Amy Adams vs. Javier Bardem bei Apple TV

Spielberg und Scorsese mit "Kap der Angst"-Serien-Update: Der amerikanische Albtraum

03.06.2026 von SWYRL/Eric Leimann

Starbesetzt mit Amy Adams und Javier Bardem liefern Steven Spielberg und Martin Scorsese ein Serien-Update von Scorseses Filmklassiker "Kap der Angst" (1991). Die gleichnamige Horror-Drama-Serie startet bei Apple TV und ist bereits die dritte Verfilmung einer beunruhigenden Romanvorlage von 1957.

Der Horror eines unheimlichen Außenseiters, der eine heile - und privilegierte - Familie bedroht, ist in den USA ein Schreckensszenario, ja fast eine Urangst. Präzise formuliert wurde ein solches Szenario 1957 im Roman "The Executioners" von John D. MacDonald. Er ist auf Deutsch unter dem Titel "Kap der Angst" oder auch "Ein Köder für die Bestie" erschienen. Nach den zwei Kino-Verfilmungen von 1962 und 1991 folgt nun das Serien-Update "Kap der Angst", in dem Amy Adams und Patrick Wilson das bürgerliche Paar und Javier Bardem die dunkle Bedrohung geben. Die von Steven Spielberg und Martin Scorsese produzierte Apple-Serie startet am Freitag, 5. Juni, mit einer Doppelfolge. Acht weitere fast einstündige Episoden münden am 31. Juli im vermutlich nassen Finale am titelgebenden "Kap der Angst".

Eigentlich ist diese Geschichte ziemlich einfach, man könnte auch sagen: archaisch. Wobei der Roman von John MacDonald, einem der einflussreichsten amerikanischen Krimi- und Thriller-Autoren der Nachkriegszeit, in den Verfilmungen stets ein wenig variiert wird. In der fast zehnstündigen Serie entfaltet sich das Unbehagen wie folgt: Das erfolgreiche Anwaltspaar Anna (Amy Adams) und Tom Bowden (Patrick Wilson) lebt mit den halbwüchsigen Kindern Natalie (Lily Collias) und Zack (gespielt von Kate Winslets Sohn Joe Alfie Winslet Mendes) in Savannah, Georgia. Einst verteidigte Anna den mutmaßlichen Mörder Max Cady (Bardem). Tom war der Staatsanwalt des Prozesses. Cady wurde vorgeworfen, seine Frau samt ungeborenem Sohn getötet zu haben. 17 Jahre saß er im Knast, nun ist er nach dem obskuren Geständnis einer anderen Person wieder frei - und drängt sich ins Leben seiner ehemaligen Prozess-Juristen. Bald passieren in deren Leben unheimliche und unerklärliche Dinge.

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Eine Serie für Nerds des auf zehn aufgedrehten Grusel-Heavy Metal-Amps

Im ersten Film spielte Robert Mitchum die Max-Cady-Figur, während der "Gute" von Gregory Peck verkörpert wurde. Der soll sich nach dem Kinostart von "Ein Köder für die Bestie" (1962, Regie: J. Lee Thompson) darüber echauffiert haben, dass Mitchum all den Ruhm des Films erntete. In der Tat ist der bedrohliche Fremde der eigentliche Star des Stoffes und die Bürgerlichen sind die nicht immer eindeutigen Helden. Weil - und das ist eine Stärke des Stoffes - das Böse von außen durchaus hässliche Seiten der Saubermann-Familie hervorkehrt. Eine spannende Idee, die wohl auch Robert De Niro 1991 bewogen haben mag, Cady in der Verfilmung Martin Scorseses zu verkörpern. Nick Nolte gab damals den Anwalt Sam Bowden, Jessica Lange dessen Ehefrau. Neben De Niro am meisten im Gedächtnis blieb von dem Alfred Hitchcock huldigenden Kultstreifen jedoch die starke Lolita-Performance der jungen Schauspielerin Juliette Lewis, die für ihren Auftritt eine Oscar-Nominierung erhielt.

Martin Scorsese und Steven Spielberg fungieren nun in der Serie als Produzenten, auch wenn Horror-Spezialist Nick Antosca ("Chucky") der eigentliche Showrunner ist. Den Horror-Aspekt der Bedrohung hat Antosca ordentlich nach oben gefahren. "Kap der Angst" zieht so ziemlich alle Register der Grusel-Orgel und erzählt nicht wirklich subtil. Wer sich aber auf die starken Bilder einlässt, erhält eine B-Movie-Variante des unerklärlichen Gruselkinos eines David Lynchs oder Yorgos Lanthimos. Dazu wird viel aus den alten Filmen zitiert: so zum Beispiel die Röntgen-Optik mancher Szenen und vor allem der bärenstarke Soundtrack des genialen Hitchcock-Komponisten Bernhard Herrmann, den Scorsese schon im Film von 1991 "remixte". "Kap der Angst" eine Serie für Genre-Fans und Nerds des auf zehn aufgedrehten Grusel-Heavy Metal-Amps.

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