"ZDFzoom: Der Krieg der Söldner"

"Verfolgt mich bis heute": Deutscher Kameramann spricht im ZDF über Entführung in Syrien

12.01.2022 von SWYRL

Vor einem Jahr wurde ein Kameramann des ZDFs bei Recherchen zu Söldnern in Syrien entführt und mit Folter bedroht. Am Mittwochabend erzählt eine "ZDFzoom"-Doku die verstörende Geschichte.

Es war ein Job mit ungeahnten Folgen: Im September 2021 reisten der "ZDFzoom"-Reporter Arndt Ginzel und sein Kameramann Gerald Gerber nach Syrien, um über die Anwerbung von Kämpfern für Söldnereinsätze durch Militärunternehmen recherchieren. Doch während den Vorbereitungen wird Gerber selbst von Söldnern entführt. Die Dokumentation "ZDFzoom: Der Krieg der Söldner. Das Geschäft der Schattenarmeen" am Mittwoch, 12. Januar, 22.45 Uhr, ZDF, erzählt die ganze Geschichte.

Bereits am Dienstag hatte sich das ZDF-Politmagazin "Frontal" mit den Ereignisse aus dem letzten Sommer befasst. In einem rund zwölfminütigen Beitrag erzählten Ginzel und Gerber von ihren Erlebnissen am Tag der Entführung: Unweit ihres Hotels seien sie an einen Checkpoint des Militärs geraten. Ein syrischer Söldner hätte sie angehalten und Gerber verschleppt.

"Mein letzter Gedanke war dann noch, bevor sie mich weggeschleppt haben: Hoffentlich holt er die Kalaschnikow jetzt nicht auch noch vom Rücken runter und fängt an zu schießen", erinnerte sich der Kamermann. Mit verbundenen Augen sei er in ein schwerbewachtes Gebäude gebracht worden, wo ihm während der Befragung Folter angekündigt wurde, die jedoch nicht physisch ausgeübt wurde: "Das war ein Gefühl der Machtlosigkeit und das verfolgt mich noch bis heute."

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"Alle fürchteten, dass er nach Damaskus verschleppt wird"

Während Gerber vom syrischen Sicherheitsdienst verhört wurde, versuchte sein Kollege Ginzel, Hilfe zu organisieren: Nach sechs Stunden informierte er das Auswärtige Amt in Berlin bat und kurdische Vermittler um Hilfe: "Alle fürchteten, dass er nach Damaskus verschleppt wird", erinnert er sich im "Frontal"-Beitrag. Doch gegen zwei Uhr morgens kam Gerber nach 16 Stunden überraschend frei. Sein deutscher Pass, so vermutet Ginzel, habe ihn wohl vor Schlimmerem bewahrt.

"Die Kriegsführung im 21. Jahrhundert verändert sich deutlich von der Art der Kriegsführung, die das 20. Jahrhundert geprägt hat", sagt Andreas Heinemann-Grüder vom Bonner International Centre for Conversion. Heute versuchen Staaten mittels Söldnerfirmen Sanktionen zu umgehen. Vor allem die russische Schattenarmee scheint an dem Geschäft beteiligt zu sein.

Ihre Spuren führen auch zu dem untergetauchten Wirecard-Vorstandsmitglied Jan Marsalek. Davon sowie von den Rechercheergebnissen, die Ginzel und Gerber gewannen, berichtet "ZDFzoom". Nach der Ausstrahlung steht die Dokumentation zwei Jahre lang in der ZDF-Mediathek zum Abruf bereit.

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