ZDF-Talkshow

Özdemir bei Lanz: "Wir haben die moralische Latte unglaublich hoch gehängt"

11.06.2021 von SWYRL

Der Druck auf die Grünen wächst: Die Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verliert in Umfragen an Zustimmung. Parteikollege Cem Özdemir nahm sie bei "Markus Lanz" dennoch in Schutz und verweist auf die Fehler der anderen.

Der Wahlkampf bei "Markus Lanz" hat begonnen: In der jüngsten Ausgabe der ZDF-Talkshow begrüßte der 52-Jährige den früheren Partei-Chef der Grünen, Cem Özdemir, die Co-Vorsitzende der Linksfraktion, Amira Mohamed Ali, den Publizisten Prof. Michel Friedman und die Politik-Expertin des "Weser Kuriers", Anja Maier. Thema des Polittalks am Donnerstagabend waren natürlich auch die sinkenden Umfragewerte der Grünen und die Frage, wer die Verantwortung trägt.

"Frau Baerbock verliert immer mehr an Zuspruch, was ist da los? Wie erklären Sie sich diesen Einbruch?", wollte Lanz gleich zu Beginn von Özdemir wissen. Der 55-Jährige geriet sogleich in die Defensive: "Wir sind immer noch bei über 20 Prozent." Verglichen mit den 8,9 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 sei dies "immer noch klasse". Er fügte hinzu: "Wenn wir nachher bei der Wahl über 20 Prozent sind, werde ich nicht Trauer tragen. Aber klar: In Sachsen-Anhalt haben wir uns mehr erhofft". Die Bundesebene habe sicher ihren Teil dazu beigetragen.

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"Wir haben in der Vergangenheit bei anderen über die Stränge geschlagen"

Lanz hakte nach: "Was sind die drei Hauptgründe für diesen Absturz, Herr Özdemir?" Dieser nannte die Diskussionen um das Klimaschutzprogramm seiner Partei, aber auch die Kritik an den Ungenauigkeiten im Lebenslauf von Baerbock. "Wie kann so etwas passieren?", wollte Lanz daraufhin wissen. Özdemir wich aus: Beim Parteitag habe es 3.000 Änderungsanträge gegeben, die Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle seien quasi mit nichts anderem beschäftigt. Vielleicht, so mutmaßte er, habe der ein oder andere Mitarbeiter einfach den Unterschied zwischen Mitgliedschaft und Fellowship nicht gekannt. Er selbst könne nicht mehr jede Schirmherrschaft oder jedes Grußwort, das er in seiner Karriere verfasst habe, einwandfrei wieder zuordnen.

Nach den Einwürfen Friedmans und Maiers, die beide darauf pochten, dass eine Kanzlerkandidatin eine gewisse Professionalität haben müsse, übte Özdemir dann aber doch etwas Selbstkritik: "Wir haben in der Vergangenheit bei anderen über die Stränge geschlagen, die moralische Latte unglaublich hoch gehängt", gab er zu. In Zukunft wolle die Partei "ein bisschen anders reden": "Ein Hase sollte den anderen nicht dran erinnern, dass er lange Ohren hat." Zwischen einem ungenauen Lebenslauf und Skandalen wie den Maskendeals der Union sah der Grüne dann aber trotzdem einen großen Unterschied.

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