02.05.2026 von SWYRL/Julian Weinberger
Sicherheitsprobleme, falsche Versprechungen - und ein CEO, "der sich als eine Art Messias sieht": Eine Doku im Ersten versucht, hinter die Kulissen von Elon Musks Unternehmen Tesla zu blicken.
2025 kam es auf dem E-Auto-Markt zu einer Wachablösung: Erstmals seit Jahren verkaufte nicht Tesla die meisten E-Autos weltweit, sondern man verlor die Marktherrschaft an den chinesischen Konkurrenten BYD. Für Tesla-Boss Elon Musk dürfte das jedoch nur noch mehr Ansporn sein, sein Produkt zu verbessern. "Er hat diese dämonischen Momente, da ist er völlig außer sich und stürzt sich wie besessen auf ein Problem, bis es gelöst ist", verrät seine einstige Mitarbeiterin Rachel Konrad in der Doku "Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment", die das Erste nach der Premiere bei Sky nun als Free-TV-Premiere zeigt.
Der eineinhalbstündige Dokumentarfilm von Andreas Pichler gibt einen bisher beispiellosen Einblick hinter die Kulissen des Autobauers, deckt besorgniserregende Praktiken bei Tesla auf und legt nahe, dass Musk seine Autofirma womöglich auch als Mittel zum Zweck für eine viel größere Mission sieht.
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"Viele Mitarbeiter ignorieren seine Ansichten meistens"
"Es ist ziemlich intensiv und stressig", empfand Esben Pedersen, einst in der "Sales & Marketing"-Abteilung von Tesla tätig, die Zusammenarbeit mit Elon Musk. Arbeitete der Boss zu Beginn noch beinahe manisch am Erfolg des Autobauers, ließ seine Präsenz im Laufe der Jahre merklich nach.
Der einstige Tesla-Ingenieur Raven Jiang erinnert sich: "Viele Mitarbeiter ignorieren seine Ansichten meistens, weil sie sonst ihre Arbeit nicht richtig machen könnten." Von seinen Mitarbeitern erwarte Musk bedingungslosen Einsatz bis an die Belastungsgrenze und darüber hinaus, schildert Cristina Balan, ebenfalls einst Ingenieurin bei Tesla. "Ich bin schließlich vor Erschöpfung umgekippt."
Schlimmer noch sei aber die Erkenntnis gewesen, "dass Tesla Sicherheitsprobleme vertuscht", denkt Balan zurück. An den Fahrzeugen seien "Hunderte Mängel" gewesen, berichtet sie. "Es hat schwer auf mir gelastet, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und das Gefühl zu haben, dass ich wahrscheinlich für den Tod von Menschen verantwortlich sein würde", bestätigt Jiang.
"Es gab Situationen, in denen ich dachte, das Auto will mich umbringen"
Speziell der in Tesla-Fahrzeugen seit 2016 implementierte Autopilot wird im Film als potenziell gefährliche Fehlerquelle identifiziert. "Als ich losgefahren bin, merkte ich innerhalb von fünf Minuten, dass die Technologie nicht einmal halb so viel konnte, wie Elon getwittert hatte", beschreibt John Bernal die ersten Fahreindrücke. "Es gab Situationen, in denen ich dachte, das Auto will mich umbringen."
Während Bernal überlebte, ging es für andere weniger gut aus. Der Mann von Anja Oldenburg, ein glühender Tesla-Fan, starb bei einem Unfall. Sein Auto kam auf gerader Straße von der Spur ab, prallte gegen einen Baum - und ging in Flammen auf. Dass Tesla danach behauptete, der Bordcomputer habe nichts aufgezeichnet, macht Oldenburg bis heute stutzig, aber für den kräftezehrenden Kampf gegen den mächtigen Konzern vor Gericht habe sie bislang "keine Kraft" gehabt.
Elon Musk nehme in Kauf, dass die "Bevölkerung als aktiver Sicherheitstester" für seine Autos fungiere, wirft Robotikprofessorin Missy Cummings dem CEO vor: "Er gibt wilde Versprechungen ab, um seine Investoren zu beruhigen und den Aktienkurs zu steigern." Negativschlagzeilen wie der große Datenskandal 2023 sind da kontraproduktiv.
"Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich wirklich Angst"
Dass die Regierung unter Joe Biden Untersuchungen gegen Tesla einleitete, habe Musk "gekränkt" und "tiefen Hass" geschürt, weiß Journalist Mark Joseph Stern zu berichten. Einen Verbündeten fand Musk dagegen in Donald Trump, dem er mit einer 250-Millionen-Dollar-Spende im Wahlkampf behilflich war.
Unter Trumps Ägide bekam Musk nicht nur einen Regierungsposten, der US-Präsident ließ auch einige Generalinspekteure feuern, die zuvor gegen Tesla ermittelt hatten. Daher kommt Cummings zur kühnen Behauptung: "Ich bin absolut überzeugt, dass er Donald Trump gekauft hat, um die Ermittlungen gegen ihn zu stoppen."
Der aufrüttelnde Sky-Dokumentarfilm will deutlich machen, wie rigide Elon Musk gegen Kritiker vorgeht. Als Ingenieurin Cristina Balan intern auf die Sicherheitsprobleme hinwies, habe man sie "in einen Baucontainer gebracht". Dort sei sie zur Unterzeichnung ihrer Kündigung gezwungen worden. Ein anwesender Anwalt habe gar gedroht, ihrem Sohn etwas anzutun: "Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich wirklich Angst."
Elon Musk selbst kommt im Film nicht zu Wort. Eine entsprechende Anfrage der Filmemacher ließ er unbeantwortet. Gleiches gilt für Tesla und Donald Trump.



