20.02.2026 von SWYRL/Doris Neubauer
"Souveräner, aber nicht völlig unabhängig" stellte sich Außenminister Johann Wadephul bei "Maybrit Illner" die künftige Rolle Europas gegenüber den USA vor. Weit weniger diplomatisch äußerte sich Publizistin Marina Weisband über Donald Trump. Zudem warnte sie vor dem hybriden Krieg Russlands.
"Trump ist korrupt bis ins Mark": Als es bei "Maybrit Illner" am Donnerstagabend um die Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA ging, wurde die deutsch-ukrainische Publizistin Marina Weisband deutlich. Der US-Präsident würde in den USA eine Oligarchie aufbauen und sich damit deutlich von gemeinsamen Werten abwenden. Es gebe nicht mehr den Ost-West-Konflikt, sondern den Konflikt Völkerrecht gegen das Recht des Stärkeren. Hier habe sich die USA auf das Recht des Stärkeren gestellt.
Dementsprechend hoffte Weisband, dass der von Bundeskanzler Friedrich Merz markierte neue Kurs der Unabhängigkeit in der deutschen Außenpolitik auch in die Tat umgesetzt werde. "Die CDU-Politik müsste sich stark wandeln", fügte sie hinzu. Überhaupt würden ihrer Ansicht nach die Gefahren falsch eingeschätzt. "Leute, wenn ich Putin wäre, ich würde uns doch nicht mit Panzern angreifen, wenn es Facebook gibt", sprach sie von der hybriden Art der Kriegsführung.
Durch Bots, KI und andere Formen der Desinformation werde seit Jahren die öffentliche Debatte manipuliert, gleichzeitig finde der soziale Diskurs auf Plattformen amerikanischer Oligarchen statt, die von der EU gar nichts hielten. Das seien laut Weisband die wahren Gefahren: "Die USA könnten uns, wenn sie wollen, unsere gesamte Wirtschaft flach legen."
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"Das kommt viel zu kurz": Expertin warnt vor Sicherheitsrisiko in Deutschland
Tatsächlich sei die EU konventionell nicht so schlecht aufgestellt, stimmte Sicherheitsexpertin Florence Gaub ihrer Vorrednerin zu "100 Prozent" zu. Auf Grauzonen-Taktik wie Stromausfälle, Cyberangriffe aufs Grundwasser, auf Züge sei Deutschland jedoch zu wenig vorbereitet: "Wir schauen aus guten Gründen aufs Militärische, aber was ist mit dieser innenpolitischen Dimension? Diese kommt viel zu kurz", warnte sie vor weiterer Einflussnahme durch Russland.
"Dass Putin am Ende gut rauskommt", glaubte auch CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen. Klar sei ebenfalls, dass Donald Trump auf einen Frieden mit der Ukraine hinarbeite und allen Seiten wirtschaftliche Gewinne verspreche. "Das mag vielen Leuten nicht schmecken", pflichtete Pleitgen Friedrich Merz und Marco Rubio bei, die die alte Weltordnung verabschiedet hatten: "Es gibt dominante Player, die viel bestimmen werden - und die große Frage für die Europäer ist, ob sie dazu gehören oder weggetreten werden."
Johann Wadephul über Verhältnis zu den USA: "Eine Loslösung will niemand"
Bundesaußenminister Johann Wadephul forderte derweil, Europa müsse "souveräner, aber nicht völlig unabhängig" von den Vereinigten Staaten werden und das bedeute, auch selbst verteidigungsfähig zu sein. "Eine Loslösung [Anm.: von den USA] will niemand, derartige Diskussionen werden nicht geführt", fügte der Minister hinzu. Vielmehr sah er in der Rede von US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchener Sicherheitskonferenz eine "ausgestreckte Hand, die wir ergreifen sollen".
Rubios sorgfältig verpackte Bedingung, dass Europa zum erfolgreichen Fortbestehen des transatlantischen Bandes dem Weltbild der USA folgen müsse, ignorierte Wadephul gekonnt. "Ich möchte ganz bewusst nicht das Trennende sehen, sondern die positiven Elemente aufzeigen", gab der Bundesaußenminister Maybrit Illner auf ihre kritischen Rückfragen hin zu verstehen. Er wisse, dass Rubio das Verteidigungsbündnis gemeinsam mit Europa stark machen wollte, betonte Wadephul: "Dieses Angebot sollten wir annehmen."
"Wir müssen jetzt die Kraft haben, groß zu denken, historisch zu denken"
Ganz so überzeugt von Rubios Absichten, vor allem aber von den Intentionen von US-Präsident Trump war Manfred Weber nicht: "Wir müssen aufhören, über die amerikanische Politik zu diskutieren und endlich unser Schicksal in die Hand nehmen." Dass das Europäische Parlament kürzlich ein neues Darlehen in der Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro an die Ukraine gebilligt hatte, habe die Möglichkeiten der EU gezeigt: "Wir müssen jetzt die Kraft haben, groß zu denken, historisch zu denken", meinte Weber.
Historisch wäre auch die Tragweite dessen, was Carsten Breuer in einem bereits vor der Sendung aufgezeichneten Interview mit Maybrit Illner forderte. "Wir stehen einer großen Bedrohung gegenüber", sagte er angesichts der Herausforderung, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee auszubauen, die Ukraine zu verteidigen und unabhängiger von den USA zu werden. Der russischen Bedrohung müsse man jedoch mit "Stärke" begegnen, so Breuer. Das geht nur über Stärke". Jeder müsse verstehen, dass "Europa sich nach der Decke strecken" und die Sicherheit selbst in die Hand nehmen muss.



