Neue Serie bei Disney+

Willkommen zurück, alter Gauner: So mischt "Loki" das Marvel-Universum auf

08.06.2021 von SWYRL/Andreas Fischer

Der Gott des Schabernacks mischt den Superhelden-Kosmos auf: "Loki" verbindet als bislang beste Marvel-Serie die Vergangenheit mit der Zukunft.

Mit Verlaub: Dass Loki (Tom Hiddleston) seinen Tod vortäuschen kann, hat er schon bewiesen ("Thor: The Dark Kingdom", 2013). Da mag ihn Thanos in "Avengers: Infinity War" noch so glaubwürdig erwürgt haben und das Marvel Cinematic Universe um seinen redseligsten und listigsten Bösewicht gebracht haben. Dem Gott der Täuschung ist eine Wiederauferstehung jederzeit zuzutrauen. Siehe da: Loki ist in der Tat zurück und bekommt bei Disney+ ab dem 9. Juni seine eigene sechsteilige Serie. Die heißt natürlich wie er selbst: "Loki". Bescheidenheit ist schließlich eine Tugend für andere.

Bei allen Schwächen und Verfehlungen: Man konnte in der Vergangenheit gar nicht anders, als Loki ins Herz zu schließen. Auch wenn er New York City einer blutrünstigen Armee außerirdischer Monster auslieferte, auch wenn er immer wieder seinen Bruder Thor verriet, auch wenn das Universum für ihn eine Sandburg war, die man zertrampeln kann. Am Ende ist Loki vor allem ein widerborstiges Kind, dass mit seinen Tricksereien um Aufmerksamkeit heischt.

Also Schwamm über fast alles (außer die Ermordung Phil Coulsons) und willkommen zurück, alter Gauner. Dass Disney+ Lokis Schrei nach Liebe erhört hat, kommt nicht ungelegen. Zuletzt gab es wenig Spektakuläres zu sehen im Marvel-Kosmos. Nach dem Ende der "Avengers"-Saga hatte Spider-Man noch einen großen Auftritt ("Far From Home"), danach herrschte Corona-Leere im Kino.

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Kein Held, aber super

Auf dem Bildschirm wurden zumindest die Geschichten von ein paar alten Helden in Serienform weitererzählt. "WandaVision" und "The Falcon and the Winter Soldier" sind mehr als solide, aber für den ganz großen Wow-Effekt haben die Erkundungen der Befindlichkeiten altgedienter Avengers nicht gesorgt.

Das ist bei Loki nun anders. Sein Vorteil: Der Gott der Täuschung ist kein Held. Ganz und gar nicht. Eher ein opportunistisches Schlitzohr und damit eine Art von Protagonist, die dem zuletzt staatstragenden MCU gut zu Gesicht steht. Erstmals im Unterhaltungsfranchise macht ein nomineller Schurke das ganz große Ding - und wie.

Loki also reist nach seiner Auferstehung ziemlich munter durch Zeit und Raum. Durch das Zeitreise-Chaos im letzten "Avengers"-Film hatte er Schlupfloch für die Wiedergeburt gefunden und landet zunächst in der Wüste Gobi.

Aber wie das so ist mit Zeitreisen: Sie bleiben selten folgenlos. Dass Loki ins Visier einer Regulierungsbehörde gerät, überrascht daher nicht: Mobius M. Mobius (Owen Wilson) von der Time Variance Authority (TVA) befürchtet schlimme Verwerfungen im Raum-Zeit-Kontinuum, die offenbar nur mit viel Kawumm und noch mehr Papierkram zu verhindern sind. Es ist höchst amüsant, wie die bürokratische Zeitaufsichtsbehörde tickt und wer dahinter steckt.

Offenbar gibt es nämlich drei allmächtige Zeithüter, die bislang unbekannt waren. Sie bändigten die verschiedenen Zeitstränge des Multiversums einst und sorgen seither für einen ordnungsgemäßen, vorherbestimmten Ablauf allen Seins.

Infinity-Steine sind nur noch Briefbeschwerer

Götter neben ihm? Das gefällt Loki natürlich gar nicht - zumal er bislang der festen Überzeugung war, über einen freien Willen zu verfügen. Klären lässt sich das nur in einem persönlichen Gespräch mit den Zeithütern - das bekommt Loki aber nur, wenn er Mobius dabei hilft, den größten Zeitgangster aller Zeiten (darunter geht's wirklich nicht) zu jagen. Und das ist ausgerechnet, so glaubt die TVA, eine andere Version von: Loki!

Zwei von insgesamt sechs Folgen hat Disney vorab zur Verfügung gestellt. Eins lässt sich schon sagen: Es wird endlich wieder super im Marvel-Universum. Mit einem extrem gut aufgelegten Owen Wilson als Zeit-Bürokraten, mit allen großen und kleinen Apokalypsen der Menschheitsgeschichte, mit temporalen Auren, mit Infinity-Steinen als Briefbeschwerer, mit all dem grandiosen Quatsch, der sich über Zeitreisen so herrlich erzählen lässt - und natürlich mit einem Loki, der seinen Schabernack in allen Dimensionen treibt. Bei "Loki" gibt es im MCU wieder etwas zu sehen, zu spekulieren, (nicht) zu verstehen. Und es wird bereits die zukünftige Entwicklung des MCUs vorbereitet: "Dr. Strange and the Multiverse of Madness" wird sich um alle Zeitschleifen kümmern, die "Loki" nicht entwirren kann.

Weil mit Regisseurin Kate Herron ("Sex Education") und Drehbuchautor Michael Waldron ("Rick and Morty") ausgewiesene Comedy-Experten hinter dem Serienprojekt stehen, ist "Loki" bei allem Ernst der Lage auch ziemlich witzig. Der Schnauzbart von Owen Wilson jedenfalls ist zwar der erste offensichtliche, aber natürlich nicht der einzige Gag.

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