ARD-Doku "Bravo - Headlines, Hypes und Herzschmerz"

Jasmin Wagner über Blümchen-Storys in der "Bravo": "Die würden heute alle gefeuert werden"

23.05.2026 von SWYRL/Jürgen Winzer

Die Bravo wird 70. Zum Jubiläum gibt es Dokus und Erinnerungen - und die ab und zu unbequeme Wahrheit. Für Jasmin Wagner, als "Blümchen" einer der großen Bravo-Stars der 90er-Jahre, war ihre Zeit mit der "größten Jugendzeitschrift der Welt" jedenfalls nicht immer schön.

"Als ich 'Herz an Herz' aufgenommen habe, war ich 14", erzählt Jasmin Wagner, die eine ganze Generation von "Bravo"-Leserinnen und -Lesern nur als "Blümchen" kennt. "Und mit 15 ging das dann durch die Decke." Das heißt: Das Lied eroberte die Top Ten und Blümchen wurde zum Star. "'Bravo' war essenziell für den Erfolg", räumt Jasmin Wagner, heute 46, ein. "Ohne hätte niemand wahrgenommen, dass es mich gibt."

Das ist wahr. Aber die Sache mit der "Bravo" war ein zweischneidiges Schwert. Ja, es gab Promo und Reichweite. Aber die "Win-win-Situation", die der ehemalige Chefredakteur Alex Gernandt sieht, bescherte nicht nur Blümchen auch unbehagliche Situationen: Die gute Zusammenarbeit mit der Redaktion habe Blümchen "nicht davor geschützt, dass Geschichten veröffentlicht worden sind, die mir nicht gepasst haben, die mich verletzten oder die einfach unwahr waren. Es war mehr Effekthascherei durch Headlines."

Das erzählt Blümchen in der Dokumentation "Bravo - Headlines, Hypes und Herzschmerz", die Mariska Lief für die ARD zum 70. Geburtstag der Jugendzeitschrift gedreht hat. Nur der erste Teil der dreiteiligen Doku ist linear im Ersten zu sehen (Montag, 1. Juni, 23.05 Uhr), ansonsten laufen die Teile versprengt und tief in der Nacht in den Dritten. Aber bereits ab diesem Samstag in der ARD-Mediathek.

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Angelo Kelly: "Für die 'Bravo' waren wir eine Kuh, die gemolken wurde"

Für die Jubiläumsdoku berichten einige ehemaligen "Bravo"-Stars über ihre Erfahrungen mit dem Blatt, das in seinen besten Zeiten als größte Jugendzeitschrift der Welt 1,6 Millionen Exemplare pro Woche verkaufte, mittlerweile aber als Schatten seiner selbst bei knapp 50.000 Exemplaren pro Monat im Markt dümpelt.

Da geben Deutschrapper Eko Fresh und Ex-Monrose-Mitglied Senna Gammour Einblicke. Und auch Oli.P, Jeanette Biedermann, Angelo Kelly und Eloy de Jong, ehedem bei der Boyband Caught In The Act. Schade, dass diese Letztgenannten auch für die Konkurrenz-Doku von RTL ("70 Jahre Bravo - Das große Jubiläum") erst vor Kurzem teilweise dieselben Geschichten erzählten. Hätte es da nicht ein paar andere Ex-Stars gegeben? Schließlich machte "Bravo" alle paar Monate neue davon.

Was sich wie ein roter Faden durch die geschilderten Erlebnisse der ehemaligen Teenie-Idole zieht, bringt Angelo Kelly in der Doku auf den Punkt: "Für die 'Bravo' waren wir wie ne Kuh, die gemolken wurde." Blümchen und Angelo hatten etwas gemeinsam: Sie waren besonders junge "Bravo"-Stars. Blümchen: "Mein Alleinstellungsmerkmal: Keine war so jung wie ich."

Das bewirkte, dass Blümchen für "Bravo" zum besonderen Star wurde. Sie war so alt wie die Zielgruppe. Das heißt, sie erlebte die Pubertät genauso wie die Leserinnen - nur direkt vor deren Augen. Das setzte die "Bravo" in einschlägige Storys um, berichtete etwa über deren "Probleme" mit dem ersten Mal.

Blümchen: "Die Redakteure würden heute alle gefeuert werden"

Blümchen: "Es gab wirklich widerliche Formulierungen." Sie erinnert sich: "'Blümchens Knospen blühen', wie furchtbar. Die würden alle gefeuert werden, wenn sie das heute schreiben würden. Das ist heute ne mega Red Flag." Sie liefert aber auch die Erklärung: "Wer hat das geschrieben? Das waren halt ältere Herren, die mit uns jungen Menschen unterwegs waren." Ihre Zusammenfassung: "Denen war halt nix heilig."

Von den knapp 90 Minuten Doku handeln auch rund fünf vom Niedergang, der spätestens in den 2000er-Jahren einsetzte. Die Casting-Shows wie "Popstars" und DSDS halfen "Bravo" zwar, neue Stars (No Angels, Monrose, Alexander Klaws, Daniel Küblböck) zu "machen", aber sie waren der Anfang vom Ende.

Denn: "Bravo" war nicht mehr Bestimmer, sondern "nur" noch Begleiter. Als dann noch das Internet mit Facebook, YouTube und Instagram mobil machte, ging es dahin für "Bravo". Timoteo Gonzalez (33), unter dem Namen Liont einer der YouTube-Stars der frühen Phase: "Jeder konnte sich selbst promoten." Anders ausgedrückt: "Bravo" war nicht mehr nötig.

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