Bares für Rares
In der Donnerstagsausgabe wurde ein altes Möbelstück präsentiert. Optisch hätte es problemlos ins Badezimmer gepasst. Doch Sven Deutschmanek dachte in eine ganz andere - sagen wir: schwer verdauliche - Richtung.
© ZDFBares für Rares
Der Beginn war harmlos und ging so: Wenn Gerdi (links) über Flohmärkte bummelt, hat sie meist einen klaren Auftrag. In diesem Fall stand fest: Das Enkelkind sollte eine Wanne bekommen.
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Beim Kauf des Gegenstandes hatte sie aber schnell erkannt: Zerbrechliches Material wie Porzellan, in dem ein Neugeborenes badet, das klang nicht nach einer idealen Kombination. Nun musste es also weichen.
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Zum Verkauf bei "Bares für Rares" stand also nun ein sogenanntes Hygienemöbel: ein Bidet aus der Zeit um 1900. Gedacht war es einst für die weibliche Hygiene.
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Mit einem kleinen Ausflug ins Französische erklärte Experte Deutschmanek, das Wort bedeute so viel wie kleines Pferd oder Pony. "Das hat man so genannt, weil man rittlings aufsteigen muss." Gesagt, getan - die Demonstration folgte auf dem Fuße.
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Zur Jahrhundertwende war so ein Stück der gehobenen Gesellschaft vorbehalten. Der Erfinder ist jedoch bis heute unbekannt. "Was wir aber hier wissen, ist, dass die Einsatzschalen von Villeroy & Boch gemacht worden sind."
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Ein abgebrochenes Stück an der Seifenschale und poröse Schläuche durch verflüchtigte Weichmacher trübten den Gesamteindruck etwas. Dennoch taxierte der Experte das Ausstellungsstück auf 120 bis 150 Euro. Gewünscht waren bescheidene 50 Euro.
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Nach der Expertise ließ Deutschmanek noch seiner Fantasie freien Lauf und gab den Kellner: "Kennst du das, wenn du Besuch hast und eine große Portion Pasta machst?" Er meinte die große Bidetschale. "Mit Ketchup", konterte Horst Lichter scherzhaft. Der Zuschauer blieb irritiert mit Bildern zurück, die man lieber schnell wieder vergaß.
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Im Händlerraum wurde zunächst gerätselt: War es eine Babybadewanne? Ein Puppenmöbel? Vielleicht doch etwas für den Hund? Walter "Waldi" Lehnertz brachte schließlich Licht ins Dunkel und erklärte Julia Schmitz-Avila und Co., dass es sich um ein Klapp-Bidet handelte.
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Als die Verkäuferinnen verrieten, Deutschmanek habe überlegt, die Schüssel künftig für Nudelgerichte zu verwenden, hallte es entsetzt durch den Raum: "Boah, dem Sven ist aber auch alles egal." David Suppes (Mitte) legte nach: "Das ist echt entwürdigend."
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"Und dann die Schwiegereltern einladen", witzelte Schmitz-Avila und verzog dabei das Gesicht. Appetitlich war anders.
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Schluss mit dem Kopfkino, her mit den Geboten: Das kuriose Möbel aus Eichenholz kletterte auf 100 Euro. Jos van Katwijk (rechts) griff zu.
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Ein nostalgischer Spielzeugbus ließ sowohl Gastgeber Lichter als auch Experte Deutschmanek strahlen. Hobby-Restaurateur Roland, der sonst lieber reparierte als verkaufte, wollte sich nun von seinem Flohmarktschatz trennen.
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Die Firma Tippco hatte sich einst mit hochwertigem Blechspielzeug einen Namen gemacht. Dank Fernbedienung ließ sich der Bus fahren und lenken. "Der Zustand ist außerordentlich gut", lobte der Kenner und setzte den Schätzwert bei 240 bis 280 Euro an.
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Auf den Post-Bus (1964-1969) samt Originalverpackung stürzten sich die Händler förmlich. Für 340 Euro sicherte sich Jos van Katwijk als Höchstbietender das rollende Stück.
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Dr. Bianca Berding (links) zeigte sich angetan, im Gegensatz zu Horst Lichter: Das Erbstück der Großtante war ein XXL-Gemälde von 1887. Lichter verpasste der Dekorationsmalerei das Etikett "Oma-Look".
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So beeindruckend das Format war, so zurückhaltend blieben die Gebote für das Werk von C. De Melotte. Immerhin 300 Euro zahlte Julian Schmitz-Avila. Die Expertise hatte eigentlich 400 bis 600 Euro vorgesehen.
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Beim nächsten Objekt herrschte zunächst Ratlosigkeit. Horst Lichter gab offen zu: "Als Kunst hätte ich es nicht erkannt."
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Geschaffen wurde das abstrakte Bronzestück aus dem Ende der 1960er-Jahre von Rolf Szymanski. Die Expertise: 400 bis 550 Euro. Doch für das Werk mit dem Titel "Nach links geneigt" wollte kein Händler den aufgerufenen Preis zahlen.
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Zum Abschluss funkelte es: Eine edle Kette stand zur Begutachtung an. Würden sich 3.500 bis 4.000 Euro erzielen lassen?
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Das Lavallière-Collier aus Platin aus den 1960er- bis 80er-Jahren ließ das Händlerteam schwärmen. Mit 3.000 Euro blieb es zwar unter der Schätzung, wechselte aber dennoch den Besitzer. David Suppes durfte sich über den glänzenden Neuzugang in seiner Sammlung freuen.
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