"Essen als Religion - Vom Zwang, sich gesund zu ernähren"

Journalist aß jahrelang nur fünf Lebensmittel - in ARD-Doku nennt er es "eine Art religiöse Verblendung"

18.02.2026 von SWYRL/Franziska Wenzlick

Trotz einer Allergie zählten Nüsse jahrelang zu den wenigen Lebensmitteln, die Nils Binnberg zu sich nahm. Erst nach einem langen Leidensweg wurde dem Journalisten bewusst, dass er an Orthorexie litt. In der ARD-Dokumentation "Essen als Religion" sprach er nun offen über seine Erfahrungen.

Im Mai 2025 ist Nils Binnberg zur Eröffnung einer neuen Berliner Food Hall eingeladen. Es stresse ihn, eine derartige Markthalle zu betreten, erklärt er dem ARD-Filmteam: "Ich kann es nicht ganz loslassen - aber es steht in keinem Vergleich zu dem, als ich wirklich Angst hatte vor Lebensmitteln."

Noch vor wenigen Jahren litt der Journalist unter Orthorexie. In der Dokumentation "Essen als Religion - Vom Zwang, sich gesund zu ernähren" berichtet Binnberg nun von seinem langen Leidensweg, der 2009 begann. Damals habe er sich nach einem unbedachten Kommentar zu seiner Figur in seiner "Eitelkeit und Männlichkeit gekränkt" gefühlt. Er begann zu trainieren, probierte verschiedene Diäten aus, verlor an Gewicht.

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"Ich bin ein besserer Mensch, wenn ich mich so ernähre"

Nach einiger Zeit trieb den heute 50-Jährigen nicht mehr die Sorge um seine Figur an - sondern um seine Gesundheit. "Clean Eating" hatte für Binnberg bald oberste Priorität. Er erlaubte nur noch fünf Arten von Lebensmitteln auf seinem Speiseplan: Avocado, Lachs, Salat, Buchweizen - und Nüsse. Seine Allergie gegen Letztere ließ er dabei außer Acht. Statt auf die für ihn gefährlichen Nüsse zu verzichten, behalf sich Binnberg mit Cortisoncreme. "Das war wie eine Art religiöse Verblendung", resümiert er heute.

Angetrieben habe ihn "ein eiserner Glaube daran, dass diese Lebensmittel gut für mich sind". Über Jahre hinweg unterteilte der Autor Nahrung in gute und schlechte Lebensmittel. Seine damalige Überzeugung: "Ich bin ein besserer Mensch, wenn ich mich so ernähre."

Erst 2016 hörte er erstmalig von Orthorexie - dem Zwang, vermeintlich gesund zu essen. "Ich habe dann begriffen, wie sehr ich eigentlich leide", erinnert sich Binnberg heute. Inzwischen habe er verstanden: "Es gibt gar keine guten oder schlechten Lebensmittel. Es gibt nur ein extremes Essverhalten - und dieses Essverhalten macht ungesund, nicht das Lebensmittel an sich."

Die gesamte Dokumentation "Essen als Religion - Vom Zwang, sich gesund zu ernähren" ist in der ARD Mediathek abrufbar.

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