Der Spiegel
Die besten Filme aller Zeiten? Klar, "Citizen Kane" von Orson Welles und "Vertigo" von Alfred Hitchcock und Coppolas "Der Pate" zählen sicherlich dazu. Auch im Ranking von "They shoot pictures, don't they?" belegen diese Meisterwerke vorderste Plätze. Die Webseite rühmt sich, alle relevanten Top-Listen, die Film-Kritikerinnen und -Schaffende je erstellten, ausgewertet zu haben. Doch von zahlreichen jener besten Filme (Bild aus "Der Spiegel") dürften Sie (wahrscheinlich) noch nie etwas gehört haben ...
© Kairos-Filmverleih GbRZum Beispiel Balthasar
Vor 60 Jahren kam dieses Meisterwekr ins Kino: In Robert Bressons "Zum Beispiel Balthasar" (1966) wird einfühlsam das Leben und Sterben des Esels Balthasar dargestellt, angefangen mit einer idyllischen Kindheit bis zum beschwerlichen Alter. Um das Schicksal des geschundenen Tieres ranken sich episodisch die Geschichten weiterer Personen. So wird der Esel Stellvertreter für die menschlichen Leiden durch Gewalt, Unrecht, Lieblosigkeit und Liebesunfähigkeit.
© Neue Filmkunst / trigon-film Apus Weg ins Leben: Auf der Straße
Ohne große Dramatisierung, dafür mit umso größerer Beobachtungsgabe erzählt Satyajit Ray vom Alltag einer armen Familie im ländlichen Indien: "Apus Weg ins Leben: Auf der Straße" (1955) findet seine Stärke in kleinen Momenten - im Spiel der Kinder, in der Schönheit der Natur, in stillen Verlusten. Gerade diese Zurückhaltung macht den Film zu einem universellen Werk über Menschlichkeit, das tief berührt.
© trigon-filmClose-Up
Ein realer Betrugsfall wird zur Grundlage eines außergewöhnlichen Films: Abbas Kiarostami lässt in "Close-Up" (1990) die Beteiligten ihre eigene Geschichte nachspielen. Dabei lässt der iranische Regisseur die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion auf faszinierende Weise verschwimmen. Heraus kommt ein sensibles Porträt über Selbsttäuschung, Sehnsucht nach Anerkennung und die besondere Kraft des Kinos, Wirklichkeit neu zu formen.
© Criterion CollectionDas Wort
Eine Bäuerin stirbt nach der Totgeburt ihres Kindes: Was als realistisches Familiendrama beginnt, entwickelt sich in Das Wort" (1955) zu einer tief spirituellen Erfahrung. Carl Theodor Dreyer stellt Fragen nach Glauben, Zweifel und Wundern - mit einer Strenge, die zugleich herausfordert und fasziniert. Der Film entfaltet seine Wirkung langsam, aber nachhaltig und gehört zu den eindringlichsten Werken der Filmgeschichte.
© ArthausAndrej Rubljow
Für zahlreiche Kritiker und Regisseure wie Ingmar Bergman einer der besten Arthouse-Filme aller Zeiten: "Andrej Rubljow" (1966) von Andrei Tarkowski erzählt in Episoden die epische - und größtenteils erfundene - Biografie von Russlands größtem Ikonenmaler, Andrej Rubljow (etwa 1360-1430).
© Kairos-FilmverleihDer Spiegel
Andrei Tarkovskis Drama "Der Spiegel" (1975) trägt autobiografische Züge und löst sich von fast allen Filmkonventionen: Der russische Regisseur präsentiert die Erinnerungen eines sterbenden Dichters in seinen Vierzigern und verbindet dafür atemberaubende Bilder, Lesungen von Gedichten und historische Aufnahmen zu einem einzigartigen Werk.
© trigon-filmRashomon
"Rashomon" (1950) von Akira Kurosawa gewann in Venedig den Löwen und öffnete dem japanischen Film den Weg in westliche Kinos: Der Film handelt von einem Mord und einer Vergewaltigung, erzählt seine Geschichte aber geschickt aus mehreren Perspektiven. Ein Kniff, der Generationen von Filmemachern beeinflussen sollte.
