Corona-Pandemie

Virologe Drosten im "heute-journal": "Wir sind in einer Ausnahmesituation in Deutschland"

28.09.2020 von SWYRL

Die Corona-Pandemie in Deutschland ist aktuell stärker unter Kontrolle als in anderen Ländern. Als Gesprächsgast im "heute-journal" erklärte der Charité-Virologe Christian Drosten, woran das seiner Meinung nach liegt. Dazu lobte und ermahnte der Forscher die deutsche Bevölkerung.

Die Covid-19-Fallzahlen in Deutschland steigen - allerdings nicht so stark wie in vielen Nachbarländern. Woran das liegt, fragen sich derzeit viele. Auch "heute-journal"-Moderator Claus Kleber, der im ZDF-Nachrichtenmagzin am Sonntagabend jenen Mann per Live-Schalte befragte, dessen Wort noch immer großes Gewicht hat in der Pandemie-Debatte: den Charité-Virologen Professor Christian Drosten. In dessen Wahrnehmung habe Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern mit dem "relativ milden Lockdown" eine "spezielle Art der Kontrolle" erzielt. "Vielleicht sind wir unter einen gewissen Schwellenwert dabei gekommen, und das hat uns eine Verschnaufpause über den Sommer gegeben", vermutet der 48-Jährige. "Wir sind jetzt schon in einer Ausnahmesituation in Deutschland, wenn man das mit anderen Ländern vergleicht."

Kleber führte im Gespräch als Beispiele Frankreich und Italien an, Länder, die von der ersten Corona-Welle stark betroffen waren und nun schon wieder stark ansteigende Infektionszahlen melden. Drosten äußerte dazu den "Verdacht, dass man vielleicht in diesen Ländern in Wirklichkeit doch nicht so effizient die Neuinzidenz gesenkt hat". Womöglich, so der Mediziner, habe es dort im Hintergrund ein Infektionsgeschehen gegeben, "das man zum Teil nicht bemerkt hat, zum Teil auch ignoriert hat, und in dem Moment der Lockerung ging es dann gleich wieder weiter".

Drosten lobt und mahnt die Bevölkerung: "in kleinen Entscheidungen richtig verhalten"

Dass Deutschland im direkten Vergleich zumindest derzeit besser dasteht, machte Drosten noch an einem anderen Faktor fest, nämlich daran, "dass die Bevölkerung ganz besonders gut aufgeklärt ist und auch sehr gut mitmacht und mitdenkt bei all den Maßnahmen". So sei etwa die Frage der Aerosol-Übertragung in den USA erst kürzlich noch mal diskutiert worden, was in Deutschland bereits seit Mai geklärt wurde. "Und das ist, glaube ich, auch das ganz Entscheidende, wo wir schon in Deutschland ganz viel geschafft haben: dass die Bevölkerung so gut Bescheid weiß bei uns, dass die Bevölkerung auch die Maßnahmen, die bisher und zwischendurch in Kraft waren, so gut unterstützt." Man lese von Zustimmungswerten für die beschlossenen Pandemie-Maßnahmen von über 85 Prozent. "Das ist schon eine große Errungenschaft."

Dass Deutschland die Verbreitung des Coronavirus weiter so gut unter Kontrolle halten kann, wollte Drosten dennoch nicht garantieren. "Es sind schon schwierige Einschätzungen, die man da jetzt im Moment treffen muss", gab er auch Nachfrage Claus Klebers zu. "Man weiß gar nicht, wie man mit diesen Zahlen umgehen soll und man fragt sich eigentlich, was man für ein Kriterium anlegen muss." Wichtig bleibe ein hohes Maß an Eigenverantwortung der Bürger. Drosten appellierte an die Menschen im Land, "sich in den kleinen Entscheidungen des Alltags richtig zu verhalten". Er zeigte ein Beispiel auf: "Muss ich nächsten Monat jetzt 40 Leute für eine Geburtstagsparty einladen, auch wenn ich das darf, oder verschiebe ich das doch lieber?"

Schließlich rief der Virologe die Deutschen dazu auf, im privaten und beruflichen Umfeld Überzeugungsarbeit zu leisten. "Jeder hat in seinem Umfeld natürlich auch Personen, die es nicht so ganz einsehen, die vielleicht auch sagen: Das interessiert mich nicht oder ich verstehe es nicht", erklärte Drosten. "Man kann mit denen reden und sollte das auch tun. Ich glaube, das ist einer der größten Vorsprünge, die wir haben in Deutschland, bei dieser ganzen Problematik."


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