Sternekoch

Tim Raue: "Fernsehen hat die Tendenz, einen zu versauen"

14.11.2021 von SWYRL

Tim Raue leitet das wohl beste Restaurant des Landes - und auch im Fernsehen stellt er seine kulinarischen Künste unter Beweis. Dabei fremdelte der Berliner Sternekoch anfangs mit dem TV-Geschäft, wie er in einem Interview sagte. Bis heute bleibe er auch vor der Kamera "authentisch".

Aufgewachsen ist er in einfachen Verhältnissen in Berlin-Kreuzberg, heute führt er das wohl beste Restaurant Deutschlands: Sternekoch Tim Raue, kürzlich ausgezeichnet mit Platz 31 in den "World's 50 Best Restaurants", stellt seine kulinarische Kunst nicht nur in der Küche, sondern regelmäßig auch im Fernsehen unter Beweis - sei es in der VOX-Kochshow "Kitchen Impossible" an der Seite von Kumpel Tim Mälzer oder im SAT.1-Format "The Taste", das zuletzt eine Kandidatin aus dem Team Raue gewinnen konnte. Aktuell führt der 47-Jährige die Zuschauer im MagentaTV-Original "Herr Raue reist" auf eine Genussreise um die Welt (zwei Folgen pro Monat abrufbar, ab 25.11. geht es nach New Orleans). Dabei lag ihm der TV-Trubel nicht von Anfang an, wie Raue nun in einem Interview verriet.

"Ich habe mich sehr lange vom Fernsehen ferngehalten", sagte Raue gegenüber der Nachrichtenagentur teleschau. Viele Angebote habe er nicht angenommen, so der Starkoch. "Mehr oder weniger reingezogen" worden sei er von Tim Mälzer: "Irgendwann merkte ich, dass das gut ankommt". Durch die Öffentlichkeit hätten seine Restaurants mehr Gäste bekommen. Jedoch: "Ein Showtyp bin ich definitiv nicht. Das ist nicht meine Natur", stellte Raue in dem Interview klar. "Ich habe schon mal so getan, als ob - und mich dabei gefühlt wie ein Trottel". Deshalb sei er im Fernsehen "authentisch": "Ich würde nie irgendetwas spielen, weil das jemand von mir möchte".

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"Man verdient einen Haufen Geld - für verhältnismäßig wenig Arbeit"

Noch immer falle es ihm jedoch schwer, etwa Menschen anzusprechen, so der Berliner. Durch therapeutische Sitzungen und Coachings habe er an sich arbeiten können, wie er der teleschau sagte. Geholfen habe es, "dass ich etwa Protagonisten treffe, die wissen, dass sie ins Fernsehen kommen". Dies koste ihn einerseits "zwar eine Riesenüberwindung". Andererseits finde er dies auch gut, so Raue. Denn: "Man kann sich ja auch durchs Fernsehen treiben lassen und allen möglichen Quatsch machen. Und das vermeide ich komplett. Weil ich sage: Ich bin Koch. Und geht es ums Kochen, gehe ich in Kochjacke dahin".

In Ausnahmen spreche er auch über Privates im TV - "wenn es darum geht, was mir widerfahren ist. Werden beispielsweise Kindesmisshandlung oder das Aufwachsen in Armut thematisiert, nutze ich meine Stimme". Er sehe sich nicht als prominent an, "aber als jemand, der für die Betroffenen sprechen und Hilfe einfordern kann". Prinzipiell gelte jedoch: "Das Fernsehen hat die Tendenz, einen zu versauen".

Der Starkoch findet klare Worte, wenn es ums Fernsehgeschäft geht: "Man verdient einen Haufen Geld - für verhältnismäßig wenig Arbeit. Es gibt keine 16-Stunden-Tage, an denen man permanent am Limit ist und unter Druck steht". Auch werde man "überall hingeshuttelt und -geflogen und umgarnt". Schon zu Beginn habe er gesehen, "was das mit dem ein oder anderen macht". Er selbst stehe aber "mit beiden Beinen auf dem Boden", nehme sich "nicht allzu ernst" und sei "jemand, der Hilfe schnell annimmt". Das dies Teil seiner Persönlichkeit, so Raue - "auch wenn die Verlockungen im Fernsehen groß sind".

Raue: Arbeit und Privates trenne ich. Und Fernsehen ist etwas anderes, als in der Küche zu stehen. Die Küche ist für mich etwas Existenzielles, das Essenzielle. Jeder Teller muss da perfekt sein. Im Fernsehen weiß ich, dass Fehler passieren. Aber ich bin sehr glücklich mit den Formaten, die ich mache. Ich habe mich für Sendungen entschieden, in denen ich mich wiederfinde. Von "Kitchen Impossible" bis "The Taste" geht es immer darum, zu schmecken. Das ist mir wichtig. Ebenso, eine Hilfestellung zu geben, ein Mentor zu sein.

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