ZDFzeit: Mensch Gorbatschow! - Di. 23.02. - ZDF: 20.15 Uhr

Wegbereiter einer neuen Zeit

17.02.2021 von SWYRL

Die Dokumentation von Bärbel Jacks und Dagmar Gallenmüller verneigt sich - unterstützt durch viele Promi-Zeitzeugen - vor dem großen Weltpolitiker, dessen Entscheidungen so erfreuliche Auswirkungen auf Deutschland hatten. Am 2. März wird Michail Gorbatschow 90 Jahre alt.

Man kann nur hoffen, dass Michail Gorbatschow gegenüber dem Musiker Stas Namin, der zu den wenigen verbliebenen Freunden des Weltpolitikers in seiner russischen Heimat zählt, seine Worte eher augenzwinkernd gewählt hat. "Ich will leben, bis ich 90 bin. Länger will ich nicht leben", hört man ihn in der bemerkenswert privaten Dokumentation "ZDFzeit: Mensch Gorbatschow!" sagen. Am 2. März wird der einstige Staatenlenker der früheren Sowjetunion 90 Jahre alt.

Seit dem Tod seiner Frau im Jahr 1999 fehlt ihm nicht nur der engste persönliche Halt, sondern leider offenbar auch ein wenig die Lebensfreude. "Vor Kurzem war Gorbatschow bei mir zu Gast", erzählt Stas Namin in dem Filmbeitrag von Bärbel Jacks und Dagmar Gallenmüller. "Wir haben gesprochen, ein bisschen Wodka getrunken", heißt es in der Doku. Dann soll "Gorbi", der in Deutschland doch noch so viele Verehrer und Anhänger hat, etwas düster orakelt haben: "Ohne Raissa habe ich hier auf dieser Erde nichts mehr zu tun." Man kann nur hoffen, dass alles ganz anders kommt.

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Held im Westen, umstritten in der eigenen Heimat

Das 45-minütige Porträt versucht sich an der Mammutaufgabe, die Lebensleistung von Gorbatschow zu würdigen, der natürlich als einer der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts gilt und dessen Mitwirken beim Überwinden des einstigen "Kalten Krieges" zwischen West und Ost sowie dem Aufbau einer neuen Weltordnung nicht unterschätzt werden kann. Und doch ist sein Schaffen eine Meisterleistung, die vor allem in Kreisen von Sowjet-Nostalgikern wenig bis gar keine Anerkennung findet. Michael Gorbatschow ist im eigenen Lande umstritten und wird auch im hohen Alter immer wieder angefeindet.

Aus dem Rampenlicht in die Stille

In der "ZDFzeit"-Würdigung, die natürlich die Auswirkungen der Reformbestrebungen im Osten auf die deutsche Wiedervereinigung im Blick hat, kommen viele prominente Zeitzeugen und Wegbegleiter zu Wort. Sie alle erzählen von prägenden Begegnungen mit einer warmherzigen, offenen, blitzgescheiten, oft aber auch etwas tragischen Persönlichkeit. Gorbatschow wirkte immer wie einer, der offen war, der auf Menschen zugegangen ist, der mit Zwischenrufen kein Problem hatte, der es gut fand, wenn ihm vielleicht auch mal widersprochen wurde", erinnert sich Günther Jauch. Ihm gelang einst der Coup, den mächtigen Weltpolitiker ziemlich spontan in seine Talksendung "stern TV" (RTL) einzuladen. Und Gorbi kam.

Ebenfalls ein Bewunderer ist der Scorpions-Sänger Klaus Meine. Er berichtet nicht nur davon, wie Gorbatschow den deutschen Rockmusikern Auftrittsmöglichkeiten eröffnet. Meine spekuliert auch darüber, dass das Rampenlicht dem späteren Medienstar Gorbatschow durchaus imponiert habe. "Offenbar hat es ihm auch sehr viel Freude bereitet, dieser Austausch Rock'n'Roll, Glasnost, Perestroika", so Klaus Meine, der mit seiner Band mit "Wind Of Change" so etwas wie den Soundtrack zu jener Zeit beisteuerte.

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