25.02.2026 von SWYRL/Friederike Hilz
In einer Privatstadt in Honduras sollen Unternehmer zusammenkommen und Innovation vorantreiben - ohne Regulierungen und ohne Demokratie. Bei seinem Besuch findet ein HR-Reporter eher "Hostel- und Community-Vibes". Dennoch sieht er in dem Projekt eine mögliche Gefahr.
Zwischen Strand, Meer und Regenwald liegt auf der Karibikinsel Roatán in Honduras die Privatstadt Próspera. Hier sollen Unternehmer ihre Innovationen vorantreiben - ohne Einschränkungen. Denn die Gesetze des Landes gelten hier nicht, und auch Gesundheits- und Klimavorschriften gibt es nicht.
Lukas Wiehler vom hessischen Rundfunk (HR) besucht in einer neuen Reportage des "Y-Kollektivs" die wohl erste Charter-City weltweit und findet vor allem Menschen vor, denen Steuern und teilweise sogar die Demokratie selbst zuwider sind.
"Ich bin insgesamt kein großer Fan von Demokratie", erklärt etwa Ivan. Der ukrainische Bauunternehmer plant bereits einen weiteren Wohnblock für die Stadt. "Demokratie ist ständige Veränderung", fährt er fort. Das bedeutet seiner Meinung nach "totales Chaos" für Business und Investitionen.
Leistung bringen steht für Leute wie ihn anscheinend über allem. Solange man einen "Mehrwert" biete, habe man in Próspera "ziemlich coole Chancen", findet Ivan. Aber was ist mit Leuten, die möglicherweise aufgrund von Krankheit diese Leistung nicht erbringen können? Auf diese Frage, so scheint es Wiehler, hat Próspera keine Antwort.
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In Próspera ist ein Ziel: Keine Verpflichtunge, nur Vorteile
Von dem angepriesenen Unternehmergeist sehe er bei seinem Besuch allerdings auch wenig, findet der HR-Reporter. Statt "Raubtierkapitalismus" nehme er eher "Community- und Hostel-Vibes" wahr. Bei einem Vortrag gibt ein Redner den Tipp: "Seid schlau und zahlt legal keine Steuern!" Er rät den Zuhörern dazu, ihren Firmensitz nicht in der Europäischen Union zu haben. Ihre EU-Pässe sollten sie allerdings behalten.
"Keine Verpflichtungen, nur Vorteile", wie der Redner sagt - auf Wiehler wirkt auch das "radikal unsolidarisch". Was ihm ebenfalls komisch vorkommt: Nur eines der vielen Unternehmen, welches angeblich zur Stadt gehört, verkaufe tatsächlich ein Produkt. Doch das Gen-Tech-Unternehmen möchte nicht mit mit dem Journalisten sprechen.
Aber wen zieht es nach Próspera? Etwa 40 bis 50 Leute leben laut einem bayerischen Unternehmer derzeit in der Stadt, in der einmal bis zu 150.000 Menschen leben sollen. Er selbst, erklärt Niklas, sei wegen der Steuerbelastung aus Deutschland ausgewandert. In Próspera beträgt die Unternehmenssteuer gerade einmal ein Prozent.
Auch der Tscheche Alec möchte auswandern. Er ist überzeugt, dass Währungen wie Dollar und Euro scheitern werden, erzählt er Wiehler. Deshalb setzt er auf Bitcoin, denn für ihn bedeutet die Kryptowährung Freiheit vom Staat. Der nehme "den Produktiven" das Geld weg und gebe es "den Unproduktiven".
"Sie zahlen nicht die gleichen Steuern wie wir. Das ist nicht fair."
Doch auch Próspera hat eine Regierung: Ein Unternehmerrat, von dem die Mehrheit von der Aktiengesellschaft Próspera Inc. aus Delaware in den USA ernannt wird, trifft hier Entscheidungen. Möglich machte die Stadt der frühere honduranische Präsident Juan Orlando, der einst ein kontroverses Gesetz zu Sonderwirtschaftszonen verabschiedete - sehr zum Missfallen der Menschen, die in der Nähe wohnen.
Für den Bau wurde 2020 ein Teil des dortigen Regenwalds gerodet. Außerdem soll auch eine wichtige Wasserquelle des Dorfs dabei versiegt sein. Luisa und Vanessa sind Ortsvorsteherinnen in einem kleinen Fischerdorf, das neben der Privatstadt liegt. Sie sagen, die Mehrheit der Dorfbewohnerinnen und -bewohner sei gegen Próspera. "Das sind reiche Leute. Die kommen in unser Land, nutzen unsere Flughäfen, unsere Straßen, unsere Müllabfuhr", ärgert sich Vanessa im Gespräch mit Wiehler: "Aber sie zahlen trotzdem nicht die gleichen Steuern wie wir. Das ist nicht fair."
Honduranischer Regierungsvertreter spricht von "ausländische Invasion"
Inzwischen ist Próspera eigentlich illegal. Doch die Menschen dort machen einfach weiter. Fernando García, der als staatlicher Beauftragter für Sonderzonen wie die Privatstadt zuständig ist, spricht von einer "ausländischen Invasion". Doch der Kampf gegen die Stadt sei schwierig und ziehe sich bereits über Jahre.
Indes überlegt ein weiterer libertärer Aussteiger, der Teil der sogenannten Seasteading-Bewegung ist, vor die Küsten Honduras und später ins offene Meer zu ziehen - "wo die Gesetze vom Land nicht mehr gelten". Der selbsternannte Pionier Chad findet: "Unser Regierungssystem ist im Grunde die Mafia." Er versuchte bereits, vor Thailand einen neuen Wohnraum aufzubauen, doch das Militär des Landes nahm ihn fest und drohte ihm mit der Todesstrafe.
Tech-Milliardäre und Donald Trump unterstützen Privatstädte
Auch wenn Próspera oder die Seasteading-Bewegung derzeit noch klein scheinen: Die Menschen, die hinter Projekten wie diesen stehen, sind durchaus mächtig. Tech-Milliardäre wie Peter Thiel, der einst PayPal mitgründete, oder Sam Altman, der CEO von OpenAI, investierten etwa in Städte wie diese. Auch US-Präsident Donald Trump sprach sich bereits für sogenannte "Freedom-Cities" in den USA aus.
Doch HR-Reporter Wiehler ist auch nach seinem Besuch skeptisch. "Die Freiheit hier ist für mich radikal, undemokratisch und exklusiv." Er glaubt: "Als Testlauf für einen Staat im Staat könnte dieses Modell weltweit gefährlich werden."
"Tech-Bros im Paradies - Die erste Privatstadt der Welt: Próspera" ist am Mittwoch, 3. März, um 22 Uhr im HR und bereits jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen.



