ZDF-Talk

"Wir Jungen müssen warten": Boris Palmer kritisiert bei Lanz Söders Impf-Vorstoß

28.04.2021 von SWYRL

Das Thema Impfreihenfolge wird weiter kontrovers diskutiert. Bei "Markus Lanz" verurteilte Boris Palmer den jüngsten Vorstoß Markus Söders, die Reihenfolge zeitnah aufzuheben, als Populismus. Außerdem verteidigte der Oberbürgermeister von Tübingen den Sonderweg seiner Stadt.

Passau macht es vor: In der niederbayrischen Stadt ist die Impfreihenfolge aufgrund der hohen Impfquote bereits aufgehoben. Wenn es nach dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder geht, soll auch anderswo die Impfreihenfolge gelockert werden. Ansonsten verzögere die "Impfbürokratie den Impferfolg", wie Söder im Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte. Boris Palmer hält von derlei Vorgehen nicht viel, wie er am Dienstagabend im ZDF-Talk "Markus Lanz" verdeutlichte. "Wahrscheinlich denkt sich Herr Söder, dass es populär ist, allen zu sagen: Ihr bekommt Impfstoff", kritisierte Tübingens Oberbürgermeister.

Allerdings sei mit einem solchen Versprechen auch eine mitunter folgenreiche Konsequenz verbunden, wie er mutmaßte: "Wenn man jetzt 30-Jährige impft, die gar nicht besondere Risiken tragen, dann geht man leider das Risiko ein, dass ein 60- oder 70-Jähriger dafür stirbt." Schließlich steige das Risiko einer schweren Erkrankung mit möglicher Todesfolge mit höherem Alter an. Für Palmer sei daher die logische Schlussfolgerung, solange der Impfstoff knapp ist: "Wir Jungen müssen noch warten."

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Boris Palmer verteidigt Tübinger Sonderweg

Weiterhin überzeugt zeigte sich Palmer von dem Sonderweg, den Tübingen im Rahmen eines Modellversuchs im Kampf gegen die Pandemie gegangen war. Breit angelegte Tests hatten Öffnungen von Restaurants und Theatern erlaubt - bis der Bund die Corona-Notbremse beschloss. Seither habe die Anzahl durchgeführter Corona-Tests in Tübingen pro Tag erheblich abgenommen - von 5.000 auf 500 -, wie Palmer erläuterte.

Seiner Überzeugung nach würde nur die Aussicht auf Lockerungen die Testbereitschaft bei den Bürgern erhöhen, so der 48-Jährige. Im Umkehrschluss habe man dadurch auch einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen, wie Palmer erläuterte: "Unsere Erfahrungen mit dem präventiven, systematischen Testen sind sehr positiv, in der Schule wie in der Stadt."

In Bezug auf die Situation von Kindern wies er überdies darauf hin: "Bei den Schulen will ich nochmal eins sagen: Man muss wirklich abwägen. Es ist nicht gegeneinander auszuspielen, was man den Kindern alles antut, wenn man Kitas und Schulen schließt." Man würde ihnen schließlich "ein Jahr ihres Sozial- und Bildungslebens" rauben, merkte Palmer an. "Das kann durchaus sein, dass das mehr Schaden anrichtet als Covid-19."

Palmer weist Kritik zurück

Peter Tschentscher, Palmers Amtskollege aus Hamburg, zeigte sich bei "Markus Lanz" wenig begeistert vom Tübinger Sonderweg. Zwar sei er ebenso überzeugt von einer groß angelegten Teststrategie, damit verbundene Lockerungen sah er hingegen kritischer: "Wenn ich mir eine Öffnung bei einer gegebenen Inzidenz eigentlich nicht erlauben sollte, dann sollte man sie nicht mit Testen trotzdem machen." Tschentscher fügte hinzu, die Tests seien zur Absicherung da, sollten seiner Meinung nach aber nicht "vorzeitige Öffnungsschritte begründen".

"Auf der Habenseite haben Sie eine deutlich gestiegene Inzidenz, Sie sind jetzt über hundert", merkte Tschentscher in Richtung Palmer an. Der wollte diese Aussage unter Berücksichtigung der teils doppelt so hohen Werte in den angrenzenden Landkreisen nicht so stehen lassen: "Da kann man doch nicht annehmen, dass unser Modell ein Infektionstreiber ist."

Außerdem appellierte der Grünen-Politiker, sich nicht deutschlandweit auf eine Strategie zu fixieren. Er warf die Frage auf: "Wir machen jetzt alle das Gleiche. Die Frage ist: Ist das gut?" Sollte die Strategie fehlschlagen, "haben wir nichts anderes mehr", warnte Palmer.

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