Lena Dörrie ist die neue Kommissarin in "Mordsschwestern"

"Ich habe großes Glück gehabt mit der Kollegin"

28.08.2022 von SWYRL/Martina Maier

Schauspielerin Lena Dörrie ist die neue Kommissarin im ZDF-Freitagabend und geht ab sofort in Flensburg auf Verbrecherjagd. Den Dauer-Stress mit ihrer Filmschwester gab es zum Glück nur vor der Kamera.

Eine steife Brise bläst ab sofort durch den Freitagabend im ZDF. Wo seit Jahrzehnten überwiegend ältere Herren Kriminalfälle lösen, treten nun die beiden ziemlich ungleichen Lorentzen-Schwestern an: eine gut organisierte und regeltreue Kommissarin namens Viktoria und ihre sturmflutartig chaotische Schwester Feli, eine Pathologin, gespielt von Caroline Hanke. Lena Dörrie, die gerade 40 Jahre alt wurde, spielt die Polizistin in "Mordsschwestern" (erstmals Freitag, 2. September, 20.15 Uhr, ZDF) mit dem nordisch-spröden Charme. Eine Charakterrolle, von der die Schauspielerin sofort begeistert war. Im Gespräch hat die sympathische Wahl-Berlinerin beste Laune und berichtet von fehlendem Ordnungswahn, intensiven Dreharbeiten und ihrer Liebe zu Norddeutschland.

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Einen guten Draht zur Leihschwester

teleschau: Frau Dörrie, ertragen Sie Chipskrümel im Auto?

Lena Dörrie (lacht): Das ist eine gute Frage. Doch, die ertrage ich schon. Ich bin privat wahrlich kein Ordnungsfanatiker. Ordnung an sich ist ein Kampf! Mich stören eher Geräusche. Wenn neben mir die ganze Zeit geknuspert wird, kann ich verstehen, wenn einer sagt: "Entschuldige mal, das ist jetzt wirklich sehr raumgreifend!" Und ich habe ein Faible für Untersetzer, weil ich es nicht mag, wenn auf Holztischen Ringe entstehen.

teleschau: Ihre Filmfigur Viktoria in "Mordsschwestern" ist da ganz anders gestrickt. Die regt sich über die Unordnung ihrer Schwester immer wieder auf. Ist dies der größte Unterschied zwischen Lena Dörrie privat und Kommissarin Viktoria?

Lena Dörrie: Nein, das ist wohl das Dageblieben-Sein von Viktoria. Sie wohnt im Elternhaus, hat sich um den Vater gekümmert, ist die Sesshafte, die sich vor Veränderungen scheut. Das bin ich gar nicht. Ich habe total Lust auf verschiedene Sachen, das liegt ja auch in der Natur meines Berufs. Jetzt sind es Filme, irgendwann sicher auch wieder Theaterproduktionen. Viktoria ist viel starrer als ich. Das versuche ich in meinem Privatleben nicht zu sein, sondern ich möchte offen auf die Leute zugehen und auch zulassen, dass ich mich verändere. Allerdings ist mir ihr Perfektionismus und die Mischung aus Kopf und Bauch sehr nah. Auf beides zu bauen, das bringt sie auch mit.

teleschau: Eine Ihrer ersten TV-Rollen war in "Der Alte" zusammen mit Silvia Seidel, außerdem waren Sie im "Tatort" und etlichen anderen Krimis zu sehen. Wie war es jetzt für Sie, eine Polizistin zu spielen?

Lena Dörrie: In die Polizeiarbeit musste ich mich erst mal reinfinden. Leuten zu sagen: "Das ist richtig und das ist falsch", liegt mir fern. Mich interessiert mehr, mich in die Täter hineinzuversetzen und ihre Motive zu begreifen, ohne sie gutzuheißen, was Viktoria ja sehr gut kann. Das hat viel mit Empathie zu tun. Ich schaue privat auch gern mal einen Freitagskrimi. Im Moment habe ich allerdings gar keinen Fernseher mehr.

teleschau: Im Zentrum der neuen Freitagskrimi-Reihe stehen die pedantische Kommissarin Viktoria, nämlich Ihre Figur, und ihre Schwester Feli, die Pathologin ist und mit ihrem chaotischen Lebens- und Arbeitsstil die Polizistin auf die Palme bringt. Ist Caroline so etwas wie eine Schwester für Sie geworden?

Lena Dörrie: Interessante Frage. Ich habe großes Glück gehabt mit der Kollegin. Wir haben oft bis spät in die Nacht zusammengesessen und vorbereitet, weil wir eine gewisse Leichtigkeit zum Drehen mitbringen wollten und am Set nicht noch lange nach dem richtigen spielerischen Umgang suchen wollten. Die Chemie hat gestimmt, auch zum Beispiel mit Tamer Trasoglu, der den Sami spielt. Darum wollen wir die Ausstrahlung der ersten Folge auch zusammen ansehen und richtig feiern, mit so vielen von uns wie möglich.

teleschau: Haben Sie selbst eine Schwester?

