Elvis Presley
Ohne ihn würden wir in einer ganz anderen (Musik-)Welt leben: Mit seinem selbstbetitelten Album krempelte Elvis Presley 1956 die Musikwelt komplett um. Anlässlich des 70. Jubiläums der Scheibe wirft die Galerie einen Blick auf die besten Debütalben aller Zeiten.
© RCA InternationalElvis Presley - Elvis Presley (1956)
Elvis Presley pustete Mitte der 50er-Jahre die bestehende Musiklandschaft weg. Etablierte Musikgrößen und Kritiker ätzten gegen die vermeintliche Musik des Newcomers, ohne zu begreifen, dass hier die Weichen für den weiteren Verlauf der Popmusik gestellt wurden. Die Anziehungskraft von Songs wie "Blue Suede Shoes" oder "Tutti Frutti" zog vor allem Jugendliche an, und zwar in einer Masse, dass sie plötzlich zur wichtigsten Zielgruppe der Musikbranche wurden. Ein Schlüsselmoment der Kulturgeschichte.
© RCA InternationalChuck Berry - After School Session (1957)
Auch wenn Elvis Rock'n'Roll im zu diesem Zeitpunkt immer noch segregierten Amerika popularisierte, wäre sein Erfolg ohne die Vorarbeit diverser afroamerikanischer Künstler nicht denkbar gewesen. Der vielleicht größte unter ihnen war Chuck Berry, der vielen als wahrer König des Rock'n'Roll gilt. Dass sein Debütalbum ein Jahr nach "Elvis Presley" erschien, mutet nur aus moderner Sicht seltsam an: In den 50ern spielten Singles eine größere Rolle. Als mit "After School Session" Berrys erstes Album erschien, war er schon zwei Jahre lang im Geschäft.
© UniversalJohnny Cash - Johnny Cash with His Hot and Blue Guitar! (1957)
Das Rezept hinter der Musik von Johnny Cash war so simpel wie genial. Der "Man in Black" kreuzte die Sensibilität von Country mit dem Drive von Rock'n'Roll. Das Ergebnis ein lokomotivenartiger Rhythmus, über den Cash mit seiner charakteristischen tiefen Stimme alte Traditionals und Eigenkompositionen sang. Und die hatten es schon mal in sich. "I shot a man in Reno just to watch him die", sang Cash auf seinem "Folsom Prison Blues" - der Mythos des Country-Outlaws war geboren.
© Sun Records / VirginEtta James - At Last! (1960)
Was für eine Power, was für eine Stimme. Lange bevor "I Just Want to Make Love to You" als Striptease-Hymne bekannt wurde, hauchte Etta James' Debütalbum dem durch die Rock'n'Roll-Revolution totgeglaubten traditionellen Pop-Song in Tradition der Hit-Schmiede Tin Pan Alley neues Leben ein. Die Sängerin versprühte Ehrgeiz, Selbstbewusstsein und forderte den ihr zustehenden Platz im Rampenlicht erfolgreich ein. Pionierarbeit leistete sie damit für jede Rock-Röhre und Soul-Diva, die sich mit Erfolg traute, in ihre Fußstapfen zu treten.
© MCA / ChessThe Beatles - Please Please Me (1963)
Klar, geht es um die beste Beatles-Platte hat kaum jemand "Please Please Me" auf dem Zettel. Die großen Innovationen der Fab Four sollten zum Zeitpunkt des Erscheinens ihres Debüts erst noch kommen, aber man muss sich schon die Ohren zuhalten, um dem Charme von frühen Hits wie "Love Me Do" oder "I Saw Her Standing There" widerstehen zu können. John, Paul, George und Ringo kreierten mit ihrem Debüt Rock'n'Roll mit einer stärkeren Pop-Sensibilität - und den ersten Schritt der folgenreichsten Karriere der Popgeschichte.
© Universal MusicThe Ronettes - Presenting the Fabulous Ronettes (1964)
Die 60er-Jahre prägten wie kaum eine andere Dekade Popmusik als Ganzes. Während die britische Invasion tobte und Beatles, Stones, Kinks und Co. den Rock'n'Roll revolutionierte, verbrachte der Produzent Phil Spector Unmengen an Zeit im Studio, um am perfekten Bombast-Pop-Sound zu arbeiten. Er fand ihn in den unsterblichen Singles der Ronettes, von denen sich ein Großteil auch auf ihrer ersten - und einzigen - LP wiederfanden.
