Frau Jordan stellt gleich - Di. 05.07. - ProSieben: 22.40 Uhr

Zwischen Wettsaufen und Chauvinismus

22.06.2022 von SWYRL/Julian Weinberger

Werbebranche statt Stadthaus: In der dritten Staffel der Comedyserie "Frau Jordan stellt gleich" wagt Katrin Bauerfeind einen Ausflug in die Werbeindustrie. Vor Geschlechterklischees ist sie auch dort nicht gefeit.

Vegane Lasagne im Stadthaus! - Die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte Eva Jordan (Katrin Bauerfeind) und ihre Nachfolgerin Renate (Mira Partecke) können es kaum glauben: "Gemüse hat sich schneller durchgesetzt als Frauen." Dabei haben sich die beiden in zwei Staffeln der Comedyserie "Frau Jordan stellt gleich" redlich um Gleichberechtigung bemüht. Weil das nur bedingt klappte und der Dauerkonflikt Evas mit Bürgermeisterin Sommerfeld (Adina Vetter) zuletzt eskalierte, wurde Eva kurzerhand beurlaubt - und landet in der dritten Staffel nun in einer Werbeagentur. Nach der Premiere beim Streamingportal Joyn zeigt ProSieben die zehn Episoden nun auch im linearen TV als Erstausstrahlung.

Im fancy Co-Working-Space im schnieken Backsteingebäude trifft Eva auf dieselben abgedroschenen Klischees wie im Stadthaus. Latent aufdringliche Avancen des schmierigen Chefs einer Kosmetikfirma wechseln sich mit chauvinistischen Werbebotschaften ab. Schnell wird Eva klar: Sie muss zurück in ihren alten Job. Ihre einstigen Kollegen - die hemdsärmlige und kratzbürstige Yvonne (Natalia Belitski) und der engagierte Softie Philipp (Alexander Khuon) - können Evas Hilfe auch gut gebrauchen. Seit ihrer Abwesenheit geht alles drunter und drüber. Nicht nur werden die Vorschläge des Gleichstellungsbüros wegen Renates Zurückhaltung gnadenlos ignoriert, noch dazu kapert der neue Antidiskriminierungsbeauftragte David Ohlert (Malick Bauer) das Büro - und Teile des umkämpften Budgets.

Rhetorisch geschliffene Wortgefechte gehören zu Ralf Husmanns Kernkompetenz. Mit "Stromberg" glückte dem Autor die wohl beste deutsche Comedyserie überhaupt, Ähnliches gelang ihm mit "Merz gegen Merz" und "Check Check". Auch "Frau Jordan stellt gleich" startete 2019 verheißungsvoll, als unterhaltsame Comedy mit der nötigen Prise Gesellschaftskritik. Damals konstatierte Bauerfeind: "Wir sind kein Ratgeber zum Feminismus, und auch keine Anleitung zu richtigen Verhaltensweisen im modernen Gleichberechtigungs-Dschungel. Aber wir beschäftigen uns damit auf lustige Art und Weise." In Staffel 3 kommt das Dialog-Ping-Pong indes nur selten in Schwung. Statt doppelbödige Bemerkungen abzugeben, schachert Eva im Wettsaufen mit dem Finanzbeauftragten um Posten. Das ist leider eher plump statt witzig.

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