Maybrit Illner

"Dieser Krieg geht uns verdammt viel an!": Röttgen warnt bei Illner vor strategischer US-Niederlage im Iran

10.04.2026 von SWYRL/Doris Neubauer

Waffenruhe im Iran - und keiner hält sie ein: Iran blockiert weiter die Straße von Hormus, und US-Präsident Donald Trump versucht mit Drohungen und Ultimaten, die Nato-Partner auf seine Seite zu bringen. Bei "Maybrit Illner" warnten Experten vor "einer strategischen NIederlage, die auch unsere Gefahr ist!"

14 Tage lang sollten im Iran-Krieg die Waffen ruhen und die Straße von Hormus frei sein. Davon war bislang wenig zu spüren. "Wir müssen abwarten, was in den nächsten 24 Stunden passiert", riet die deutsche Journalistin Souad Mekhennet von der "Washington Post" bei "Maybrit Illner" (ZDF) zum Thema "Trump und Iran: Sieg, Niederlage oder Chaos?". Über die Pakistanis fänden viele Gespräche statt, und Israel habe inzwischen direkte Verhandlungen mit dem Libanon angekündigt. "Es kommt Bewegung rein, und morgen kann die Situation bei der Straße von Hormus anders aussehen", meinte sie. Die Blockade interpretierte sie als Versuch der Iraner, vor den am Freitag oder Samstag beginnenden Verhandlungen in Pakistan Druck aufzubauen. US-Präsident Donald Trump wiederum bemühte sich, europäische Verbündete auf seine Seite zu bringen - mit mehr als fragwürdigen Mitteln.

In einem Treffen mit Generalsekretär Mark Rutte soll der Republikaner den Nato-Partnern ein Ultimatum für militärische Unterstützung in Straße von Hormus gestellt haben. "Die Bundesregierung sagt, es gibt kein Ultimatum", erläuterte CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen. Zudem ergebe ein eben solches für ihn keinen Sinn, habe doch nicht einmal die amerikanische Marine diesbezüglich etwas unternommen. "Wir werden nicht Beteiligter dieses Kriegs werden", stimmte er mit Bundeskanzler Friedrich Merz überein, widersprach aber in einem Punkt: "Dieser Krieg geht uns verdammt viel an! Wir sind auch Geiseln der Straße von Hormus, wir merken es an der Zapfsäule."

Militärische Maßnahmen ergreifen solle man zwar nicht, stattdessen müsse sich Deutschland mit Diplomatie und Rhetorik im Iran-Konflikt einsetzen. Denn eine "dauerhafte Geiselnahme der Golfstaaten, der Region, der Weltwirtschaft und der Europäer" sei ein inakzeptables Ergebnis, das es zu verhindern gelte. Wenn aus dem Regime im Iran eine Militärdiktatur werde, die die Kontrolle über die Straße von Hormus behalte, dann bestehe für die USA die "Gefahr einer strategischen Niederlage, die auch unsere Gefahr ist", erklärte er.

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Gabriel zu Verhandlungen: "Man darf nicht erwarten, dass in 14 Tagen auch nur eine einzige der Fragen geklärt ist"

"Zumindest zum Stand heute hat die USA eine strategische Niederlage erlitten", analysierte Militärexperte Carlo Masala die Lage, lenkte aber ein: "Das kann in zwei Wochen je nach Verhandlungsergebnis anders sein." Immerhin hätte die beschlossene Waffenruhe die Trump'sche Ankündigung verhindert, zivile Infrastruktur zu zerstören. Doch jetzt beginne man zu verhandeln - "mit maximal voneinander entfernten Punkten". Man wisse weder, was verhandelt werden soll, noch was das Ergebnis sein könnte. Gabriel warf indes ein: "Man darf nicht erwarten, dass in 14 Tagen auch nur eine einzige der Fragen geklärt ist."

"Die werden sich in der Mitte auf etwas einigen", war Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh überzeugt. Schließlich brauche Donald Trump unbedingt etwas, um sein Narrativ zu verkaufen, dass durch seine "Mad-Man-Strategie die andere Seite an den Verhandlungstisch" gezwungen wurde. Ob mit solchen Mitteln die politischen Weltprobleme gelöst werden können, wagte sie zu bezweifeln. "Diese Art des Vorgehens spielt eher den Menschen in die Karten, die das Fantasma des feindseligen Westens verbreiten", kritisierte sie. Damit würde es eher Hardliner stärken, statt für verlässliche Verhandlungspartner zu sorgen.

Laut Kennern des Irans seien die, die jetzt kommen, "eine Runde dümmer, eine Runde radikaler als die Alten", fügte Sigmar Gabriel, Vorsitzender "Atlantik-Brücke e.V." hinzu. Dennoch ortete er eine Chance in den aktuellen Verhandlungen: "Das Beste, was zu erwarten ist, ist ein Einstieg in einen langfristigen Prozess. (...) Am Ende kommt etwas raus, das nicht so weit entfernt ist vom früheren Atomabkommen."

Carlo Masala: "Für die Europäer hat sich die Sicherheitssituation keinen Jota verbessert durch diesen Krieg"

Milliarden-Ausgaben, tausende Tote, die große Zerstörung: "All das war dann dazu gut, dass wir mit den Iranern an einem Tisch sitzen, an dem wir schon gesessen haben?", fasste Moderatorin Illner die Sinnlosigkeit des Angriffs zusammen.

"Ja, das kann man sehr zynisch so sagen", gab Masala zu und wagte, Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu widersprechen. Dieser meinte, dass der Iran-Krieg die Situation in Europa wesentlich sicherer gemacht hätte. "Rutte hat einen Job: Donald Trump zu bespaßen und bei der Stange zu halten - also wahr ist daran nichts", sagte er, "für die Europäer hat sich die Sicherheitssituation keinen Jota verbessert durch diesen Krieg."

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