© Hulton Archive/Getty ImagesDer Mann mit der Kamera
"Der Mann mit der Kamera" zeigt den Alltag in einer sowjetischen Großstadt. Doch der Dokumentarfilm aus dem Jahr 1929 ist so viel mehr: Regisseur Dsiga Wertow gelang dank kunstvoller Montagen ein faszinierendes Panoptikum einer Zeit im Umbruch, das in einer kurzen Szene gar eine frühe Warnung vor Adolf Hitler enthält.
© Screenshot YoutubeAtalante
Als "Atalante" 1934 in die Kinos kam, stieß der Film von Jean Vigo zunächst auf Ablehnung. Erst Jahrzehnte später wurde das Drama wiederentdeckt und wird seitdem als Meisterwerk gefeiert. Und das trotz einer an sich simplen, aber nicht minder berührenden Geschichte, die von einem jungen Paar handelt, das an Bord eines Frachtschiffes die Höhen und Tiefen der Liebe erlebt.
© StudiocanalDie Passion der Jungfrau von Orléans
Im Jahr 1431 wurde Jeanne d'Arc im Alter von 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Vom Prozess gegen die Frau, die heute als französische Nationalheldin verehrt wird, erzählt der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer in "Die Passion der Jungfrau von Orléans" (1929). Unter anderem wegen seiner intensiven Nahaufnahmen wurde der Film mit Renée Jeanne Falconetti in der Hauptrolle legendär.
© StudiocanalPersona
Eine Krankenschwester übernimmt die Pflege einer Schauspielerin, die offenbar psychisch krank ist und ihr Leben in Isolation und Einsamkeit verbringt. Bald geraten die Frauen (Bibi Andersson, Liv Ullmann) in eine Art symbiotische Abhängigkeit, die sich aus ihrem gegenseitigen Leiden unter der existentiellen Sinnlosigkeit begründet. "Persona" (1966) ist Ingmar Bergmans rätselhaftester, aber auch berührendster Film.
© StudiocanalJeanne Dielman
Dank "Jeanne Dielman" (1975), der Geschichte einer Witwe, die sich mit Prostitution über Wasser hält, gilt Chantel Akerman heute als eine der einflussreichsten Regisseurinnen aller Zeiten. Das 201 Minuten lange, experimentelle Drama der Belgierin gilt heute als Meisterwerk und wird von zahlreichen Regisseurinnen und Regisseuren als stilbildend angesehen.
© Criterion CollectionSonnenaufgang - Lied von zwei Menschen
Mit "Sonnenaufgang" (1927) schuf der deutsche Regisseur F. W. Murnau in den USA sein Meisterwerk und den wohl schönsten Stummfilm überhaupt. Die zeitlose Geschichte von einem Bauern, den eine laszive Schönheit aus der Stadt dazu bringen will, seine Frau zu ermorden und zu ihr zu ziehen, rührt noch heute zu Tränen. "Sonnenaufgang" wurde mit drei Oscars ausgezeichnet.
© Screenshot YouTube8 1/2
Regisseur Guido (Marcello Mastroianni) ist unzufrieden mit seinem Privatleben, und für sein neues Filmprojekt hat er keine guten Ideen. In einem Kurhotel durchlebt er eine Sinn- und Schaffenskrise, die fast in Selbstmord mündet, ehe er den Wert seiner bisherigen Erfahrungen erkennt. In "8 1/2" (1963) verarbeitet Federico Fellini eigene Traumata zu einem faszinierenden Reigen, der Fiktion und Realität vermischt.
© StudiocanalDie Spielregel
Als "Die Spielregel" 1939 erstmals gezeigt wurde, pfiff das Publikum. Später fiel der Film der Zensur zum Opfer. Heute gilt die Komödie von Jean Renoir als eine der besten aller Zeiten. Es geht um einen Piloten, der den Atlantik überquert, um einer Frau zu imponieren. Als sie ihn aber verlässt, veranstaltet ein gemeinsamer Freund ein Fest - auf dem es zu allerlei amourösen Verstrickungen kommt.
© ARTE FDie Reise nach Tokyo
"Die Reise nach Tokyo" (1953) handelt von einem älteren Ehepaar, das in die japanische Hauptstadt reist, um seine erwachsenen Kinder zu besuchen. In Tokyo angekommen müssen sie feststellen, dass sie nicht willkommen sind. Der Film von Ozu Yasujiro erzählt einfühlsam und sehr behutsam vom Verfall einer Familie und von einem Land im Umbruch.
© Kairosfilm