Studie der Universität Bielefeld

Studie: Fördert Gangsta-Rap Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit bei Jugendlichen?

04.05.2021 von SWYRL

Junge Menschen, die gerne Gangsta-Rap hören, sind eher anfällig für antisemitische oder frauenfeindliche Weltbilder als andere Gleichaltrige. Das ergab eine Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der nordrhein-westfälischen Antisemitismusbeauftragten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Seit vielen Jahren gelten HipHop und Rap als die wohl wichtigsten Bestandteile der gegenwärtigen Jugendkultur. Auch die sogenannten Gangsta-Rapper wie Bushido, Kollegah und Haftbefehl genießen bei ihren jungen Fans großes Ansehen. Wie groß der Einfluss ihrer teils antisemitischen und frauenfeindlichen Texte tatsächlich auf die junge Hörerschaft ist, das wollte eine Studie des Zentrums für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit einem Meinungsforschungsinstitut herausfinden. Am Dienstag wurden die Ergebnisse unter anderem von der auftraggebenden Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vorgestellt.

Im Rahmen der Untersuchung wurden zwischen 2019 und 2021 Einzel- und Gruppeninterviews durchgeführt. Ergänzt wurden diese durch eine für NRW repräsentative Zielgruppe von 500 12- bis 24-Jährigen, die, laut Angaben der Studienleitung, mittels Fragebogen interviewt wurden.

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Männlich und "tendenziell jünger"

Mehr als ein Viertel der Befragten (26,5 Prozent) seien nach Angaben der Forscher "sehr antisemitisch" eingestellt. Eine überwiegende Mehrheit dieser Gruppe (81,4 Prozent) gaben zudem an, "sehr gerne oder gerne" Gangsta-Rap zu hören. In der "nicht antisemitischen" Gruppe (36,5 Prozent) hörte hingegen nur knapp die Hälfte (48,9 Prozent) "(sehr) gerne" Gangsta-Rap.

Des Weiteren stellten die Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Alter und dem Geschlecht der Gangsta-Rap-Fans und ihrer antisemitischen Einstellung fest: Die Mehrheit (76,3 Prozent) der sehr antisemitischen Gruppe seien männlich. Außerdem sei diese Gruppe "tendenziell jünger" als die nicht antisemtisch eingestellten Gangsta-Rap-Hörer. Das Vorurteil, wonach viele Gangsta-Rap-Hörer aus sozial benachteiligten Schichten stammten, konnten die Forscher hingegen nicht bestätigen: Rund 80 Prozent der befragten Gangsta-Rap-Hörer stammten aus Familien mit mittlerem oder hohem Wohlstand. Die antisemitischen Tendenzen zeigten sich zudem auch bei Jugendlichen mit höherer Bildung.

"Dürfen nicht zusehen, wie Musiker Antisemitismus propagieren"

Ähnliche Tendenzen zeigten sich auch im Hinblick auf frauenfeindliche und chauvinistischen Einstellungen. Vermehrt rassistische Haltungen konnten die Forscher hingegen nicht feststellen.

"Die Studie belegt erstmalig empirisch, dass Gangsta-Rap den Nährboden für spätere verfestigte antisemitische Einstellungen bereitet", erklärte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einer Mitteilung. Weiter forderte die 69-Jährige: "Wir dürfen nicht zusehen, wie Musiker Antisemitismus propagieren und mit gewaltverherrlichenden und frauenfeindlichen Texten Jugendliche indoktrinieren. Deswegen müssen wir in der Präventionsarbeit zielgruppen- und altersgerecht Angebote entwickeln."

Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse sowie ein ausführlicher Studienbericht sind auf der Internetseite der Universität Bielefeld zu finden.

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