24.04.2026 von SWYRL/Doris Neubauer
Entschlossen zum Kampf gegen das iranische Mullah-Regime zeigte sich Schah-Sohn Reza Pahlavi im Interview mit Maybrit Illner. Im anschließenden ZDF-Talk zum "Öl-Schock" wurde eine Ökonomin deutlich: Eine Krise unvorstellbarer Dimension rolle auf uns zu.
"Es gibt keinen Weg zurück!", steht für den iranischen Oppositionspolitiker im Exil Reza Pahlavi fest. Die Menschen in Iran seien "entschlossener als je zuvor, dieses Regime weiter zu bekämpfen", betonte der Schah-Sohn im Interview mit Maybrit Illner, das vorab aufgezeichnet im ZDF-Talk am Donnerstagabend ausgestrahlt wurde. "Der Kampf wird fortgesetzt werden, ob uns die Welt nun hilft oder nicht", meinte er, denn: "Wir zahlen doch nicht den Preis für die Freiheit, damit die Welt sagt: 'Vergesst es', und wir versuchen einen Deal mit dem aktuellen Regime einzugehen. Das kann nicht die Antwort sein - darf sie auch nicht sein."
Pahlavi machte aus seiner Enttäuschung über die "westliche Welt und vor allen Dingen von Europa" keinen Hehl: "Die freie Welt hat sich zurückgezogen vor diesem Regime und nicht anders herum - das muss umgekehrt werden". Illners Interview-Gast kritisierte, dass es zu wenig Druck auf die Mullahs und die Revolutionsgarden gebe. Dass auch er umstritten sei, weil sein Vater gegen Kurden und linke Progressive mit brutaler Härte vorgegangen war, wies er von sich: "So eine Situation gab es zuvor nicht, das ist eine falsche Erzählung", erklärte er gegenüber Illner und fügte hinzu: "Jeder einzelne Bürger muss gleichberechtigt unterstützt werden - das ist die Zukunft, auf die wir hoffen und für die wir arbeiten."
Genau darüber hätte er bei seinem Berlin-Besuch gerne mit Mitgliedern der Bundesregierung gesprochen. Letztere habe sich aber durch die Situation in der Straße von Hormus "erpressbar" gemacht und werde von "Iran als Geisel gehalten". Statt Pahlavi zu empfangen, habe die schwarz-rote Koalition wieder diplomatische Gespräche mit Teheran eröffnet.
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Grünen-Chef Felix Banaszak fordert Orientiertung: "Wo ist die Ansprache des Bundeskanzlers?"
Diese Kritik nahm die Moderatorin mit in die Talkshow-Runde, die am Abend über die Frage "Welt im Öl-Schock - unterschätzt die Regierung die Krise?" diskutierte. "Ein Oppositionspolitiker ist nicht unsere erste Adresse", konterte Bundeskanzleramtschef Thorsten Frei (CDU), lehnte aber den Vorwurf ab, erpressbar zu sein - auch wenn die Blockade der Straße von Hormus für das wirtschaftlich angeschlagene Deutschland eine Herausforderung darstelle.
Das war milde ausgedrückt. "Es ist eine Krise, die Dimensionen hat, die wir uns noch gar nicht vorstellen können", verglich sie Wirtschaftswissenschaftlerin Isabella M. Weber mit einem Tsunami, dessen Schäden nicht abzuschätzen seien. "Es ist nicht nur eine Energiekrise, sondern eine Lebensmittel-, eine Düngemittelkrise", zählte sie auf. Betroffen seien auch kritische Rohmaterialien und die Halbleiterproduktion.
Dass angesichts dieser Dimension die Bundesregierung "business as usual" mache, ist für den Grünen-Parteivorsitzenden Felix Banaszak unverständlich: "Wo ist die Ansprache des Bundeskanzlers, Samstag Abend um 20.15 in ARD und ZDF, parallel?", vermisste er eine Einordnung des Weltgeschehens, wie es Angela Merkel nach Beginn der COVID-Pandemie getan hätte. Auch Robert Habeck hätte sich nach dem Ukraine-Angriff wöchentlich an die Bevölkerung gewandt.
Volkswirt Schularick kritisiert den Tankrabatt
Dass sich Friedrich Merz nicht an die Menschen wende, liege laut Banaszak daran, dass er "Angst vor ihnen hat", der Kanzler habe Angst vor der "Konfrontation mit dieser schweren Realität und Zumutungen", unterstellte der Grünen-Co-Chef. Dabei seien die Menschen sehr wohl bereit, ihr Verhalten anzupassen, "aber sie erwarten eine Bundesregierung, die ihrerseits ihren Job erledigt." Gefragt seien nun Orientierung und Klarheit, "und Friedrich Merz gibt diese Klarheit nicht mit Blick auf die internationale Lage".
"Er macht es doch permanent", widersprach Frei - sehr zum Erstaunen von Illner, die mit einem "Wirklich?" aufhorchen ließ. Frei sei überzeugt, dass die Menschen Einsparmöglichkeiten eigenständig suchten und fänden. Man dürfe nicht auf alle Herausforderungen mit öffentlichem Geld reagieren, sondern müsse die Strukturen anpassen. Deshalb seien kartellrechtliche Maßnahmen auf den Weg gebracht worden. Den umstrittenen Tankrabatt sowie die gleichfalls umstrittene 1.000-Euro-Prämie nannte er finanzierbare, unbürokratische Instrumente.
"Wenn ich einen Benzinpreis mache, gehe ich ja gegen diese Anreize vor", verortete Volkswirtschafts-Professor Moritz Schularick einen Widerspruch zur Spar-Behauptung. Statt Benzin billiger zu machen, hätte man die Stromsteuer senken oder abschaffen sollen. Damit hätte man die Krise genutzt, um die erneuerbaren Energien zu fördern.
Ökonomin Isabella M. Weber: "Die grundlegende Frage ist der echte Mangel"
"Die grundlegende Frage ist der echte Mangel", konnte auch Wirtschaftswissenschaftlerin Weber den Maßnahmen wenig abgewinnen. 20 Prozent des global gehandelten Öls würden fehlen, und in dieser Situation könne Preis ein Mechanismus sein, mit der Knappheit umzugehen. Sie forderte eine europaweite Koordination, eine Art "Einkaufsklub", "um den Preis zu verteidigen und eine fairen Verteilmechanismus zugrunde zu legen".
Gleichzeitig müssten Alternativen wie der ÖPNV sehr billig oder gratis angeboten werden, um diese attraktiver zu machen. Sonst gebe es bald eine Ungleichheitskrise, die "unsere Gesellschaft spaltet und unmittelbar unterwandert in einer Zeit, in der die Demokraten zusammenhalten müssen", warnte sie.
In einer solch existenziellen Bedrohungslage müsse man "alles auffahren, um damit umzugehen und das Energiesystem von der fossilen Abhängigkeit in die Erneuerbaren zu überführen." Würden diese Mittel nicht mobilisiert werden, "dann verspielen wir unsere Zukunft", warnte sie die Bundesregierung.
Die Antwort könne auf keinen Fall sein, mehr Schulden zu machen, ergänzte Journalistin Helene Bubrowski. Neben strukturellen und gezielten Abfederungsmaßnahmen müsse man deshalb die Menschen darauf vorbereiten, dass es nicht weitergehen könne wie bisher. Der Appell der Journalistin: "Lasst uns der Realität ins Auge sehen - mit aller Ernsthaftigkeit und Zumutungen, die nicht abzufedern sind."



