10.04.2026 von SWYRL/John Fasnaugh
Joe Jackson, die Melvins mit Napalm Death und Nelly Furtado, die sich nach sehr unschönen Schlagzeilen in jüngerer Vergangenheit mit einem Fußball-Song zurückmeldet: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.
Kanada richtet gemeinsam mit den USA und Mexiko die diesjährige FIFA-Weltmeisterschaft der Herren aus. Dass die kanadischen Kicker bis zum Ende um den Titel mitspielen, glaubt in der internationalen Fußballszene kaum jemand. Aber vielleicht trägt sie diese Nummer ja doch ein bisschen weiter: Nelly Furtado hat einen neuen Song veröffentlicht, der Teil einer Kampagne zur Förderung des kanadischen Fußballs ist. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Joe Jackson und den Melvins, die ein gemeinsames Album mit Napalm Death aufgenommen haben.
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Nelly Furtado - Electric Circus
Die Stimme von Nelly Furtado wieder zu hören - sehr schön. Und auch ein bisschen überraschend. Es ist erst wenige Monate her, dass die Grammy-Gewinnerin ("I'm Like A Bird") sich vor dem Hintergrund ekelhafter Body-Shaming-Attacken "auf unbestimmte Zeit" von der Bühne zurückzog. Sie wolle vorerst nur noch im Hintergrund arbeiten, erklärte sie damals. Aber jetzt tritt Furtado mit dem Song "Electric Circus" doch wieder ein Stück weit nach vorne. Vielleicht auch, weil es dabei um mehr als nur Musik geht.
Nelly Furtado singt in der neuen Single relativ abstrakt von Liebe, aber auch von Selbstüberwindung und Ekstase - "we're on fire, we're on fire". Ob das vielleicht auch als Hymne in einem großen Stadion funktionieren würde? Es gibt zumindest einen klaren Bezug zum Sport und dabei vor allem zum Fußball: "Electric Circus" ist der Auftakt einer großen Kulturinitiative in Kanada, die sich "Perfect Pitch" nennt.
Das erklärte Ziel von "Perfect Pitch" ist es, mit Unterstützung von Nelly Furtado und weiteren Musik-Größen "den Soundtrack für eine prägende Ära der kanadischen Nationalteams zu liefern und gleichzeitig den Zugang zu Jugend-Sport sowie Inklusion im ganzen Land zu fördern". Die Leitung des Projekts liegt bei Produzent Boi-1da, der auch bei "Electric Circus" mitwirkte; am 5. Juni soll eine Kompilation mit dem Titel "What If All Goes Right?" erscheinen. Der Zeitpunkt für all das ist sicher kein Zufall: Die bevorstehende FIFA-Weltmeisterschaft der Herren, die am 11. Juni startet, wird neben den USA und Mexiko auch in Kanada ausgetragen.
Joe Jackson - Hope And Fury
Im Hintergrund links eine brennende Küsten- und Jahrmarktszenerie mit tiefschwarzen Rauchschwaden, vorne rechts steht Joe Jackson mit einer Tasse Tee und blickt demonstrativ in die andere Richtung. Oder schaut er, wohin der Rauch zieht? Immerhin, das ist endlich mal wieder ein richtiges Albumcover, über das man auch mal ein wenig nachdenken kann - heute ja keine Selbstverständlichkeit mehr. Und, was natürlich noch wichtiger ist: Hinter dem interessanten Artwork steckt auch interessante Musik. Herausragend gute Musik sogar, wie Joe Jackson findet.
Joe Jackson feierte seine größten Erfolge in den 80er-Jahren (zum Beispiel mit "Steppin' Out"), in den Charts spielt er schon lange keine große Rolle mehr. Gute Ideen gibt es aber noch zur Genüge, das stellen er und seine erstklassige Begleitband auf dem neuen Album "Hope and Fury" eindrucksvoll unter Beweis. Zur Besetzung im Hintergrund gehört unter anderem auch wieder Graham Maby, der schon 1979 auf Jacksons Debütalbum "Look Sharp!" den Bass spielte.
Als "biocoastal Latin-Jazz-Funk-Rock" beschreibt Jackson die verspielte, inspirierte, zuweilen grimmig-sarkastische Platte mit vielen Stücken in bester 80er-Jahre-Songschreiber-Manier ("biocoastal", weil der 71-jährige Brite abwechselnd in New York und Südengland lebt). 34 Minuten sind es (neun Songs), es hätte auch etwas mehr sein dürfen. Joe Jackson aber, ab Oktober auf Deutschland-Tour unterwegs, ist mehr als zufrieden. Im Interview mit "Mojo" tönte er zuletzt: "Ich mache heute bessere Platten, und da ich keine falsche Bescheidenheit kenne, ist die neue verdammt großartig."
The Melvins & Napalm Death - Savage Imperial Death March
Das ist so eine Mischung wie Pech und Schwefel, würden manche sagen. Oder wie faule Eier und verschimmelte Milch. Wie Popel und Erbrochenes. Andere sagen: Diese Kombination ist einfach genial! Die Melvins und Napalm Death kommen eigentlich aus sehr unterschiedlichen Ecken der Rockszene - hier die schrägen, soziopathischen Grunge-Doomer aus Washington, dort die chaotisch grollenden Death-Metal-Ikonen aus den britischen West Midlands. Was die beiden Bands allerdings eint, ist eine sehr eigene, beinahe anti-kommerzielle Herangehensweise an die Musik. Und eine lange Freundschaft.
Die Melvins und Napalm Death standen in der Vergangenheit schon oft gemeinsam auf der Bühne. Nun haben sie auch ein gemeinsames Album aufgenommen. Den Versuch, da irgendetwas schönzureden, kann man sich sparen. "Savage Imperial Death March" ist großer Krach, scheppernd und durchgeknallt, für ein Mainstream-Publikum und auch für "normale" Rock-Liebhaber kaum zu ertragen. Die allermeisten Fans dieser beiden Bands, die jeweils auch ihr ganz eigenes Musik-ästhetisches Verständnis haben, dürften "Savage Imperial Death March" aber als voll und ganz gelungenes Experiment feiern.
Buzz Osborne von den Melvins erklärt, Napalm Death sei eine seiner absoluten Lieblingsbands. Mit Blick auf das Collabo-Album, das als "50/50 Partnerschaft" entstanden sei, spricht er von einem "wahr gewordenen Traum". Umgekehrt zeigt sich auch Napalm-Death-Bassist Shane Embury als großer Bewunderer der Melvins. "Mit ihnen eine Platte voller eklektischem musikalischen Wahnsinn aufnehmen zu können, war eine große Ehre und ein riesiger Spaß, und darum ging es letztlich ja auch. Lasst uns bald noch eine machen!"



