ARD-Talkshow

Sterbehilfe-Debatte bei "Hart aber fair": Frank Plasberg erzählt vom Tod seiner Mutter

24.11.2020 von SWYRL

Auf Grundlages der ARD-Adaption "GOTT" von Ferdinand von Schirach diskutierte Frank Plasberg bei "Hart aber fair" das Thema Sterbehilfe. Dabei berichtete der Moderator auch von einer eigenen Erfahrung.

Darf ein körperlich gesunder 78-Jähriger mithilfe seiner Ärztin freiwillig aus dem Leben scheiden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die starbesetzte ARD-Adaption von Ferdinand von Schirachs "GOTT" am vergangenen Montagabend. Am Ende des 90-minütigen Spielfilms sollten die Zuschauer selbst per Telefon- und Online-Abstimmung entscheiden. 70,8 Prozent sprachen sich für die Gewährung des Sterbewunsches aus, 29,2 Prozent dagegen. Anschließend wurde das Ergebnis auch in der ARD-Talkshow "Hart aber fair" diskutiert.

"Gottes Wille oder des Menschen Freiheit: Was zählt beim Wunsch zu sterben?" - Diese Frage stellte Moderator Frank Plasberg seinen Gästen. Noch bevor das Zuschauerergebnis feststand, formierten sich daraufhin schon zwei Lager: Die Medizin-Ethikerin Prof. Bettina Schöne-Seifert und Olaf Sander, der seine eigene Mutter bei ihrem Suizid begleitete, sprachen sich für den Freitod des im Film gezeigten Mannes aus. Der Limburger Bischof Georg Bätzinger und die Internistin Dr. Susanne Johna, die gleichzeitig im Vorstand der Bundesärztekammer sitzt, hielten dagegen.

Der Mann im Film wolle "auf humane Art sterben". "Warum wollen Sie ihm diesen Wunsch verwehren?" - Mit dieser Frage an den katholischen Bischof begann Plasberg seine Diskussion. "Humanes Sterben geschieht - und das ist eigentlich Sterbehilfe, wie ich sie verstehe - derzeit in Hospizen", antwortete Bätzinger. Zudem sei der Film sehr karikiert. Etwaige andere Ansichten, wie etwa jene der Kinder oder Enkel, würden ausgeklammert. Ähnlich sah es auch die Internistin Susanne Johna. In ihrem ersten Statement lobte die 55-Jährige vor allem die Palliativmedizin, die es ermögliche, Schwerkranken ein möglichst schmerzfreies Leben zu ermöglichen.

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"Ich bin froh, dass sie mich nicht gefragt hat!"

"Sie reden über Schmerzen, ich rede über Würde", hakte Plasberg daraufhin ein und schloss ein persönliches Beispiel an: Seine eigene Mutter habe am Schluss ihres Lebens zwar ihre Würde erhalten, sei aber nicht mehr in der Lage gewesen, sich in irgendeiner Weise selbst zu helfen. In Bezug auf das Thema Sterbehilfe fügte der 63-Jährige hinzu: "Ich bin froh, dass sie mich nicht gefragt hat! Aber was ist mit diesen Menschen, wo es nicht um Schmerzen geht, sondern wo es um Würde und Selbstbestimmung geht?"

Johna reagierte dagegen mit einer Gegenfrage: "Was ist denn Würde?" Natürlich hätten gesunde Menschen Angst vor einem Kontrollverlust. Dennoch schließe dieser nicht automatisch ein würdevolles Leben aus: "Mein Mutter hat eine Demenz", erklärte Johna. Dennoch glaube sie, dass ihre Mutter sich noch an Blumen erfreuen könne.

Die Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert sah das Problem hingegen woanders: Man könne niemandem zum Leben zwingen, erklärte sie. Ohne aktive Sterbehilfe bliebe Betroffenen oft nur der Brutalsuizid, das heißt der Sturz vor einen Zug oder ähnliche drastische Mittel. Aus diesem Grund forderte die 64-Jährige, dass der freiwillige Suizid endlich entskandalisiert werde und sich die Debatte darum normalisiere. Nur so scheint es möglich, Betroffenen wie Olaf Sander zu helfen. Sein Vorwurf in der Runde lautete: "Ich war mutterseelenallein, im wahrsten Sinne des Wortes! Da war niemand da, der mich aufgefangen hat!"

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