"Die Kelly Family und der Osten"

TV-Doku über die Kelly Family in der DDR: Wie sich Papa Dan mit der VoPo anlegte

19.09.2022 von SWYRL/Jürgen Winzer

Grenzpolizisten-Bestechung mit Musikkassetten, mit dem Zwölf-Tonner mit dem Flirt in die Disco - die Kelly Family verbindet mit dem Osten Deutschlands eine Menge. Sie waren dort schon vor der Wende Stars und kehrten nun zurück und schwelgten in Erinnerungen. Schönen und dramatischen.

"Ohne den Osten wären wir nicht so weit gekommen", steht für Jimmy Kelly fest. "Ostdeutschland geht für mich ganz tief ins Herz, da empfinde ich große Dankbarkeit", sagt sein älterer Bruder John. Und Joey meint einfach: "Der Osten für mich in einem Wort? Zuhause!" Deshalb besuchten im Rahmen der Kelly-Comeback-Offensive 2022 und für Dokumentation "Die Kelly Family und der Osten" fünf Geschwister Orte in den neuen Bundesländern, die für die Kellys und ihre Karriere große Bedeutung hatten. Am Sonntagabend war die sehr sehenswerte Dokumentation im MDR-Dritten zu sehen.

Neue CD, ab Mitte November eine große Weihnachtstour, davor ein neues Buch und sogar ein Special der Zeitschrift "Bravo", eine fünfteilige TV-Doku bei RTLZWEI - die Kelly Family ist im angehenden Comeback-Herbst 2022 wieder dick im Geschäft und im Gespräch. Dass sie ihre Ost-Vergangenheit nicht im Rahmen der siebenstündigen RTLZWEI-Doku abfeierte, sondern ihr eine eigene besinnlich-informative TV-Stunde im MDR widmen, ist Ausdruck ihrer tiefen Verbundenheit zu östlichem Land und östlichen Leuten.

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Dankeschön-Konzert vor 80.000 DDR-Fans

"Der Osten war gut zu uns. Die Menschen haben uns herzlich empfangen. Wir haben viele Freunde hier getroffen, die noch heute Freunde sind", berichten Kathy, John, Jimmy, Joey und Paul. Sie werden auch im Herbst gemeinsam auf der Bühne stehen. Mit ihrer Schwester Patricia, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch ihre zweite Corona-Erkrankung auskurierte. Maite, Paddy und Angelo, die anderen noch lebenden Ur-Kellys (Barby verstarb 2021), sind nicht mehr Teil des Musikphänomens "Kelly Family", sie spielen auf eigene Rechnung - aber immer noch gerne im Osten.

Der war für die Kellys immer wild. Sie waren schon vor der Wende da und zu Zeiten, in denen im Westen außer ein paar eingefleischten Fans kein Hahn nach ihnen krähte. "Die Fußgängerzonen hier waren unsere Heimat", erzählt Jimmy und Kathy ergänzt: "Hier auf den Straßen konnten wir uns entwickeln."

Und wie: Besonders markant wird es in Berlin. Hier spielte die damals neunköpfige Band 1990 auf dem Schlossplatz (zu DDR-Zeiten: Marx-Engels-Platz) auf einer kleinen Bühne aus zwei Podesten vor 80 Leuten. "Fünf Jahre später spielten wir hier mit der Riesenbühne vor 80.000!", erzählt Joey. Und zwar kostenlos: "Das war damals unser Danke-schön-Konzert für unsere DDR-Fans und ihre jahrelange Unterstützung."

Autogrammkarten-Bestechung an der DDR-Grenze

Die Kellys erzählen einige der schönsten Anekdoten. Wie aufgeregt sie waren, als es Ende der 70er-Jahre über die Transitstation Marienborn erstmals in die DDR Richtung West-Berlin ging. "Papa hat in die Pässe immer Autogrammkarten gelegt." Die sanfte Bestechung, manchmal steckte man einem Grenzer auch Musikkassetten zu (Kathy: "Heimlich, damit die nicht in Schwierigkeiten kamen."), half: "Wir hatten nie Probleme. Bald kannten uns ja viele von den Konzerten in der DDR."

Vor allem nach dem Auftritt bei "Ein Kessel Buntes", der damals größten TV-Show des Landes. Die Kellys wurde 1989 eingeladen, dort zu spielen. Das war eine riesige Auszeichnung und Ehre, aber das Familienoberhaupt Dan Kelly setzte des Erfolg kurzerhand aufs Spiel. "Als Papa mitbekam, dass im Live-Publikum im Friedrichstadt-Palast nur ausgewähltes Publikum saß", berichtet Kathy, ließ der Clan-Chef seine Orgelpfeifen draußen vor dem Theater gratis spielen. Die Polizei kam und wollte das Spontan-Konzert abbrechen, aber Dan lehnte sich auf: "Wenn wir hier nicht spielen dürfen, werden wir da drin auch nicht spielen." Die VoPos zogen ab, die Kellys spielten - beide Konzerte.

Dan Kelly weinte um die DDR-Flüchtlinge

Oder als Joey seinen Flirt in Magdeburg in die Disco ausführen wollte - und in Ermangelung eines normalen Autos mit dem Zwölf-Tonner-Lkw vorfuhr. Wie man Silvester 1994 auf dem Marktplatz in Dessau feierte - das letzte Silvester als kleine Straßenmusikanten, ein Jahr später rollte die Kellymania durchs Land. Oder die vielen Wochen, in denen man immer vor Weihnachten auf dem Alexanderplatz spielte, fast jeden Tag und bis zu sechs Konzerte pro Tag. Oder in Rostock, wo man teilweise erst vor Tausenden an der Strandpromenade vor dem Hotel Neptun spielte und dann noch mal direkt von Bord des eigenen Segelschiffs am Hafen. Und John heizte danach noch den Kids als DJ bis in die Nacht ein. Wahnsinn Marke Kelly Family, also ganz normal.

Es sind nicht nur ungetrübte Erinnerungen. So lebten die Kellys 1979 zeitweise in Berlin - auf einem Campingplatz direkt neben der Mauer. "Das waren glückliche Zeiten," erinnert sich Kathy. Bis sie nachts Schüsse hörten. Als die Hintergründe erklärt wurden, weinte Dan Kelly, so berichtet Kathy, um die DDR-Bürger, die für ihren Freiheitsdrang sterben mussten. "Freiheit", so Jimmy, "war immer ein großes Thema für uns Kellys."

Die Kellys und die DDR-Bürger: "Wir hatten nicht viel, aber wir hatten einander"

Vielleicht ist das ein Teil des großen Geheimnisses um den Erfolg der Kellys in der einstigen DDR, der Freiheitsdrang. Was außerdem verband, so Jimmy: "Wir waren uns ähnlich. Wir Kellys hatten auch nie viel, die Menschen der DDR auch nicht. Aber wir hatten einander - und das ist ja auch ein Reichtum."

Ein Fan von damals, der die Kellys als Achtjährige erstmals sah und sie nun, 33 Jahre später, in Berlin wiedertraf, bringt die Faszination anders auf den Punkt. "Ihr habt uns Fans so viel mit auf den Weg gegeben: Akzeptanz, Nächstenliebe, Respekt, Hoffnung. Das ist viel mehr als nur ein Konzert. Es ist eine Liebe."

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