"Hermann Tiger Gerland - Der letzte seiner Art"

Stars packen in TV-Doku über Talent-Schleifer Gerland aus: "Habe mich auf der Toilette versteckt"

03.03.2026 von SWYRL/Gianluca Reucher

In der ARD-Doku "Hermann Tiger Gerland - Der letzte seiner Art" berichten frühere Weggefährten über die deutsche Bundesliga-Legende Hermann Gerland. Mats Hummels erinnert sich an einen Moment, in dem er "großen Ärger" vom "Tiger" bekommen habe.

"Es wird einem erzählt, was Hermann Gerland ist. Es ist so eine Höhle und du weißt, da lebt im Schatten irgendein gefährliches Tier drin. Und du willst es auf keinen Fall wecken." Diese Worte sagt Thomas Müller gleich zu Beginn der ARD-Doku "Hermann Tiger Gerland - Der letzte seiner Art" über Hermann Gerland, der auch unter dem Spitznamen "Tiger" bekannt ist.

Aber nicht nur, weil Tiger durchaus auch in Höhlen leben, könnte die Beschreibung Müllers für die deutsche Bundesliga-Legende wohl kaum passender sein. Und genau wie Tiger sind Typen wie der inzwischen 71-Jährige, der im vergangenen Sommer seine Karriere im Profi-Fußball nach über 50 Jahren beendet hat, heutzutage vom Aussterben bedroht.

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"Eigentlich müsste man ihm heute noch ein Denkmal dafür setzen"

Hermann Gerland war schon als Spieler nicht gerade einer der sanfteren Sorte. Beim VfL Bochum wurde der Ruhrpottler im Alter von 18 Jahren zum Profi und schließlich zum Abwehrspieler umgeschult, bestritt über 200 Partien für den damaligen Erstliga-Klub. "Auf ihn wollte man nicht zulaufen als Stürmer. Da hat man gewusst, zwölfmal werde ich hier ordentlich auf die Knochen kriegen", erinnert sich Musik-Ikone und Bochumer Edelfan Herbert Grönemeyer in dem ARD-Film. Der VfL sollte der einzige Verein in Gerlands Profi-Karriere bleiben - und wurde auch zu seinem ersten Co- und Cheftrainer-Posten.

Kurz darauf betreute Hermann Gerland die Amateurmannschaft des FC Bayern München. Er ging als Talentschleifer in die Geschichte ein, entwickelte spätere Mega-Stars wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Thomas Müller. Später war er beim deutschen Rekordmeister als Co-Trainer unter Legenden wie Jupp Heynckes und Pep Guardiola aktiv. "Eigentlich müsste man ihm heute noch ein Denkmal dafür setzen, was er an Nachwuchsspielern hier rausgebracht hat", würdigt ihn Uli Hoeneß in der ARD-Doku.

Über seinen Stil sagt Mats Hummels, der Hermann Gerland aus der Zeit bei den Bayern-Amateuren bestens kennt: "Spieler, die wirklich gestreichelt werden müssen, damit sie dann wirklich aufblühen, die waren bei ihm nicht unbedingt an der richtigen Adresse." Der Ex-BVB- und Bayern-Star war selbst "ein Freund dieser Art", wie er erzählt, "aber ich glaube, ein paar Spieler hätten vielleicht auch einen anderen Weg einschlagen können, wenn sie in dem Alter anders gehandhabt worden wären, die quasi dann ihr Selbstvertrauen verloren haben".

Bei den Spielern, von denen sich Gerland am meisten erhofft hat, habe er keine Ausreden gelten lassen, berichtet Hummels weiter und denkt an eine Situation zurück, als er selbst mal "großen Ärger" von seinem Förderer bekommen habe. Damals habe er kurz vor Schluss einen Elfmeter nicht schießen wollen. Das habe stattdessen Sandro Wagner dann übernommen, "der aber beim 'Tiger' so ein bisschen einen schweren Stand hatte" - und verschossen. "Danach habe ich einen richtigen Einlauf kassiert, dass ich eben die Verantwortung abgegeben habe", erinnert sich Hummels.

"Habe mich auf der Toilette versteckt"

Es ist eine Art, die in die damalige Zeit gepasst hat, heutzutage aber wohl eher nicht mehr. Das findet zumindest Christa Ternow, die seit über 40 Jahren als Geschäftsstellenmitarbeiterin beim VfL Bochum tätig ist: "Ich glaube, junge Spieler kämen da nicht mehr mit zurecht. [...] Er ist halt ein Typ, den es heute nicht mehr gibt. Aber würde auch nicht unbedingt in die Zeit passen."

Mats Hummels sieht das anders. "Also ich kann mir die Art sehr gut vorstellen. Ich glaube, vielen jungen Spielern würde die sehr guttun. Aber sie ist halt unangenehm, sie mal unbequem", meint der frühere Nationalspieler. Seiner Meinung nach könnte Hermann Gerland auch heute noch eine Mannschaft formen, "aber dafür bräuchte er dann den uneingeschränkten Rückhalt des Vereins". Hermann Gerland selbst sagt in der ARD-Doku über seinen Stil: "Die können alle sauer sein auf mich. Ich will nicht 'Everbody's Darling' sein."

Einer, der das zu spüren bekommen hat, ist Ante Covic. Der Ex-Bundesliga-Profi berichtet von einem Moment, als er beim 1. FC Nürnberg gespielt hat - mit Hermann Gerland als Trainer. Da habe er einst in der letzten Minute einen Elfmeter verschossen. "Der Schiedsrichter hat sofort abgepfiffen und ich merkte, von der anderen Seite kam mir einer aber unfassbar schnell hinterher", erzählt Covic.

Hermann Gerland sei auf ihn zugestürmt und Covic in die Kabine geflüchtet. "Dann habe ich mich da auf der Toilette versteckt, weil ich der Meinung war, dem solltest du jetzt nicht unbedingt begegnen", erinnert sich der damalige Profi, dass er nur noch gebetet habe, dass ihn Gerland nicht finde, "weil ich glaube, wenn ich ihm unter die Arme gekommen wäre, wäre das nicht gut für mich ausgegangen". Und trotzdem stellt Covic klar: "Dieses Verhältnis, was wir zueinander haben, das ist unfassbar herzlich. Ich muss sagen: Einfach nur danke an 'Tiger', für all die Zeit, die ich mit ihm genießen durfte."

Die komplette Doku "Hermann Tiger Gerland - Der letzte seiner Art" ist in der ARD-Mediathek verfügbar.

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