© Sony MusicLed Zeppelin - Led Zeppelin (1969)
Das Motiv zu Led Zeppelins selbstbetiteltem Debütalbum von 1969 zeigte den brennenden Hindenburg-Zeppelin - ein Verweis auf den Bandnamen, aber auch ein Sinnbild für Zerstörung und, so wurde das Motiv mehrfach gedeutet, ein phallisches Symbol. Besorgte Eltern schlugen - wie schon zuvor bei Elvis - Alarm, ganz nebenbei schuf die Gruppe um Gitarrist Jimmy Page und Sänger Robert Plant mit dem Hardrock das Genre, ohne das härtere Spielarten der Gitarrenmusik kaum denkbar wären.
© AtlanticBlack Sabbath - Black Sabbath (1970)
Es gibt Debütalben, die fügen sich nahtlos in die Popgeschichte ein und es gibt Debütalben, die etwas scheinbar völlig Neues wie aus dem Nichts erschaffen. Zu letzterer Gruppe gehört das selbstbetitelte Debütalbum von Black Sabbath, das heute als Geburt des Heavy Metal gilt. So unheimlich wie das Cover war auch die Musik. Berichten von Zeitzeugen zufolge sollen zart besaitete Teenager frühe Konzerte der Band noch während des ersten Songs verstört verlassen haben. Die, die blieben, machten aus Ozzy Osbourne und Co. bald darauf Rockstars.
© SanctuaryPatti Smith - Horses (1975)
Mit "Horses" leistete Patti Smith Pionierarbeit: Dass eine Frau alleine derart rocken konnte, war für manchen Herren der Schöpfung schon Bedrohung genug, aber dann war Frau Smith auch noch eine Poetin, deren Songs hinter denen eines Bob Dylan oder Leonard Cohen nicht verstecken brauchten. Smith kreuzte Beat-Pose mit Punk-Attitüde und Hippie-Rock. Legendär ist schon die Anfangszeile: "Jesus died for somebody's sins but not mine." Der Mittelfinger saß.
© Arista / Sony MusicRamones - Ramones (1976)
Auch nach diesem Album schien nichts mehr zu sein wie vorher. Johnny, Tommy, Joey und Dee Dee Ramone (von links nach rechts) hatten die Schnauze voll von opulentem Prog-Rock und weichtgespültrem Soft-Rock. Ihre Songs waren so minimalistisch, dass Anhänger Andy Warhols sie für Konzeptkunst hielten, dabei wollten die Ramones einfach nur dem Rock'n'Roll neues Leben einhauchen. "Alles, was man braucht", sagte Bassist Dee Dee einmal, "sind drei Wörter und ein Refrain. Und der Refrain sollte stark genug sein, um alles auszudrücken." Die Geburtsstunde des Punk.
© Rhino/Warner MusicKate Bush - The Kick Inside (1979)
Gerade mal 19 Jahre alt war Kate Bush, als sie "The Kick Inside" veröffentlichte. In diesem Zusammenhang noch ungewöhnlicher: Bush forderte selbstbewusst die komplette kreative Kontrolle über ihr Debütalbum, schrieb alle Songs selbst und wurde so zur Art-Pop-Pionierin. Der Erfolg gab ihr recht. Die Single "Wuthering Heights" wurde zum Hit und die Künstlerin sollte auch die folgende Dekade damit verbringen, Grenzen zu sprengen.
© Parlophone / Warner MusicThe Specials - Specials (1979)
1978 galt Ska noch als obskure Oldie-Musik, die Bob Marley vor der Erfindung von Reggae gemacht hatte. Das änderten die Specials, die dem Offbeat neues Leben einhauchten, indem sie ihn mit der Energie von Punk und einer ordentlichen Portion Ideale kreuzten. Die Musik war zwar tanzbar, aber auch höchst politisch. Die Specials besangen Realitäten der Arbeiterklasse und positionierten sich deutlicher antirassistisch als die meisten Punkbands. Ihr von Elvis Costello produziertes Debütalbum gehört zu den einflussreichsten LPs der New-Wave-Ära.
© Chrysalis RecordsJoy Division - Unknown Pleasures (1979)
Die Musik von Joy Division war düster und kalt, ihre Texte konnten beinahe schon zu nahe gehen, scheuten sie sich doch nicht, Depressionen und Trostlosigkeit auszudrücken. Dass die Band aus dem industriellen Manchester stammten, passt ins Bild. Mit "Unknown Pleasures" schuf die Band einen Post-Punk-Meilenstein, ohne den die Gothic-Bewegung der 1980er-Jahre schwer denkbar gewesen wäre.
