Der Tod kommt nach Venedig - Sa. 06.08. - ARD: 20.15 Uhr

Porträt einer Dame

03.08.2022 von SWYRL/Wilfried Geldner

Als in einem der Kanäle von Venedig die verstümmelte Leiche des Wiener Kunstrestaurators Lukas Albrecht aufgefunden wird, macht sich dessen Frau (Alwara Höfels) daran, die Ursache seines Todes zu erforschen. Sie gerät in ein Labyrinth aus Erpressung, Betrug, Freundschaft und alter Liebe.

Nach langer Eröffnungssequenz zwischen den maroden Mauern von Venedig schwimmt im Canal die verstümmelte Leiche eines Gemälderestaurators. Zugleich ist Botticellis "Porträt einer Dame" aus dem (Fantasie-)Museum Gambrini verschwunden. Lukas Albrecht, der geniale Restaurator, sei ein Fälscher gewesen, behauptet die Direktorin des Museums (Julia Stemberger). Tagsüber habe er den Botticelli repariert, nachts für seine Auftraggeber ein Duplikat hergestellt. Ein kleiner Beltracchi ist sozusagen das bereits zu Beginn verblichene Zentrum dieses deutsch-österreichischen Venedig-Krimi "Der Tod kommt nach Venedig", der unter Johannes Griesers Regie ganz gut etwas mehr Humor vertragen hätte. Bis es zur Lösung des Falles kommt, muss Alwara Höfels als Lukas' Witwe Anna, Mutter eines störrisch-autistischen elfjährigen Sohnes, eine Geisterbahn der Gefühle durchlaufen.

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Der Commissario macht den Ignoranten

So will der selbstgefällige venezianische Commissario, der diesmal nicht Brunetti, sondern Santo heißt und Italienisch spricht (Rudy Ruggiero), erst mal keinerlei Anzeichen für ein Verbrechen sehen. Allzu viele könnten eben heutzutage einfach nicht mehr schwimmen, so behauptet er. Zudem spielten Alkohol und Partys zunehmend eine Rolle. Aber auch "Onkel Rafael", der beste Freund von Annas Mann, negiert das Verbrechen vehement. Wobei Christoph Schärf von Beginn an eine etwas zu dubiose Verdachtsfigur liefert. Ob er etwas auf dem Kerbholz hat? Andererseits kümmert er sich um Annas elfjährigen Sohn Paul (Filip Wyzinski) allzu rührend, während die Mutter ihren eigenmächtigen Ermittlungen nachgehen muss.

Selbst die arg hochnäsig engelegte Museumsdirektorin der Julia Stemberger wirkt - ganz anders als Botticellis klares Tafelbildnis der Dame aus Florenz - ins Zwielichtige getaucht. Schon warten jedenfalls eine Art halbasiatische Triaden darauf, endlich die versprochene Beute zu erhalten. Sie drohen gar damit, Annas Söhnchen Paul umzulegen.

Dank Annas Spürsinn und der umsichtigen Hilfe des Polizisten Carlo (Leonardo Nigro) wird der Kunstkrimi zu einem guten Ende gebracht. Zuletzt jedenfalls darf die Kamera (Enzo Brandner), die zuvor nach Donna-Leon-Vorbild ausgiebig Venedigs entlegenste Winkel erfasste, noch einmal die in Rot und schwarz gehaltene bezopfte Dame Botticellis abgleiten. Es ist die schönste, weil ruhigsten Stelle des Films, den sonst viele gut gemeinte Erklärungen und Konversationen beschweren. Der Begleitscore, von Jens Langbein & Robert Schulte Hemming ("Der Bergdoktor") ist in diesem Krimi neben den behutsam eingesetzten Schwarzweiß-Rückblenden aus glücklicheren Zeiten ohnehin ein starkes Plus.

Sehnsucht nach Donna Leon

Im Großen und Ganzen ergreift einen aber doch immer mal wieder die Sehnsucht nach der guten, alten "Donna Leon"-Reihe. Man erkennt einmal mehr, wie schwer es ist, einen Unterhaltungskrimi mit leichter Hand zu erzählen und dabei doch die Spannung einigermaßen hochzuhalten. Die zwei Gesichter, das der traurig trauernden Alwara Höfels, die zuletzt ihren verstorbenen Mann zum "Künstler" erklärt, und das der Renaissancedame aus Florenz, die bleiben. Zudem haben wir auch noch etwas über die Hühnerzucht guter Kunstfälscher zum Zwecke blasser Eigelb-Gewinnung gelernt.

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