"Lebenslinien: Ricky Harris - Überlebenslustig

Gefallenem Talkshow-Star Ricky Harris kommen in TV-Doku die Tränen: "Wusste nicht, was der Preis ist"

18.01.2026 von SWYRL/Friederike Hilz

So schnell wie Ricky Harris' TV-Karriere Ende der 90er-Jahre begann, war sie auch wieder vorbei. Eine BR-Reportage blickt auf das bewegte Leben des Ex-Moderators, der inzwischen mit dem Fernsehen abgeschlossen hat.

Lachend läuft Ricky Harris durch die Menge vor der Bühne. Mit bunter Kleidung und seinem charakteristischen Akzent fällt der ehemalige Talkshow-Host sofort auf. Der 63-Jährige ist Ehrengast bei einer Spendengala im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach. Gemeinsam mit seinem jüngsten Sohn Malik Harris sammelt er hier Geld für den guten Zweck. Es ist einer der wenigen Momente, in denen er ins Rampenlicht zurückkehrt.

1999 wurde Harris mit seiner Talkshow "Ricky!" auf SAT.1 deutschlandweit bekannt, doch ebenso schnell war seine TV-Karriere wieder vorbei. Auf den beruflichen folgten private und gesundheitliche Schicksalsschläge - aber der gebürtige US-Amerikaner ließ sich nicht unterkriegen. Der Bayerische Rundfunk widmet ihm nun eine Folge seiner Reihe "Lebenslinien".

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Ricky Harris: "Ich habe keine Angst vor Leuten - im Gegenteil"

Harris wurde 1962 im US-Bundesstaat Michigan geboren. Als schwarze Familie war es für ihn, seine Geschwister und seine Eltern nicht einfach: So hätten sich beispielsweise nach einem Umzug die neuen Nachbarn in Briefen über sie beschwert, erinnert er sich. Dennoch sei es "eigentlich ein schönes Leben" gewesen, sagt Harris.

Sein Vater habe ihm gesagt: "Wenn Leute dich anschauen, vielleicht hast du etwas zu sagen, vielleicht hast du etwas weiterzugeben." Das, überlegt Harris, "könnte der Anfang sein, warum ich mich sehr wohl auf einer großen Bühne finde und fühle. Ich habe keine Angst vor Leuten - im Gegenteil."

Nach der Highschool machte Harris 1984 seinen College-Abschluss und träumte von einer Karriere auf der Bühne. Zur selben Zeit wird seinem Vater eine Stelle als Lehrer auf einem Luftwaffenstützpunkt des US-Militärs im Hunsrück in Rheinland-Pfalz angeboten. Der damals 22-Jährige hilft seinen Eltern beim Umzug und will eigentlich wieder in die USA zurückkehren. Doch er "verliebt" sich in die Sprache, das Land und die Kultur, wie er bei einem Besuch seiner ersten Heimat in Deutschland lächelnd erzählt.

Ex-Frau kritisiert SAT.1: "Man hätte mehr hinter ihm stehen müssen"

Dort lernte Harris auch Gabi, seine erste Ehefrau, kennen. Die beiden zogen nach Bayern und heirateten 1988. Sohn Dennis kam ein Jahr später zur Welt, 1991 folgte Tochter Masha und 1997 Malik. Der mittlerweile 35-jährige Harris hat schon in vielen verschiedenen Berufen gearbeitet und eine Showkarriere schon abgeschrieben, als er einen Job bei einem Teleshopping-Kanal ergattert.

Schließlich bekommt er ein Angebot für eine Show auf SAT.1 - und wird beinahe über Nacht mit "Ricky!" deutschlandweit bekannt. "Es hat mir auch unheimlich viel Spaß gemacht", sagt der 63-Jährige heute. Aber: "Ich habe nicht gewusst, was der Preis ist." Zwar kann die Familie in ein größeres Haus ziehen, doch Harris selbst ist nur am Wochenende da, weil seine Show in Potsdam gedreht wird. Während er es genießt, auf der Straße angesprochen zu werden, gibt Gabi zu: "Das war mir zu viel".

