"Ninja Warrior Germany"

"Ninja Warrior": Beim Sensationssieg des "Kükens" gibt einer den tragischen Helden

19.11.2022 von SWYRL/Jürgen Winzer

"Lecko mio de la blanco, das ist doch Wahnsinn!" Immer dann, wenn Frank Buschmann rhetorisch (fast) nicht mehr weiterweiß, gibt es Großes zu erleben. So auch im dramatischen Finale von "Ninja Warrior Germany" (RTL). Der Kampf der Superathleten wurde erst am legendären Mount Midoriyama entschieden.

"Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn!" Frank Buschmann, in vielen Moderationsschlachten gestählter, mit allen rhetorischen Wassern gewaschener Profi, ging das Vokabular aus. Im Finale von "Ninja Warrior Germany" (RTL) verlor er mehrmals beinahe die Fassung. "Das gibt's doch alles gar nicht, was ist denn hier los?", kommentierte er atemlos staunend die sensationellen Leistungen der "glorreichen Sieben", die sich für Stage zwei des Finales qualifiziert hatten.

Die sieben Besten der Besten, Sladjan Djulabic (33), Max Görner (19), Philipp Göthert (21), Moritz Hans (26), Lukas Kilian (29), Marvin Mitterhuber (28) und Jona Schöne (20), machten mit unfassbaren Leistungen beste Werbung für ihren Action-Sport und NWG, das von RTL als "stärkste Show Deutschlands" bezeichnet wird.

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"Ninja Warrior Germany": Laura Wontorra interview mit "Pippi inne Augen"

Und das ist völlig okay. Nicht nur, aber auch, weil die siebte Staffel erst in einem Drama am 32 Meter hohen, generalüberholten Mount Midoriyama entschieden wurde: Max Görner und Moritz Hans kämpften sich bis zum "Berg der Berge" vor. Das "Final-Küken", von Buschmann liebevoll "der Kleene" genannt. Und der Routinier, das NWG-Urgestein, der nun siebenmalige Finalist, der Mann, der als erster (2021) den Mount Midoriyama bezwang - und dann doch nur Zweiter wurde.

Wilhelm Busch hätte es gefallen: "Max und Moritz die beiden Banausen, werden gleich ein Seil hochsausen", dichtete Field-Reporterin Laura Wontorra beseelt.

Bei so einem Fingernägelknabbershowdown können die Gefühle schon mal Gassi gehen. Wie bei Wontorra selbst, die derart mitfühlte, mitbibberte und mitlitt, dass sie eigentlich ab Stage drei nur noch mit "Pippi inne Augen" ihre Interviews führte.

Emotionell standen ihr Jan Köppen, mehrfach von Gänsehaut geschüttelt, und natürlich Frank Buschmann in nichts nach. Buschi eskalierte mehrfach, brüllte seine Begeisterung hinaus nach TV-Deutschland ("Jaaaaa, du Teufelskerl!") und gebar beim Mitfiebern fiebrig eine besonders schöne Metapher: "Ich seh schwarz, weil er blau ist", kommentierte er, als Marvin Mitterhuber im Parcours die Kräfte zu verlassen schienen.

Sensationelle Final-Leistungen der "glorreichen Sieben"

Die glorreichen Sieben gaben sich in Finalparcours zwei (der erste wurde von ihnen letzte Woche bewältigt) keinerlei Blöße und hakten die sechs Hindernisse innerhalb der zulässigen 2:30 Minuten ab. "Wie einfach das aussieht, bei diesen Super-Athleten", staunte Köppen. Und auch im zweiten Parcours, den letzten fünf Hindernissen, die die Athleten vom Mount Midoriyama trennten, herrschte beinahe Einigkeit. Nur Final-Oldie Sladjan Djulabic schaffte es nicht bis zum Flugweg, der finalen Hürde, sondern musste schon an den rotierenden Leisten loslassen - das Griffbrett und seinen Traum vom Titel.

