Saftige Kulissen und trockener Humor am Vorabend

"So verrückt und chaotisch, dass es trägt": Neues von "Hubert ohne Staller"

12.01.2022 von SWYRL/Frank Rauscher

Im bayerischen Voralpenland sind die Wohlfühl-Krimis dahoam - und hier wird vor saftigen Wiesenkulissen ein herrlich trockener Humor gepflegt: "Hubert ohne Staller" geht in eine neue Staffel.

Von wegen "Heile Welt": In der ARD-Serie "Hubert ohne Staller" (vormals "Hubert und Staller") wird im beschaulichen Fünf-Seenland im Süden Münchens seit über zehn Jahren im höchsten Akkord gemordet und gemeuchelt. Immer wieder treiben bösartige Nachbarn, notorische Erbschleicher, gehörnte Bauern und, wie der Bayer sagt, damische Neidhammel jedweder Couleur ihr Unwesen. Dass ausgerechnet hier, genauer gesagt in Wolfratshausen nahe dem schönen Starnberger See, die chaotischste Polizistentruppe, die das deutsche Krimifernsehen je auf die Menschheit losgelassen hat, ermittelt, macht natürlich den besonderen Reiz dieses noch immer gerne mal unterschätzten Stücks Unterhaltungsfernsehens aus.

Dabei ist hier absolut nichts zu unterschätzen: Derzeit gibt es kaum ein besseres Comedyformat im deutschen TV, die Serie ist beliebter denn je und spätestens nach einer so niemals für möglich gehaltenen Neuausrichtung ein Stück Fernsehkult. Am Mittwoch, 12. Januar, geht es auf dem angestammten Sendeplatz um 18.50 Uhr mit der Folge 149 ("Marderschaden") in die zehnte Staffel.

"Hubert ohne Staller", wie das Format seit dem 2018 vollzogenen Ausstieg von "Staller" Helmfried von Lüttichau heißt, ist etwas derber, bei Weitem humorvoller und anarchistischer als das Chiemgau-Pendant "Die Rosenheim-Cops", versteht sich aber ebenfalls als "Wohlfühlkrimi". Dass dieses noch nicht offiziell definierte Genre gerade so gefragt ist, hat für Schauspieler Michael Brandner, der den rabiat degradierten ehemaligen Polizeichef Girwidz spielt, "mit diesen Zeiten zu tun: Alle sind irgendwie gestresst oder überfordert - da kommt so eine Stunde Entspannung mit ein paar Trotteln, die sich vor landschaftlich reizvoller Kulisse ein bisschen im Weg stehen, gerade recht." Der 70-Jährige versichert: "Heutzutage die Leute zum Schmunzeln zu bringen, ist das Beste, was man für sein Karma tun kann. Mich macht der Job glücklich."

Genau diesen Spaß an der Freud' spürt auch der Zuschauer. - Der Rest besteht aus Timing und mithin hoher Schauspielkunst. Und auch bei "Hubert ohne Staller" gibt es diese etwas kleineren Rollen, die dem Chaos um Girwidz, Hubert (Christian Tramitz) und Polizeichefin Sabine Kaiser (Katharina Müller-Elmau) Struktur und Halt geben. Da ist allen voran Riedl: "Ein Mann mit Nehmerqualitäten", so charakterisiert Schauspieler Paul Sedlmeir den von ihm seit zehn Jahren gespielten gutmütigen, aber auch hoffnungslos trotteligen Polizeimeister.

Dass die Serie in ganz Deutschland so erfolgreich läuft (in der letzten Staffel waren im Schnitt 2,6 Millionen Zuschauer dabei - ein starker Wert am Vorabend), liegt für Sedlmeir "ganz sicher auch an dem bayerischen Background". Und daran, "dass wir zwar aufregende Fälle lösen müssen, dabei aber doch eher gemütlich und menschlich agieren. Und an der Abwesenheit von brutaler Gewalt, was unsere Serie zur Familienserie macht. Es menschelt einfach mehr." Außerdem, so der aus Bad Tölz stammende Sedlmeir: "Es gibt keine schönere Kulisse als das Oberland, meine Heimat. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendjemanden gibt, der das anders sieht."

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"Irgendeine Mutti mit Gucci-Klamotten"

Der ARD-Koordinator für das Vorabend-Programm, Frank Beckmann, scheint angesichts des Erfolgs beinahe selbst ein bisschen zu staunen: Dass eine TV-Serie eine zehnte Staffel erlebe, sei "in der schnelllebigen Medienwelt ein echter Meilenstein", gab er zu Protokoll.

Schauspielerin Katharina Müller-Elmau, die der Serie als neue Polizeichefin viel neues Leben eingehaucht hat, befindet, "Hubert ohne Staller" reüssiere auch deshalb, "weil der Fall an sich eigentlich keine Rolle spielt. Und auch das Opfer nicht: Meistens liegt irgendeine Mutti mit Gucci-Klamotten gemeuchelt in der Starnberger-See-Villa ..."

Sei's drum, meint Müller-Elmau ganz zu Recht: "Nicht wer ermordet wird, ist hier wichtig, und im Grunde geht es auch nicht darum, warum überhaupt ermittelt wird, sondern in aller Regel nur darum, wie wir ermitteln. Und das ist so verrückt und chaotisch, dass es trägt." Kurzum: Wer bei den "Rosenheim-Cops" schmunzelt, hält sich bei "Hubert ohne Staller" den Bauch vor Lachen. Der Erfolg gibt beiden Oberbayern-Serien recht.

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Von Models und Mardern

Zum Auftakt der neuen Staffel geht's zu einem Shooting für einen Jung-Bauernkalender. - Das ist nicht weniger absurd als sonst auch. Zunächst entdecken Hubert und Girwidz aber auf einer Wiese einen Motorradfahrer, der einen schweren Unfall hatte. Als sie anhalten wollen, versagen die Bremsen, und der Streifenwagen landet ebenfalls im Gras.

Aus der offiziellen ARD-Ankündigung ist der augenzwinkernde Satz herauszulesen: "Die Polizisten kommen mit dem Schrecken davon, für Motorradfahrer Martin Fritz sieht es weniger gut aus - schwer verletzt kommt er auf die Intensivstation", heißt es da. "Die Untersuchung der Fahrzeuge bringt Erstaunliches zutage: Hatte sich am Streifenwagen ein Marder zu schaffen gemacht, so wurden beim Motorrad die Bremsschläuche zerschnitten - ein Mordversuch!" Also dann ... - Hubert, Staller, Riiiiiiiiiiiiiiiiiiiedl - bitte übernehmen!

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