Für einige ist Harris' Art und sein charakteristischer amerikanischer Akzent außerdem ein gefundenes Fressen: Leute hätten sich über sein Lachen, seine Frisur, "alles" lustig gemacht, erzählt seine Tochter Masha. "Man hätte mehr hinter ihm stehen müssen, finde ich. Man hätte viel mehr gegen die Presse machen müssen", kritisiert Gabi: "Die hatten sich richtig festgebissen in ihm."

Ricky Harris wäre beinahe gestorben

Als die Zuschauerzahlen sinken, wird "Ricky!" nach nicht einmal einem Jahr, im Frühjahr 2000, wieder abgesetzt. Harris wohnt wieder zu Hause, doch die Familie kann sich die Miete für das große Haus nicht mehr leisten. "Manchmal habe ich das Gefühl gehabt, dass ich störe", erinnert sich Harris mit ungewohnt ruhiger Stimme an die Zeit nach der Show.

Erst wartet er noch auf ein neues Angebot, doch es kommt nichts. Auch auf seine vielen Bewerbungen erhält er nur Absagen: "Du bist zu bekannt", hätten sie alle gesagt. "Dann ist auch recht bald ...", hier muss Gabi im BR-Interview kurz innehalten, "unsere Ehe zu Ende gegangen."

Harris ist 43 Jahre alt und scheinbar am Tiefpunkt angekommen. "Es war ... es war nicht einfach", gibt er zu. Doch es wird noch schlimmer: Eine Niereninfektion kostet ihn beinahe das Leben. Mit dem BR besucht der ehemalige Moderator das Krankenhaus, in dem er 2006 behandelt wurde. Als er sein altes Zimmer betritt, kommen ihm die Tränen. Schließlich ist es die gespendete Niere seiner Schwester Robin, die ihn vor dem Tod bewahrt. Der nächste Schock ließ jedoch nicht auf sich warten: Nur einige Tage später musste Harris erneut notoperiert werden.

"In dieser Branche arbeiten muss nicht sein"

Langsam scheint es für Harris wieder bergauf zu gehen: Er lernt Mimi, seine heutige Partnerin, kennen, und kann nach überstandener Krankheit wieder arbeiten. Doch fünf Jahre nach der Transplantation erleidet er bei einem Autounfall mehrere Knochenbrüche. Auch diesen Rückschlag bringt Harris hinter sich und zieht 2016, entgegen den Ratschlägen seiner Familie, ins "Dschungelcamp" ein.

Noch mal würde er das nicht machen, lacht er im BR-Interview. "Der Grund, warum ich dann Reality-Shows überhaupt gemacht habe, hat mit einer Sache zu tun, und das ist Geld", gesteht er offen ein. Außerdem habe er auf eine neue Chance im Fernsehen gehofft.

Doch das Telefon bleibt still. Masha ist dennoch überzeugt, dass ihr Vater nicht "gescheitert" ist: "Für mich hat die Welt ihn vielleicht einfach nicht so richtig verstanden." Inzwischen ist Harris Schulbegleiter und Betreuer an einer offenen Ganztagsschule. Mit seiner TV-Karriere hat der 63-Jährige heute abgeschlossen: "Fernsehen muss ich nicht haben. Und in dieser Branche arbeiten muss es nicht sein."

Sein Sohn Malik, der 2022 für Deutschland beim "Eurovision Song Contest" antrat und heute selbst im Rampenlicht steht, sagt stolz über seinen Vater: "Wenn er für irgendwas ein Beispiel ist, dann ja dafür, dass man aus allen Tiefen irgendwie wieder rauskommen kann und immer das Beste aus allem machen kann, und deswegen ist er da eigentlich der perfekte Begleiter."

"Lebenslinien: Ricky Harris - Überlebenslustig" ist am Montag, 19. Januar, um 22 Uhr im BR und bereits jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen.

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