Neuling Jona Schöne, Allstars-Sieger Lukas Kilian, Vorjahres-Dritter Philipp Göthert und Urgestein Marvin Mitterhuber scheiterten ausnahmslos in letzter Sekunde, am letzten von vier Halteelementen des Flugwegs. Mitterhuber hatte sogar schon die Hände an der Griffleiste, verlor dann doch noch den Halt und stürzte. Er landete weich: als Dritter.

Getoppt wurde er nur vom Küken und vom Superstar: Max Görner und Moritz Hans knackten auch den Flugweg und qualifizierten sich für den Showdown am Mount.

Vorjahressieger René Casselly: "Es wird keinen neuen Ninja Warrior geben"

René Casselly, wie der Rest der bereits ausgeschiedenen Crème-de-la-Ninja-Crème am Parcoursrand stehend und anfeuernd, schaute wehmütig aufs Finale. "Es kribbelt in den Fingern", meinte er, aber er flog im ersten Finalparcours raus. Er orakelte: "Es wird diesmal keinen neuen Ninja Warrior geben."

Das war keine Bosheit. Denn das "Stahlbiest" wurde runderneuert. Jetzt war der Monstermount 32 Meter hoch. Erst mussten zehn Meter Kamin, dann 20 Sprossen der Himmelsleiter überstanden werden, bevor es per Seil die letzten zehn Meter zum Buzzer ging. Wer den - innerhalb von 30 läppischen Sekunden! - am schnellsten drückte, würde die 300.000 Euro Siegprämie einstreichen.

Als René Casselly die Drittelmillion letztes Jahr kassierte, weil er um knapp zwei Sekunden schneller am Gipfel der Glückseligkeit buzzerte als Moritz Hans zuvor, war der "Schicksalsberg" "nur" 20 Meter hoch.

Max & Moritz: Ein strahlender und ein tragischer Held

Der Youngster legte vor. Max Görner flog den Kamin empor und hämmerte anschließend in atemlosem Tempo Sprosse um Sprosse in die Himmelsleiter. Aber nach der sechsten ging's bergab. Würde das für den bescheidenen Super-Kletterer ("Es ist ein große Ehre für mich, unter den Top Sieben zu sein") in seinem zweiten NWG-Jahr reichen?

Kann's Moritz Hans? Er stand als erster NWG-Teilnehmer zum zweiten Mal am Mount, er war schon Last Man Standing (2017), er war Zweiter (2021, 2019) und Dritter (2018). Er war 2021 der Erste, der den Mount bezwang. Würde er es zum zweiten Mal schaffen?

Es war ihm nicht vergönnt. Druck der Favoritenbürde? Erst war er zu langsam, dann zu fahrig unterwegs. Der Countdown der letzten zehn Sekunden lief schon, als er in die Himmelsleiter einstieg. Dort verkantete er an Sprosse drei und stürzte beim Korrekturversuch ab. Aus der Traum.

Max Görner: 25.000 Euro für den jüngsten Last Man Standing

So gab es zwei Helden. Einen strahlenden und einen tragischen. Moritz Hans ("Das war Mist") trauerte der Chance nach, gratulierte aber fair seinem Bezwinger Max Görner ("Max, du alter Gauner"). Der ist, außerhalb Amerikas, der jüngste Last Man Standing aller Warrior-Zeiten und konnte seinen Triumph gar nicht fassen. "Damit hätte ich nicht gerechnet, ich bin sprachlos", stotterte er, nachdem ihn die anderen Ninja-Athleten hochleben und hochfliegen ließen.

Vielleicht kann er es besser realisieren, wenn er nach der Siegermedaille auch die Einzahlung von 25.000 Euro auf dem Konto vor Augen hat. Diese Summe kassierte auch die erfolgreichste Frau im Wettbewerb, die Last Woman Standing, Andrea Meßner.

Freut euch des Sieges. Nächstes Jahr seid ihr die Gejagten.

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