Wilsberg - Gene lügen nicht - Sa. 15.01. - ZDF: 20.15 Uhr

Ekki Talkötter und der unbekannte Bruder

11.01.2022 von SWYRL/Wilfried Geldner

Im 74. "Wilsberg"-Fall schlägt für den ewigen Emporkömmling Overbeck (Roland Jankowsky) die Stunde. Im Fortbildungsseminar hat er von neuen Methoden aus Amerika gehört. Alte Mordfälle werden dort mittels DNA-Analyse auf Umwegen über Verwandte aufgerollt. Gleich wird ihm ein erster Fall übertragen.

Während Habenichts Wilsberg (Leonard Lansink) gerade sein Testament verfasst und fürchten muss, dass alles dem Staat verfällt, entdeckt Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky), dass die DNA-Analyse in einem zehn Jahre zurückliegenden Mordfall ausgerechnet auf Ekki Talkötter (Oliver Korittke), Wilsbergs Freund und Helfer, verweist. Immerhin stimmen 25 Prozent der Gene mit den damals aufgefundenen Täterspuren überein. Sollte Ekki wirklich ein Mörder sein? Immerhin sagt es doch schon der Titel dieses neuen Falls der sympathischen "Wilsberg"-Reihe: "Gene lügen nicht".

Es muss, wenn man den neuen US-Erkenntnissen über längst aufgegebene Fälle ("Cold Cases") folgt, zumindest einen nahen Verwandten Talkötters geben, auf den die damals entdeckte DNA-Spur verweist. In einem Wettlauf der Kriminalisten machen sich Overbeck und Steuerfahnder Talkötter auf die Suche nach dem ominösen "Halbbruder". Der eine, um auf der Karriereleiter hochzuklettern, der andere, um die Unschuld seines unbekannten Verwandten) zu beweisen.

Ohne Frage hat das bei allem Aberwitz einigermaßen komisches Potenzial, das der Regisseur Philipp Osthus ("Hubert und Staller") denn auch ausnutzen kann. Ekki taucht mit Wilsberg tief in die eigene unbekannte Familiengeschichte ein. Mit wem hatte sein verstorbener Vater was? "Sie hat ihr Leben ausgekostet, sie war immer die Mutigere von uns beiden!", behauptet jedenfalls Tante Annegret über die Mutter - ein furios präziser Auftritt für Hedi Kriegeskotte. Ein Tagebucheintrag zeigt zudem auf: Halbbruder Berni wurde einst zur Adoption freigegeben.

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Litt Ekkis Halbbruder unter Verfolgungswahn?

Ekkis Suche ist lange Zeit ein munteres Spiel - nicht nur Bernis Vater, ein Kneipenwirt, sondern auch dieser selbst wird dank der US-amerikanischen Methode geoutet. Berni, wie könnte das in Münster anders sein, betreibt ein Fahrradgeschäft. Dessen Hinterzimmer ist mit allerlei geheimnisvollen Buchstaben bepflastert. Der da Vinci-Code? Nein, sondern Algorithmen zu DNA-Analysen. Der Halbbruder (eine etwas schmale Rolle für Dieter Landuris), wenn er es denn sei, litt unter mächtigem Verfolgungswahn. Ein Umstand, der sich auf verschlungenen Drehbuch-Pfaden (Markus B. Altmeyers dritter "Wilsberg"-Fall) als keineswegs aus der Luft gegriffen erweist.

Richtig betrachtet, wird von Wilsberg und Co. fast die gesamte bessere Gesellschaft Münsters hochgenommen. Eine Samenbank und deren Besitzer spielen dabei eine ebenso gewichtige Rolle wie ein Genlabor, das nicht nur Wilsbergs Bank mit allen Daten beliefert, die seine Kreditwürdigkeit in Frage stellen. Die Datenbanken und der gläserne Mensch: Das Sujet wurde unlängst in der Wilsberg-Episode "Überwachen und Belohnen" ausführlich behandelt.

Dass die Verquickung des Politthemas mit einem Mordfall keine leichte Sache ist, zeigt stattdessen der neue Fall. Vielleicht liegt die fehlende Leichtigkeit aber auch daran, dass Wilsberg nach einem Wasserrohrbruch im Antiquariat noch immer mit einer (Corona-bedingten) backsteinernen Notbehausung auskommen muss und dass es der neuen Jura-Kraft an seiner Seite (Patricia Meeden) noch am familiären Einverständnis fehlt. Kein "Cold Case" also, wie der Angeber Overbeck sagen würde, aber eben doch ein eher lauwarmer Fall.

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