02.2021 von SWYRL

ZDFneo zeigt mit der Eigenproduktion "Unbroken", dass deutsche Krimi- und Thrillerblüten abseits des Hauptprogramms am düstersten blühen. Das liegt in erster Linie an der fantastischen Hauptdarstellerin und Ex-"Tatort"-Ermittlerin Aylin Tezel.

Was macht eine Ex-"Tatort"-Darstellerin, kurz nachdem sie ihre Rolle als Kommissarin an den Nagel gehängt hat? Eine Lösung: Sie spielt, vielleicht im Interesse der Zuschauer, einfach noch einmal eine Kommissarin - so wie nun Aylin Tezel, deren Ausstieg aus dem Dortmunder "Tatort" von vielen Fans betrauert wurde. Immerhin: Nach dem letzten Fall ihrer beliebten Ermittlerin Ende des vergangenen Jahres sieht man die vielfach prämierte Schauspielerin nun in der sechsteiligen Krimithriller-Miniserie "Unbroken" (Folgen 1 bis 3 am Dienstag, 23.2., Folgen 3 bis 6 am Folgetag, jeweils ab 21.45 Uhr) abermals als Polizistin - der allerdings ein fürchterliches Verbrechen widerfährt. Tezel, die auch international bereits für Furore sorgte ("Homeland", "X Company"), trägt die eindringliche ZDFneo-Eigenproduktion mit ihrer Hauptrolle fast im Alleingang. Und beweist: Abseits des Hauptprogramms kann man im deutschen TV serielle Düsterheit wagen.

Denn düster geht es unter Regie von Andreas Senn von Beginn an zu: Blutbefleckt sucht Kommissarin Alexandra "Alex" Enders in der ersten Szene nach Hilfe. Sechs Tage lang war sie verschwunden, sie erinnert sich an kaum etwas. Im Rückblick sieht der Zuschauer, wie es dazu kam: Die hochschwangere Ermittlerin wurde gerade von ihren Kollegen in den Mutterschaftsschutz verabschiedet, da wird sie auf einem Parkplatz von einem Unbekannten betäubt und schließlich entführt. Bei ihrer Rückkehr der Schock: Sie trägt ihr ungeborenes Kind nicht mehr im Bauch. Es habe wohl eine eingeleitete Geburt gegeben, stellen die Ärzte fest. Das bekannte Sujet des Kindsverlusts liegt hier beinahe nachfühlbar wie ein schwerer Schleier über den 45-minütigen Episoden aus der Feder von Andreas Linke und Marc O. Seng, der bereits die grandiose deutsche Netflix-Serie "Dark" mitverfasste.

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Zahlreiche Gefühls- und Genrestadien

Alex droht an dem riesigen Verlust zu zerbrechen, auch ihr Mann Leif (Sebastian Zimmler) kann die fürchterlichen Ereignisse kaum verarbeiten. Hilfe bietet Alex' Vorgesetzter Paul Nowak (Özgür Karadeniz), mit dem sie ein enges Vertrauensverhältnis hat. Doch auch er, der in dem Fall ermittelt, findet keine heiße Spur. Als Alex nach Monaten wieder als Kommissarin arbeiten will, stimmt er zu - unter der Voraussetzung, dass sie sich in die Hände der Polizeipsychologin Dr. Brenner (Leslie Malton) begibt. "Ich weiß, wie es sich anfühlt, ein Kind zu verlieren", gesteht diese an einer Stelle. Alex antwortet: "Aber mein Kind lebt. Ich weiß das." Dieses Gefühl begleitet die Hauptfigur von nun an stetig - umso mehr, nachdem sie bei ihrem ersten Fall auf Babyspielzeug stößt, das neue Erinnerungen an die verblassten Geschehnisse hervorholt.

So durchschreitet die Suche einer jungen Frau nach ihrem verlorenen Kind zahlreiche Gefühls- und Genrestadien: Einerseits bleibt "Unbroken" ein gestreckter (und sehr spannender) TV-Krimi und Alex klassische Kommissarin, etwa wenn sie im Mord an einer rumänischen Prostituierten ermittelt, Indizien und Beweise jongliert, Verdächtige verhört. Verdrängt wird diese krimieske Seite im Lauf der Folgen allerdings von einer veritablen (und sogar actionreichen!) Thriller-Handlung um Leihmutterschaft, Kindesentführung und vertuschte Geheimnisse. Denn trauen kann Alex irgendwann nicht mal mehr ihren engsten Vertrauten - gut, dass sie dank ihres (etwas klischeehaft dargestellten) Boxtrainings vor Wut auch mal gehörig zuschlagen kann.

Nicht zuletzt fokussiert "Unbroken" schließlich das psychologische Drama, das einen Menschen am Rande des Ertragbaren zeigt; das dessen zerstörtes Innenleben ebenso auslotet wie dessen angeknackste Beziehungen. Dass dies so fulminant gelingt, liegt in erster Linie am Spiel der fantastischen Aylin Tezel, über deren "Tatort"-Ausstieg nur die Tatsache hinwegtröstet, dass sie nun hoffentlich mehr Zeit für andere Fernsehformate hat.

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