Der Kommissar und die Eifersucht - Mo. 16.05. - ZDF: 20.15 Uhr

Dinas Wahrheit - oder Wahn?

14.05.2022 von SWYRL/Wilfried Geldner

Kommissar Martin Brühl wird zu einem Spielplatz gerufen - die Mutter eines vierjährigen Jungen gibt an, ihr Kind soll entführt worden sein. Doch Brühl zweifelt an dem Tathergang. Der dritte Fall für Roeland Wiesnekker in der Rolle des ruppigen Ermittlers.

"Der Kommissar und die Eifersucht" lautet der Titel des dritten Falls für den Berliner Kommissar Martin Brühl (Roeland Wiesnekker) und dessen Freundin, die Polizeipsychologin Susanne Koch (Meike Droste). Als die Mutter eines Vierjährigen aufgeregt vermeldet, ihr Kind sei entführt und vor lauter Wut die ganze Welt zusammenschreit, bleibt der immer etwas verträumte Kommissar ganz cool. Er sucht den Kontakt zu der jungen Mutter, die sich mit zerrissenen Netzstrümpfen punkig gibt und mit Verbalinjurien wie "Fick dich!" um sich wirft.

Zuvor schon war die junge Mutter Dina (Stephanie Amarell) am Gartenzaun eines Einfamilienhauses zu sehen, wo sie sich einem Kind nähert, das sie Benji nennt. Sie glaubt fest, der Wonneproppen namens Emil sei ihr eigenes Kind, das man ihr einst nach der Geburt - sie war damals 15 und zugedröhnt - weggenommen hat. Der Beruf von Martins Freundin Susanne, Psychologin nämlich, bringt es mit sich, dass man sehr bald mehr über die wütende, wohl nur eingebildete Kindsmutter erfährt: Sie sei einst vom Vater vergewaltigt worden und komme über dieses Trauma nicht mehr hinweg. Den Rest habe ihr die Psychiatrie gegeben. Ähnliches wird auch von Dinas Bruder Tobias (Jacob Matschenz) erzählt, mit dem sie zusammenlebt. Einst zogen sie aus einem Dorf bei Chemnitz gemeinsam nach Berlin.

Abonniere doch jetzt unseren Newsletter.

Wer mag der wahre Kindsvater sein?

Während Susanne, die Psychologin, der Überzeugung ist, Dinas Kinderwahn sei ein Fall für die psychiatrische Betreuung, greift Martin schlichtend ein. Er lässt sich - sehr pittoresk auf der Spreetreppe hockend - Dinas Geschichte noch einmal erzählen. Man habe sie damals als 15-Jährige in "die Klapse" gebracht und mit Pillen vollgestopft. Einen Vater des Kindes "gibt's nicht", so sagt sie, es sei irgendwann unter Alkoholeinfluss auf der Discotoilette passiert.

In diesen Anfangsmomenten wird der Akzent vom Autor Christoph Darnstädt stark auf die Problematik der Drehtüren-Psychiatrie gesetzt. Die ruhigen Momente zwischen Martin, dem Kommissar, und Dina sind die schönsten des Films, der leider zu oft von aufdringlicher Orchestrierung (Regie: Andreas Senn) begleitet wird. Die Musikbegleitung deutet schon die Wendung vom Psychodrama zum Krimi an. Könnte nicht der Bruder, der sich so rührend um Dina kümmert, der wahre Kindsvater sein? Aber wieso hat er überhaupt das Kind vor Dina verheimlicht?

An dieser Stelle greift das Drehbuch tief in die psychiatrische Kiste, wendet den Fall mit Überraschungen um. Mehr Ruhe im Plot und in den Dialogen wäre da zweckdienlicher gewesen. Die Frage "Wahrheit oder Wahn?" trägt den Film dennoch über weite Strecken. Und wer schon, wenn nicht Stefanie Stappenbeck, hätte das Potenzial, eine bedrängte Mutter zu spielen, der am Ende das eigene (adoptierte) Kind entrissen zu werden droht, die aber zuletzt doch einen kühlen Kopf behält?

Das könnte dir auch gefallen


Trending auf SWYRL