© Warner MusicFehlfarben - Monarchie und Alltag (1980)
Dass auch deutschsprachige Musik im Zeitalter von Post-Punk und New-Wave vielsagend und zeitgemäß sein konnte, bewiesen Fehlfarben aus Düsseldorf. Rund um die so klugen wie bissigen Beobachtungen von Sänger Peter Hein sponn die Band einen Sound, der man die Punk-Wurzeln seiner Mitglieder noch anhören könnte, der diese jedoch gleichzeitig überwand. Wie heißt es in einem Schlüsselstück der Scheibe so schön: "Geschichte wird gemacht, es geht voran!"
© VertigoDead Kennedys - Fresh Fruit for Rotting Vegetables (1980)
Eine gute Beobachtungsgabe beweist auch Jello Biafra, Frontmann und Hauptsongwriter der kalifornischen Punk-Legenden Dead Kennedys. Geradezu genüsslich legt Biafra seine Hände in die Wunden der USA, die im Jahr des Erscheinens des Debütalbums der Band, "Fresh Fruit for Rotting Vegetables" den erzkonservativen Ronald Reagan zum Präsidenten wählten. Wie passend also, als Biafra zum rasend schnellen, mit einer Surfgitarre aus der Hölle ausgestatteten Hardcore-Punk, über einen von der herrschenden Klasse ausgeführten Mord an der sogenannten Unterschied polemisierte.
© Cherry Red / Alternative TentaclesMetallica - Kill 'em All (1983)
Das Cover deutet es nicht nur an, es schreit es förmlich: Mit ihrem Debütalbum wollten Metallica vor allem eins sein: brutal. Ihren Thrash Metal sollten sie vor allem kompositorisch auf den Nachfolgealben "Ride the Lightning" (1984) und "Master of Puppets" (1986) weiter ausbauen, doch ohne das Riff-Feuerwerk auf "Kill 'em All" hätte die weitere Geschichte des Metal einen ganz anderen Verlauf nehmen können. Mit der Band um James Hetfield hatte das Genre, das vor allem in Großbritannien florierte, seine amerikanischen Meister gefunden.
© MegaforceN.W.A. - Straight Outta Compton (1988)
Direkt aus den Straßen Comptons in den Rap-Olymp: Die ikonischen N.W.A., zu denen unter anderem Dr. Dre und Ice Cube gehörten, katapultierten Gangsta-Rap von der Westcoast in die breite Öffentlichkeit. Der große Klassiker, den HipHop-Fans bis heute feiern: das Debütalbum "Straight Outta Compton" aus dem Jahr 1988. Tracks wie etwa "Fuck tha Police" sorgten damals für einen solchen Aufruhr, dass sogar das FBI auf die Truppe ein aufmerksame Auge warf.
© Capitol/UniversalA Tribe Called Quest - The Low End Theory (1991)
Cleverer und subtiler wollten sie sein, außerdem positiver als der Gangsta Rap von der Westküste: Die New Yorker Hip-Hop-Gruppe A Tribe Called Quest, die mit "The Low End Theory" (1991) vielleicht den ersten unantastbaren Rap-Meilenstein der 1990-er veröffentlichte. Nicht nur mit seinem kreativen Umgang mit Sampling setzten Q-Tip, Phife Dawg und Ali Shaheed Muhammad neue Maßstäbe, auch der jazzige Sound von "The Low End Theory" findet selbst heute noch Widerhall im Genre.
© Sony MusicAphex Twin - Selected Ambient Works 85-92 (1992)
Dass die 90-er eine Blütezeit des Techno waren, wird gerne mal vergessen. Das liegt aber vor allem daran, dass elektronische Tanzmusik nun einmal hauptsächlich für Clubs - sprich: in Single-Form statt auf LPs - produziert wird. Also greifen wir eben zum Kernalbum der sogenannten "Intelligent Dance Music", kurz: IDM. Aphex Twins "Selected Ambient Works 85-92" (1992) eignet sich zwar eher für die Afterhour nach dem Rave als für die Party selbst, zeigt aber wunderbar auf, wie sympathisch verspult elektronische Musik sein kann.
