Olympia-Kolumne

ZDF-Expertin lobt Staffel-Plan mit Franziska Preuß - doch dann fließen wieder bittere Tränen

18.02.2026 von SWYRL/Martina Borgschulze

Das deutsche Biathlon-Quartett will eine Medaille holen. Doch Franzi Preuß macht Franzi-Preuß-Sachen. Und Jürgen Klopp bringt schon wieder kein Glück.

"Es war keine gute Stunde für Team D", stellt Katrin Müller-Hohenstein fest und meint damit die Stunde nach der Bronzemedaille im Langlauf-Teamsprint. Das deutsche Eishockeyteam (Sie wissen schon: die bestbesetzte Auswahl in der Historie des DEB) flog im Viertelfinale raus, Emma Aicher wurde im Slalom nur Neunte - und Kollegin Lena Dürr erlebte ihr nächstes Desaster: Zum zweiten Mal vergab sie eine sicher geglaubte Medaille. Einfädler am ersten Tor, aus, vorbei. Atle Lie McGrath weiß genau, wie sie sich fühlen muss. Vielleicht räumt er ihr seinen Platz am Zaun frei.

Ob es von nun an besser läuft? Da Sportfans üblicherweise abergläubisch sind, werden sie das nach dem Ausgang des Slaloms bezweifelt haben. Als Lena Dürr zum ersten Mal in Cortina weinte, vergoss an jenem Tag nämlich auch eine andere deutsche Star-Sportlerin bittere Tränen: Franziska Preuß.

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Julia Tannheimer meistert "die Challenge"

Die tritt heute in der Biathlon-Staffel an. Ausnahmsweise mal an Position zwei. Man wollte sie wegen ihres wackeligen Stehendschießens aus der "Druckzone" nehmen, sagten die Verantwortlichen und meinen mit "Druckzone" den Part der Schlussläuferin.

"Ist das ein guter Plan?", fragt KMH. ZDF-Expertin Denise Herrmann-Wick findet schon. "Da muss man frisch und locker und cool bleiben, da ist es vielleicht mal ganz gut mit einer anderen Person an dieser Stelle." Preuß selbst ist jedenfalls auch ganz glücklich mit der Entscheidung: "I wär jetzt a, glaub i, net so überzeugt g'wesen auf der Vier zum Laufen. Deshalb taugt's mir jetzt guat auf der Zwei." In Peking lief sie auf der Drei, erinnert Alexander Ruda. Wäre vielleicht der bessere Plan gewesen.

Das Rennen läuft dann, wie man erwarten durfte: Die Französinnen beginnen mit einer Strafrunde. Kennt man ja, dass die "Grande Nation" die Konkurrenz erst einmal in Sicherheit wiegt. DSV-Küken Julia Tannheimer legt derweil ganz frisch und locker und cool vor, übergibt nach zwei Nachladern auf dem zweiten Platz. Was sie gedacht habe, fragt Nils Kaben sie später, als sie als Startläuferin nominiert wurde. "Joa, ich dachte, das ist ne Challenge."

Co-Kommentator Sven Fischer fordert: "Nicht ärgern!"

Dann schießt Doro Wierer, die nach den Winterspielen ihre Karriere beenden wird, eine Strafrunde. "Wie tragisch ist das?!", ruft ZDF-Kommentator Volker Grube. Schon ziemlich tragisch. Aber aus deutscher Sicht immer noch nicht so tragisch, wie das, was kurz darauf Franziska Preuß, bis dahin auf Goldkurs, widerfährt: Wieder das verflixte Stehendschießen. Wieder eine Strafrunde. So viel zu Aus-der-Druckzone-nehmen. "Nicht ärgern!", feuert Co-Kommentator Sven Fischer sie an. "Sondern gucken: Ich hab noch was aufzuholen. Das ist jetzt die Devise!" Aber Franzi hört ihn nicht. Nun müssen es die anderen richten.

Genauer gesagt: Janina Hettich-Walz. Die "hat das Feuer in den Augen", glaubt Volker Grube zu erkennen. Die Flamme scheint dummerweise ihre Sicht einzuschränken, auch sie muss mehrmals nachladen. Schlussläuferin Vanessa Voigt müsste jetzt die Abkürzung durch den Wald nehmen, damit noch ein Podestplatz drin ist. Oder alle anderen vor ihr müssten patzen. Also Julia Simon, Hanna Öberg oder Maren Kirkeeide. Das ist in etwa so wahrscheinlich wie ein jamaikanischer Sieg im Viererbob.

Felix Bitterling: "Es tut weh"

Irgendwann fängt die Kamera Franzi Preuß ein, sie steht weinend neben Julia Tannheimer, und man hofft inständig, dass sie niemand für ein Interview vor die Kamera zerrt, dass niemand fragt: "Haben Sie eine Erklärung?" oder "Was fühlen Sie jetzt?", dass Nils Kaben sie einfach in Ruhe trauern lässt.

Vanessa Voigt, von Denise Herrmann liebevoll als "kleiner Waderlbeißer" tituliert, ist derweil frisch und locker und so cool wie eine Gefrierschrankkombination und läuft ein grandioses Rennen: Es wäre ein Rennen für die Ewigkeit, hätte es zuvor ein, zwei Nachlader weniger gegeben. So aber ist die Hypothek zu hoch. Am Ende wird es wieder einmal die Holzmedaille für das deutsche Team. Wie am Tag zuvor. Als übrigens erstmals Jürgen Klopp im Publikum stand. Der war auch diesmal da. Vielleicht erteilt man ihm künftig lieber ein Streckenverbot.

"Es schmerzt sehr", sagt Vanessa Voigt schließlich im Interview, und diesen Satz hat man so oder so ähnlich schon mehrfach bei diesen Spielen von Deutschen gehört. Auch von Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling, doch der rückt im Interview dann immerhin noch ein wenig das Bild gerade. Er lobt ausdrücklich die Leistungen von Julia Tannheimer und Vanessa Voigt und sagt über diesen Moment der Niederlage: "Das ist halt mal einer, der bitter ist. Aber das macht die Franzi nicht weniger zu einem Champion." Da hat er natürlich recht.

Aber es waren keine guten Stunden für Team D.

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