27.04.2026 von SWYRL/Eric Leimann
In der fünfteiligen britischen Agentenserie "Secret Service" mit Gemma Arterton erhält ein MI6-Team während einer Überwachung auf Malta den Hinweis, dass ein hochrangiges britisches Regierungsmitglied für die Russen arbeiten könnte. Wer ist der Verräter?
Agentenstoffe haben sich still und heimlich zu einem der beliebtesten Serien-Genres der letzten Jahre entwickelt. Kein Wunder, bei einer instabilen Weltlage voller Misstrauen. Mit der Welt der Agenten gehen die Formate allerdings sehr unterschiedlich um. Mal actionlastig wie in "The Night Agent" (Netflix) oder auch humoristisch gebrochen wie in "Slow Horses" (Apple), "Mr. & Mrs. Smith" (Amazon) oder "Black Doves" (Netflix). Was dem Boom fast ein bisschen fehlt, sind klassische Agentenstoffen im Stile des Genre-Gurus John le Carré ("Bube, Dame, Ass, Spion"). Der 2020 verstorbene Autor schrieb gerne übers Innenleben von Geheimdiensten und ihrer Menschen. Vielleicht hätte Großmeister le Carré ja das Werk "Secret Service" gefallen. Ein Buch und nun auch eine fünfteilige Serie (ab Dienstag, 28. April, MagentaTV) des britischen Journalisten, Nachrichtensprechers und Autors Tom Bradby, der auch am Drehbuch entscheidend mitarbeitete. Bekannt wurde Bradby als langjähriger Moderator der britischen ITV-Sendung "News at Ten".
Praktischerweise läuft der fünfteilige Thriller mit Ex-Bondgirl Gemma Arterton als MI6-Agentin Kate Henderson im Vereinigten Königreich auch bei ITVX, der Streaming-Plattform von Bradbys Privatsender. In Deutschland hat sich Magenta die Rechte des auf Malta und in London spielenden Versteckspiels gesichert. Dabei zeigt Magenta immerhin die ersten beiden Folgen der Serie frei und ohne Abo-Verpflichtung für alle.
Worum geht es? Agentin Henderson leitet ein Team, das den Chef des russischen Geheimdienstes im Urlaub auf Malta überwacht. Mit Lena (Alma Prelec) ist es dem britischen Geheimdienst sogar gelungen, eine Agentin als Nanny in der Russenfamilie einzuschleusen. Wie man sich denken kann, ist die Mission nicht ohne Risiko. Dann platzt während der Routine-Überwachung eine Info-Bombe: Es gibt verstörende Hinweise auf einen Maulwurf in höchsten britischen Regierungskreisen.
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Dieser Job ist für normale Menchen nicht auszuhalten
Daheim in London überschlagen sich nun die Ereignisse. Kates Ehemann (Rafe Spall) arbeitet ebenfalls im Zentrum des britischen Politikbetriebes - was zur Folge hat, dass die Eheleute und ihre beiden Kinder ihr Familienleben eher zwischen zwei Schlucken Kaffee stattfinden lassen müssen.
Der klare Fokus der Serie liegt jedoch auf dem Politik- und Agentenbetrieb. Es wird viel geredet, nachgedacht und verhandelt. Viele Szenen spielen in Überwachungsräumen, politischen Hinterzimmern oder auf Spaziergängen durchs Londoner Regierungsviertel. Würde die Sonne nicht über Malta strahlen, man bekäme in der eher sachlich gefilmten Serie wenig Zuckerwatte fürs Auge gereicht. Stattdessen geht es um Loyalität, politische Intrigen und persönliche Opfer in einem angespannten geopolitischen Klima zwischen UK und Russland. Tonal erinnert die Serie hingegen eher an klassische britische Polit-Thriller à la "Bodyguard", aber mit stärkerem Fokus auf die Arbeit der Geheimdienste.
"Secret Service" ist spannend, ordentlich besetzt und politisch zeitgeistig, auch wenn Drehbuchautor Bradby dem Genre keine völlig neuen Erkenntnisse abringt. Als Thriller über Menschen, die mit vielen Geheimnissen leben - und auch sterben -müssen, sind diese dreieinhalb bis vier Stunden durchaus gelungen. Dennoch funktioniert die Serie eher als Plot-getriebenes Spannungsstück und weniger als psychologisch ganz fein geschwungenes Pinselwerk über Agentenleben wie in den besten Verfilmungen von John le Carré. Der wusste als jemand, der einst selbst beim Geheimdienst tätig war: Dieser Job ist für normale Menschen eigentlich nicht auszuhalten. Den Verlust der Persönlichkeit und die Paranoia des ewigen Versteckens sowie die Angst vorm Entdecktwerden - all das wird wohl niemals wieder jemand so beklemmend beschreiben, wie John le Carré, dessen Welt auch diese Serie nacheifert.



