25.05.2026 von SWYRL/Hans Czerny
In 20 Folgen zeigt History Channel die Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Für weniger Bewanderte ein Muss, für andere ein Dokument zur Vergewisserung. Kein Geringerer als Hollywood-Ikone Tom Hanks kommentiert es wie einer, der dabeigewesen ist.
Mit tief gebräuntem Marines-Gesicht führt Tom Hanks in die neue, 20-teilige Weltkriegs-Serie bei History Channel ein. Und die ist natürlich erst mal: großes Kino. Es kracht in "Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks" an allen Ecken und Enden, doch ein "Weltkiegsfan", wie schlichtere Gemüter meinen, ist er nicht. Ganz im Gegenteil. Einleitend führt Hanks noch einmal - nicht ganz unpathetisch - in die unvorstellbaren von den Nazis ausgelösten Gräuel des Zweiten Weltkriegs ein. Er erinnert an 65 Millionen Tote, die dieser Krieg hinterlassen hat. Ja, die Alliierten siegten, aber der Blutzoll für die Befreier war hoch. Hanks erinnert aus amerikanischer Sicht an "Väter und Mütter, die ihre Kinder über den Atlantik schickten und nicht wussten, was mit ihnen passiert".
Erinnerungen an "Der Soldat James Ryan" kommen hoch, an den Film von 1998, in dem Hanks als Captain Miller mit seinem Trupp den vierten nach drei gefallenen Brüdern der Familie Ryan sucht. Tom Hanks hat aber in vielen anderen Filmen Militärs im Zweiten Weltkrieg gespielt, sodass er zu einem Markenzeichen des Antikriegsfilms wurde. Diese Werke zu sehen, das kann für Jüngere, die Jahrzehnte lang im Frieden lebten, durchaus sinnvoll sein. Ein Befund, der zweifellos auch für diese Dokumentarserie von History Channel gilt. Der Realismus der dokumentarischen Archivaufnahmen ist beeindruckend, auch wenn man die vielfältigen Statements der Universitätshistoriker mitunter als informative Lehrstunde empfinden mag. Zu Zeiten einer Zeitenwende und eines historischen Rollbacks scheint es überaus wichtig, zu wissen, was geschehen kann, wenn autoritäre Geister die Welt regieren und andere sie nicht rechtzeitig schützen.
Über gängiges Schulwissen geht die von Hanks mitproduzierte Serie weit hinaus. Schon die erste Folge, in der es um den Beginn des Krieges und damit den Überfall auf Polen am 01. September 1939 geht, greift weit in die Geschichte des Nationalsozialismus zurück, zeigt im Nebenstrang Hitlers Werdegang und seiner Parteigenossen. Der Überfall auf Polen wird in seiner ganzen Gewalt zu Land, in der Luft und zu Wasser gezeigt, es wird aber auch kommentiert, wie schwer Roosevelt nach Churchills Aufforderung die Kriegserklärung an die Deutschen fiel. Man vergisst es leicht: Amerika war auf den Krieg nicht vorbereitet, hatte nur eine kleinere Armee. Die Rolle der SS und der hinter der Front wütenden Einsatztruppen wird ebenso geschildert wie der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt und die daraus resultierende Erschütterung der Polen.
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Von Stalingrad und der Normandie bis zu den Inseln des Pazifiks
Das Leid der polnischen Bevölkerung wird keineswegs vergessen. Es mag sein, dass dabei eine freiere Sicht als die der deutschen Filmer eine Rolle spielt. Die Großproduktion des History Channels wird jedenfalls in 200 Regionen und in 40 Sprachfassungen gezeigt. In der deutschen Fassung wird der Off-Kommentar von Joachim Tennstedt, Tom Hanks' mehrfacher deutscher Synchronstimme, gesprochen. Die Experten sprechen ihrerseits mit einer gewissen Distanz über das Ungeheuerliche.
"Die Doku-Serie beleuchtet den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts und zeigt, wie er die moderne Welt geprägt hat", lässt der History Channel wissen. Hanks selbst, Jahrgang 1958, sah sich selbst als Kind noch mit einer Flut von Weltkriegserzählungen konfrontiert, die ihm in Erinnerung geblieben sind, und er hofft, dass die nachfolgenden Generationen daraus lernen. Damals habe man nicht gewusst, wie lange der Krieg dauern würde, "zehn oder 50 Jahre"?
"Schau zurück, schau auf die Vergangenheit", sagt Tom Hanks "und versuche, dich in sie heinzuversetzen". Wie sehr sich unsere Perspektive jüngst verändert hat, zeigt nicht zuletzt die Absage einer geplanten Ehrung der West Point Militärakademie für den Geschichtenerzähler Tom Hanks im vergangenen September. Hanks sollte für seine Rollen als Soldat in Kriegsfilmen und die ihm eigene Philosophie ausgezeichnet werden. Die Militärakademie zog die Ehrung jedoch mit der Begründung zurück, sie müsse sich auf die Ausbildung der Kadetten konzentrieren. Da klingt offensichtlich Trumps MAGA-Stimme deutlich durch.
Den ganzen Krieg zu zeigen, vom Überfall Deutschlands auf Polen über den Aufstieg und den Niedergang der Achsenmächte (Deutschland, Japan, Italien), die militärischen Auseinandersetzungen an Land, zu Wasser und in der Luft - von Stalingrad und der Normandie über den Atlantik und das Mittelmeer bis in die Dschungel- und Inselwelten des Pazifiks - das muss zweifellos zu einer Parforce-Tour und zu einem voluminösen Digest führen. Doch die Fülle des Stoffs, vor allem der vielen Archivbilder, ist durchaus imponierend. Eine fürwahr monumentale Serie über den Zweiten Weltkrieg.
Dass hier viele, vor allem US-amerikanische Experten zu Wort kommen, versteht sich von selbst. Bei der Realisierung der Serie arbeitete History Channel laut eigener Asukunft mit dem National WWII Museum in New Orleans, Louisiana, zusammen. Die erste Folge der Serie "Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks" sendet History Channel als Preview am Dienstag, 26. Mai, um 20.15 Uhr. Alle weiteren Sendungen sind als Doppelfolgen an den darauf folgenden Freitagen (ab 29. Mai)um 20.15 Uhr zu sehen sowie auf Abruf.