© Apollo RecordsTori Amos - Little Earthquakes (1992)
Schon mit ihrem Debütalbum wurde Tori Amos zur Pionierin in Sachen Singer-Songwriter am Piano: Ohne "Little Earthquakes" (1992) wären Nachfolgerinnen wie Fiona Apple oder Regina Spektor schwer denkbar gewesen. Das lag auch an den starken Melodien und Texten, die Amos hier zuhauf produzierte, und am Mut in ihrer Themenwahl. Das Acapella gehaltene "Me And A Gun" etwa erzählt so schonungslos von Amos' Vergewaltigung, dass es einem förmlich schwerfällt, zuzuhören. Sollte man aber trotzdem.
© WarnerPortishead - Dummy (1994)
Unterkühlte Hip-Hop-Beats, kreative Samples, dazu die herzzerreißenden Vocals von Frontfrau Beth Gibbons: Mit "Dummy" (1994) setzten die Trip-Hop-Pioniere Portishead neue Maßstäbe in Sampling und vermittelten dabei das Gefühl, man hätte sich in eine surreale, verrauchte Kneipe verirrt. Einen großen Anteil daran hatte Sängerin Beth Gibbons, deren wandelfähiger Gesang aufzeigte, wie stark und selbstbewusst Zerbrechlichkeit klingen kann.
© Go! BeatOasis - Definitely Maybe (1994)
Die Band sei "verdammt klasse, die beste Band der Welt". Auf welche Band sich Liam Gallagher in diesem Zitat bezog? Auf die eigene natürlich. Der Oasis-Frontmann hatte aber auch allen Grund, den Mund so voll zu nehmen. "Definitely Maybe" (1994) gilt bis heute als eines der besten Debütalben aller Zeiten, nicht zuletzt wegen der Songwriting-Künste seines Bruders Noel. Das Album wurde seiner Zeit zum am meisten verkauften Erstling der britischen Popgeschichte: 15 Millionen Mal ging die Platte über die Ladentheke.
© Big Brother Recordings/IndigoNas - Illmatic (1994)
Staubtrockene Beats (gebastelt von DJ Premier), dazu ein MC, dem man die Leidenschaft für seine Kunst genauso anhört wie sein Bedürfnis, sich auszudrücken. Kaum eine HipHop-Platte fängt das Leben in den armen Vierteln New Yorks so schonungslos und mitreißend ein wie "Illmatic" (1994), das Debüt von Nas, mit dem der Rapper sich gleich zu Beginn seiner Karriere - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war er gerade mal 20 Jahre alt - einen Platz im Rap-Olymp sicherte.
© Sony MusicWeezer - Weezer (1994)
Auf dem Cover ihres selbstbetitelten Debütalbums (1994) sehen Weezer aus eher aus wie die perfekten Schwiegersöhne denn als angesagte Rockband. Das passt wunderbar zum nerdigen Power-Pop des Quartetts um Frontmann Rivers Cuomo (zweiter von links). Er sehe aus wie Buddy Holly sang er auf dem großen Hit der schlicht als "Blue Album" bekannten Platte, die vielen Fans noch heute als ihre beste gilt. Mit "Say It Ain't So" zeigten die vier aber auch Tiefe - mitsamt unsterblichem Emo-Riff.
© Geffen / UniversalDJ Shadow - Endtroducing..... (1996)
Ein komplett aus Samples bestehendes Album? Ist das nicht etwas zu viel der Postmoderne? Keineswegs! Auf "Endtroducing....." (1996) kreierte DJ Shadow neue Tracks aus Schnipseln aus der Vergangenheit und blickte so in die Zukunft. Nach Veröffentlichung suchte der Produzent sein Werk in örtlichen Plattenläden auf: War es nicht unter HipHop einsortiert, änderte er das eigenhändig. Zurecht: Mit Ausnahme der Raps hat die Platte alles, was man sich so unter gutem HipHop vorstellt.
© Island / Universal MusicLauryn Hill - The Miseducation of Lauryn Hill (1998)
Auch wenn das fantastische "The Miseducation of Lauryn Hill" (1998) nicht weniger als achtmal mit Platin ausgezeichnet wurde, übersteigt der ideelle Wert des Werkes noch einmal den kommerziellen Erfolg. Das erste und einzige Solo-Album der Rapperin Lauryn Hill katapultierte Rap in die breite Masse - mit Power in der Stimme, ausdrucksstarken Texten und einem ausgeprägten Sinn für Melodie. Dass Hill nie einen Nachfolger veröffentlichte, macht die Platte umso mehr zum Monolithen.
