03.04.2026 von SWYRL/Friederike Hilz
Wie findet man ins Leben zurück, wenn der Ehemann stirbt oder wenn das eigene Kind ermordet wird? In solchen Momenten helfen Menschen wie Albi Roebke. Das ZDF begleitet den Notfallseelsorger in einer Kurzreportage.
Als Linda die Tür öffnet, nimmt Albi Roebke sie in den Arm. Auch beinahe 20 Jahre nach dem Mord an ihrer jüngeren Schwester Hannah ist der evangelische Pfarrer und Notfallseelsorger weiterhin eine wichtige Person in ihrem Leben. Gemeinsam arbeiten sie etwa an der Hannah-Stiftung, die Linda nach dem Verlust gründete.
Für Roebke ist das eine willkommene Abwechslung von seinem Alltag: "Ich komme ja eigentlich, wenn es zu spät ist", erklärt er in der ZDF-Reportage "Leben ist mehr! Plötzlich ist alles anders". Zum Karfreitag begleitet der Sender den Pfarrer, der bereits seit Anfang der 2000er-Jahre als Notfallseelsorger in Bonn und im Kreis Rhein-Sieg arbeitet.
"Ich glaube, es gibt so ein Vertrauen in die Welt - und ich beneide jeden, der das hat - zu sagen: 'Eigentlich kann mir nichts passieren'", überlegt der 57-Jährige. "Wir alle Menschen brauchen das. Zur Not müssen wir uns vorlügen, dass es so ist. Weil, wir können nicht damit leben, dass dauernd eine Katastrophe passieren kann", weiß er. "Das Blöde ist: Es kann dauernd die Katastrophe passieren. Das stimmt einfach."
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Notfallseelsorger: "Man muss auch Grenzen setzen"
Eben das hat der 57-Jährige bei seiner Arbeit oft erlebt: Da ist beispielsweise Kathleen, die vor sechs Jahren unerwartet ihren Ehemann verlor. Oder Eva, deren Tochter von ihrem Onkel ermordet wurde. Zunächst sei sie skeptisch gegenüber der Notfallseelsorge gewesen, gibt Eva zu. Aber dann habe sie Roebke und seine Arbeit "sehr schnell schätzen gelernt": "Da war einer da. Und der hat sich um mich gekümmert."
Einmal, da wurde es Roebke jedoch zu viel, gesteht er im ZDF: Während das Ahrtal 2021 von einer verheerenden Flut heimgesucht wurde, "bin ich an meine Grenzen gekommen", erzählt er: "Weil das so lange gedauert hat und es überhaupt keine Pause mehr gab."
Im Laufe seiner Tätigkeit als Notfallseelsorger hat der 57-Jährige gelernt: "Man muss auch Grenzen setzen." Das ist sowohl für ihn als auch für seine Familie wichtig. "Meine Frau möchte die Einsatzjacke nicht im Haus haben. Die liegt im Auto. Und ich habe gemerkt: Das tut mir übrigens genauso gut", erklärt er.
"Meine Seele sucht irgendetwas, das ich unter Kontrolle habe"
Dass Menschen auch angesichts persönlicher Katastrophen "irgendwoher" die Kraft nehmen, weiterzumachen, weiß Roebke aus persönlicher Erfahrung. 2015 verlor er bei einem Autounfall seine Mutter, seinen Vater und seinen Bruder. "Im ersten Moment, als ich erfahren habe, dass meine Eltern tot sind, habe ich gedacht: 'Mein Gott, ich habe denen Mangos vorbeigebracht. Die werden jetzt schlecht", erinnert er sich in der ZDF-Reportage. Auch wenn der Gedanke in diesem Moment komisch anmutet, weiß der 57-Jährige, was damals dahintersteckte: "Meine Seele sucht irgendetwas, das ich unter Kontrolle habe."
Der Verlust wiegt auch mehr als zehn Jahre später schwer. Kraft findet Roebke in seinem Glauben, der ihm auch bei seiner Arbeit hilft. Besonders der Karfreitag und der darauffolgende Ostermontag erinnern ihn daran, "dass es Hoffnung in allem Leid gibt". Der Pfarrer ist überzeugt: "Wenn ich mein Leiden vor Gott bringe, weiß er, was gemeint ist."



