19.04.2026 von SWYRL/Eric Leimann
Der "Tatort: Innere Angelegenheiten" kam mit nur drei Schauplätzen in einer Nacht aus, in der die Freiburger Kommissare im Fall eines Disco-Mordes ermittelten. Es war ein besonderer Dreh. Übrigens: Auch andere berühmte Filme spielen auf engstem Raum.
Nein, es war kein klassisch experimenteller "Tatort", in dem die ausnahmsweise mal wieder rein innerstädtisch aktiven Schwarzwald-Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) in Freiburg ermittelten. Es ging um einen Toten in der Disko und die Rekonstruktion einer in ihrem Ablauf unklaren Tat.
Hinter der klassischen Krimikulisse - wer war's und warum? -verhandelte der "Tatort: Innere Angelegenheiten" zwei Subtext-Themen. Eines war eher cinematografisch, nämlich die Frage: Wird es langweilig, wenn ein Krimi an nur drei Orten spielt? Die andere ist, auch wenn es um einen rein "privaten" Mord geht, gesellschaftlich und gerade jetzt hochrelevant.
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Worum geht es?
Ein Toter liegt im Nebenraum einer Freiburger Diskothek. Dringend tatverdächtig ist Intensivtäter Ramin Taremi (Omid Memar), der jedoch alle Schuld von sich weist. Das Opfer war Mitglied der Rocker-Szene. In einem Verhörraum hat Kommissar Berg den Haupttatverdächtigen in der Mangel. Er erhält Unterstützung durch seine Anwältin (Proschat Madani).
Vor der Diskothek hat Franziska Tobler derweil Mühe, die Rocker-Kumpels des Toten zurückzuhalten. Sie wollen Rache, während Angehörige des Verdächtigen im Club ausharren. Dann wären da noch fünf junge Bereitschaftspolizisten unter der Einsatzleitung des erfahrenen Wolle Heizmann (Andreas Anke). Offenbar ist sich die Einheit uneins darüber, was in dieser Nacht tatsächlich geschehen ist - und was davon in ihren Bericht soll. Unter einer Straßenbrücke stehen die Polizisten und streiten über diese Frage.
Worum geht es wirklich?
Das erfahrene Kreativduo Bernd Lange (Drehbuch) und Robert Thalheim (Regie) zeichnet verantwortlich für den während einer Nacht spielenden Fall. Zuletzt inszenierten sie fürs Südwest-Revier "Tatort: Der Reini". Neben der technischen Umsetzung, in der es darauf ankam, dass die Einsatzpolizisten einen ihnen bekannten Tathergang diskutieren, der Zuschauern jedoch nicht vor dem Krimi-Finale "im Klartext" mitgeteilt werden kann, geht es in diesem Film um Ehrlichkeit. Also darum, sich geradezumachen.
Tobler und Berg müssen gegen Kollegen ermitteln, was immer unangenehm ist, aber eben zu ihrem Job gehört. Er lautet: die Wahrheit herausfinden und sie der unabhängigen Justiz zu übergeben. Gerade in einer Zeit, da Fakten und Wahrheit für manche zu dehnbaren Begriffen verkommen sind, ein wichtiges Statement.
Welche berühmten Filme kommen mit minimalem Raum aus?
Kammerspiele sind bei Filmschaffenden und Kritikern respektive Zuschauern aus zwei Gründen beliebt: Zum einen kosten sie wenig und die Drehbedingungen sind gut zu kontrollieren. Dazu bauen sie zu einhundert Prozent auf eine gute Story, die sich über Dialoge und Schauspiel entfaltet. Der Klassiker ist natürlich Alfred Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" (1954). Die von James Stewart verkörperte Hauptfigur, ein wegen eines Beinbruchs ans Zimmer gefesselter Fotograf, beobachtet darin aus seinem Fenster heraus Nachbarn und ist überzeugt, einen Mord entdeckt zu haben. Fast der gesamte Film spielt im Zimmer des Fotografen, der von dort in den Hof und die Wohnungen des anderen Hauses hineinblickt.
Nur drei Jahre später kam ein weiterer One-Location-Klassiker der Filmgeschichte in die Kinos: "Die zwölf Geschworenen" (1957) von Sidney Lumet spielt nahezu komplett im Raum eines Justizgebäudes, in dem die Geschworenen nach der Wahrheit suchen. Auch er untersucht - wie der "Tatort: Innere Angelegenheiten" - Themen wie die Bedeutung eines fairen Verfahrens (oder im "Tatort": der fairen Ermittlung) in unserer Gesellschaft.
Auch das Thrillergenre arbeitet immer wieder gern mit wenigen und engen Motiven: "Nicht auflegen!" (2002) spielt nahezu vollständig in einer Telefonzelle in Manhattan und besticht durch seine Echtzeit-Spannung. Hauptdarsteller Colin Farrell erhielt für seine intensive One-Location-Performance breite Anerkennung. In "Buried - Lebend begraben" (2010) spielt Ryan Reynolds einen Mann, der in einem Sarg eingeschlossen ist. "Locke" (2013) wiederum spielt komplett in einem Auto, mit Tom Hardy als einzig sichtbarer Figur.
Was war beim Dreh so besonders?
Auch der Dreh hatte einige Besonderheiten: Weshalb etwa fanden die nächtlichen Szenen mit den diskutierenden Polizisten eigentlich sämtlich unter einer (langen) Brücke statt? Kameramann Andreas Schäfauer verrät es: "Weil der Film innerhalb weniger Stunden spielt, war es wesentlich, ein Außenmotiv für die Szenen mit den Bereitschaftspolizisten zu finden, das über die gesamte Drehzeit hinweg gleichmäßige Bedingungen liefern konnte. Das Motiv sollte gewährleisten, dass wir auch bei Regen weiterdrehen konnten, die Schauspieler also nicht im Regen stehen."
Auch zu einer anderen Besonderheit äußert er sich: "Die Arbeit mit den Darstellern war sehr intensiv. Man hat ja oft tolle Schauspielerinnen oder Schauspieler am Set, die aber nur zwei Drehtage haben. Hier war das anders, weil wir zum Beispiel mit dem Ensemble der Polizisten zehn Tage am Stück gedreht haben. Durch die lediglich drei Settings hatten wir außerdem den Luxus, die jeweiligen Spielorte chronologisch zu drehen."
Wie geht es beim "Tatort" mit Tobler und Berg weiter?
Der nächste Fall der beiden wurde bereits im Sommer 2025 gedreht und hört auf den Titel "Engelsgesichter". Tobler und Berg treffen darin auf die Welt der Family-Influencer: Eine ermordete Frau hatte als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern versucht, mit einem eigenen Kanal durchzustarten - und dabei auch ihre Kinder in Szene gesetzt. In ihrem Umfeld fand sie Vorbilder für dieses Lebens- und Geschäftsmodell. Ihre Tochter machte sie damit zu einer erfolgreichen Werbefigur, während ihr Sohn an der plötzlichen Öffentlichkeit zerbrach. Ins Visier der Ermittlungen gerät schließlich der Ex-Mann der Toten. Der Film wird voraussichtlich 2027 ausgestrahlt werden.