© Sony MusicThe Strokes - Is This It (2001)
Wenn es ein Album gibt, auf welches sich das Indie-Rock-Revival der frühen 2000-er zurückführen lässt, dann ist es unbestritten dieses. Mit "Is This It" gelang den Strokes gleich mit dem Erstling der große Wurf. Der Ruch des Verbotenen umwehte die Platte nicht nur wegen des Covers, das in den prüfen USA gegen ein anderes ausgetauscht wurde. Die polizeikritische Nummer "New York City Cops" wurde nach den Anschlägen vom 11. September als pietätlos wahrgenommen und von den nächsten Pressungen des Albums entfernt.The Libertines - Up the Bracket (2002)
Wenn The Strokes die Beatles des Indie-Rock-Revivals waren - einflussreich, zugänglich, bis ins kleinste Detail durchkomponiert -, dann waren sie die Rolling Stones: The Libertines. Ihre Musik war anarchischer, wirkte gefährlicher, dazu ließ das Front-Duo Pete Doherty und Carl Barat kaum einen Skandal aus. Produziert wurde ihr Debütalbum "Up the Bracket" von The-Clash-Gitarrist Mick Jones.
© Rough TradeInterpol - Turn On the Bright Lights (2002)
Die nächsten Revivalisten: Interpol klangen aber deutlich düsterer als Strokes oder Libertines, hier hatte eindeutig jemand viel Joy Division gehört. Die charismatische tiefe Stimme von Sänger Paul Banks tat ihr übriges, um Assoziationen zu den Post-Punk-Pionieren aus Manchester zu wecken. Die Songs hatten aber auch ihre eigene Klasse, was besonders dem Erstling "Turn On the Bright Lights" anzuhören ist.
© Matador RecordsArcade Fire - Funeral (2004)
Für ein Debütalbum klingt Arcade Fires "Funeral" ganz schön erwachsen. Das liegt daran, dass die Bandmitglieder zuvor mit einigen Todesfällen in ihrem näheren Umfeld zu kämpfen hatten, womit sich neben den Songs auch der Albumtitel erklärt. Die erste Hälfte ist zudem ein kleines Konzeptalbum über eine Stadt inmitten eines Stromausfalls mitten im Winter. Die an Chamber- und Baroque-Pop geschulten Indie-Rock-Songs leisteten ihr übriges und Arcade Fire wurden nicht zu Unrecht zur Indie-Sensation.
© Merge RecordsLana Del Rey - Born to Die (2012)
Als Lana Del Rey auf der Bildfläche erschien, überschlugen sich Kritiker mit Theorien, warum die durch den viralen YouTube-Hit "Video Games" bekannt gewordene Sängerin "Fake" sein muss. Als wäre "Fake" nicht genau das, was ihre Kunst so groß macht: Eine Lana-Del-Rey-Platte ist wie ein alter Hollywood-Klassiker: wirkmächtig, künstlich und überlebensgroß. Spätestens als sie 2019 ihr Magnum Opus "Norman Fucking Rockwell!" veröffentlichte, erkannte wohl auch der letzte Neider, dass man es hier mit einer der großen amerikanischen Songwriterinnen der Gegenwart zu tun hat.
© UniversalLorde - Pure Heroine (2013)
"We will never be royals", sang die damals gerade mal 17-jährige Ella Marija Lani Yelich-O'Connor, die gut beraten war, sich mit Lorde einen möglichst kurzen Künstlernamen zu suchen. Ihr Debütalbum ist durchzogen von der Sehnsucht nach dem Glamour, den die Popmusik der letzten Jahrzehnte ihrer Generation versprochen hatte, und bezieht ihre Schönheit aus dem Scheitern an dieser Sehnsucht. Sogar David Bowie war Fan. Ein moderner Klassiker.
© UniversalBillie Eilish - When We All Fall Asleep, Where Do We Go (2019)
2019 landete Billie Eilish mit "Bad Guy" den ersten US-Nummer-Eins-Hit eines im 21. Jahrhundert geborenen Popstars. Der Sound des dazugehörigen Debütalbums: Pop, der von seiner Attitüde lebt, diese aber stets unter der Oberfläche brodeln lässt, weil er sich seiner so sicher ist, dass es ihn selbst zu langweilen sheint: "I'm the bad guy / D'uh!" HipHop- und Goth-Elemente ließen sich unter ihren Beats genauso finden wie Horror-Ästhetik in ihrer Bildsprache. 20 Jahre zuvor hieß der große Teen-Popstar noch Britney Spears. Andere Zeiten, andere Popstars.
© Universal Music