Lena Dörrie: Eine Schwester habe ich nicht, aber einen älteren Bruder. Der macht etwas ganz anderes, aber grundsätzlich könnte ich mir gut vorstellen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Im Mikrokosmos Familie deckt jeder seinen Bereich ab, und wenn man alles zusammenführt, hat man ein wahnsinniges Spektrum an Sichtweisen auf die Welt. Mich faszinieren die Zwillinge Martina und Monika Plura, die gemeinsam Filme drehen, und Christian Schwochow, der mit seiner Mutter Drehbücher schreibt.

Die Fränkin mit norddeutschen Genen

teleschau: Sie sind in Nürnberg aufgewachsen und in München zur Schauspielschule gegangen, bevor Sie nach Berlin gezogen sind. Ihre Familie stammt aus Niedersachsen. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Lena Dörrie: Nach der Schauspielschule und mehreren Jahren am Residenztheater in München habe ich Berlin gebraucht (lacht). Ich bin immer noch gerne bei meinen Freunden in Nürnberg, und auch bei meiner Familie. Die kommt ursprünglich jedoch aus dem Raum Hannover, Braunschweig und Lüneburger Heide.

teleschau: Und die Dreharbeiten zu den "Mordsschwestern", wie hat dort die Zusammenarbeit funktioniert?

Lena Dörrie: Sehr gut. Klar, durch Konflikte muss man immer mal, aber ich fand es gut, dass wir so ergebnisorientiert an die Sache herangegangen sind. Wir hatten alle den Willen, für diese Produktion zu kämpfen, weil wir daran geglaubt haben. Unser Regisseur Ole Zapatka hat es wirklich großartig gemacht. Der war ganz ruhig und hat unsere Komik einfach zugelassen und beobachtet, was dabei herumkommt.

teleschau: Wie ergeht es einer Fränkin, die in Flensburg arbeitet?

Lena Dörrie: Es hat mir sehr gefallen. Man merkt sofort, dass die Menschen dort in einer Mischung aus Kulturen aufgewachsen sind, und das liegt mir total. Das Dänische ist sehr präsent. Ich hatte das Glück, vorab von einem echten Local herumgeführt zu werden, nämlich von Mathias Harrebye-Brandt, der dann unseren Polizeichef gespielt hat. Er tüftelt schon an Ideen für weitere Folgen, um viel Authentisches einfließen zu lassen. Gedreht haben wir nur zwei, drei Wochen lang in Flensburg, zum Beispiel die Szenen im Elternhaus und am Hafen und oft vor einheimischen Zuschauern, was mir am Herzen lag, aber aus logistischen Gründen auch in Hamburg.

teleschau: Wenn Sie da drehen, wo andere Urlaub machen, wo zieht es Sie hin, wenn Sie selbst frei haben?

Lena Dörrie: Ich bin in der Corona-Zeit total auf die Ostsee gekommen, war oft auf dem Darß. Dort finde ich es wahnsinnig schön. Ich habe aber nicht das eine Lieblingsziel, sondern erkunde gerne neue Orte. Das muss gar nicht weit weg sein - mit der Klimakrise wird es auch nicht die Zukunft sein, dass man zweimal im Jahr auf die Malediven fliegt. Ich bin sehr gerne in der Natur und mache dabei etwas Sportliches. Ein paar Tage Strand sind auch schön, aber dann kriege ich doch wieder Hummeln im Hintern. Es ist gut, abends noch eine andere Erinnerung an den Tag zu haben als nur die, sich gebrutzelt zu haben (lacht).

teleschau: Können Sie noch unbehelligt durch die Straßen gehen?

Lena Dörrie: Wenn ich erkannt und angesprochen werde, sind es meistens Kinder. Die kennen mich aus "Ladykracher". Erwachsene gucken mich oft groß an und grübeln, ob sie mich vom Yoga oder sonst irgendwie von früher kennen. Das ist witzig, aber auch seltsam. Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt.

teleschau: Wie geht es weiter für Ihre Figur Viktoria?

Lena Dörrie: Ich klopfe mal eben auf Holz (klopft). Natürlich hoffen alle sehr, dass es nach den vier produzierten noch weitere Folgen geben wird. Die Planungen laufen jetzt schon an, denn das Feedback war gut. Spannend fände ich es, wenn Viktoria öfter einmal von ihrer weichen Seite gezeigt würde, wie am Ende der ersten Folge. Also bitte weitergucken: In Folge zwei wird es ganz spannend für meine Figur, da kommt jemand aus der Vergangenheit ...

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