Bares für Rares
"Scherben bringen Glück, aber diese Scherben wären jetzt doof." Wie recht Horst Lichter damit hatte! In dieser Ausgabe seines Trödelklassikers wechselten echte Raritäten den Besitzer. Darunter auch ein zunächst unscheinbarer Tonkrug.
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Das Stück stammte aus Bad Malente, Heimat der Fußballsportschule. Im Uwe-Seeler-Fußball-Park, der zentralen Ausbildungsstätte des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, hatte die Oma von Verkäuferin Simone einst für ein Team im Trainingslager gekocht.
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Doch für wen genau? "Für Franz Beckenbauer & Co", schob Manuel (rechts) lässig nach. Lichter reagierte sprachlos: "Ach, hör auf!"
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Dort war schließlich auch der Krug entstanden, versehen mit eingebrannten Unterschriften der Spieler. Der Moderator staunte: "Dort sind die Spieler drauf von der WM?" - "Nicht von der WM, aber von einem Qualifikationsspiel", klärte Annika Raßbach (links) auf. Lichter gab offen zu: "Das Dingen hätte ich im Leben nicht für Fußballfans einsortiert."
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In den 1950er- und 1960er-Jahren seien solche Tonkrüge laut Expertin absolut beliebt gewesen. Sogar Adi Dassler, der Adidas-Gründer, habe entsprechende Stücke fertigen lassen. "Warum auch immer war das damals der heißeste Kram, den es geben konnte." Zudem seien die Auflagen meist überschaubar gewesen - oft zwischen 30 und 100 Exemplaren.
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Ein kleiner Dämpfer folgte dennoch: Zwar trugen die Signaturen Originalcharakter, doch die Spieler selbst hatten den Krug nie in der Hand. Ein Töpfer hatte die Autogramme übertragen und nachgezogen, was an einigen Stellen klar erkennbar war.
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Konkret handelte es sich um die Mannschaft des Länderspiels Deutschland gegen Schottland vom 22. Oktober 1969, das mit 3:2 endete. Ein wichtiges Duell in der WM-Qualifikation, das als "sehr, sehr spannend" galt. Trainer damals: Helmut Schön.
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Auf dem Gefäß fanden sich unter anderem die Unterschriften von Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Uwe Seeler und Udo Lattek.
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Da solche Stücke nicht gerade an jeder Ecke auftauchten, taxierte Annika Raßbach den Wert auf 100 bis 150 Euro. Das Verkäuferpaar hatte bescheidenere Vorstellungen von 70 bis 100 Euro.
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"Das hab ich so noch nicht gesehen", zeigte sich Wolfgang Pauritsch (Bild) angetan und eröffnete mit 50 Euro. Auch Walter "Waldi" Lehnertz stieg direkt ein.
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Als schließlich auch der Niederländer Jos van Katijk (rechts) mitmischte, konnte sich Waldi einen Spruch nicht verkneifen: "Was willst du mit einem Krug aus Deutschland? Da steht kein Holländer drauf!" Doch der ließ sich nicht beirren und hielt tapfer dagegen. Mit Erfolg?
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Am Ende schnappte sich Waldi das gute Stück trotz oder vielleicht gerade wegen der (wie er es formuliert) "Sauklauen" darauf für 150 Euro und jubelte: "Ich find den bärenstark!"
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Das nächste Objekt hatte es im wahrsten Sinne in sich. "Da steckt 'ne Menge Arbeit drin", erklärte Experte Patrick Lessmann. "Nicht nur in der Fertigung, sondern auch in der Beurteilung." Verkauft werden sollte ein Tablett voller Münzen im Auftrag einer 99-jährigen Dame.
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Gefertigt wurde es 1905/06 vom Traditionshaus Koch & Bergfeld. Die Bremer Manufaktur ist übrigens auch für prestigeträchtige Trophäen bekannt, darunter der Champions-League-Pokal, der DFB-Pokal und die Meisterschale.
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Besonders daran: Die Münzen - insgesamt 42 plus eine Medaille - ließen sich zerstörungsfrei entnehmen. Sie zeigten allesamt bekannte Herrscher und stammten aus den Jahren 1786 bis 1902.
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Lessmann setzte den Wert bei 4.200 bis 4.500 Euro an. Am Ende wechselte das Tablett für 3.100 Euro den Besitzer und ging an Wolfgang Pauritsch.
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Die nächsten Stücke waren echte Hingucker, zumindest für modeaffine Augen: Sechs Handtaschen im Midcentury-Stil, datiert zwischen 1940 und 1960, präsentierten ein Stück Designgeschichte.
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Die Erbstücke von Freunden aus den USA wurden insgesamt auf 470 Euro geschätzt. In der Händlerrunde zeigte sich besonders Susanne Steiger begeistert und griff schließlich für 700 Euro zu.
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Zwei kunstvoll gearbeitete Holztiere aus dem Nachlass eines italienbegeisterten Großonkels sorgten ebenfalls für Interesse. Die Werke von Gualverio Michelangeli galten als begehrte Sammlerstücke. Die Expertise lag bei 700 bis 800 Euro. Wolfgang Pauritsch sicherte sich die beiden Figuren schließlich für 600 Euro.
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Das letzte Objekt hatte es noch einmal in sich: Ein Armband mit filigranen Mikromosaik-Bildern aus der Zeit um 1830 zog die Aufmerksamkeit von Patrick Lessmann und Bianca Berding auf sich.
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Trotz seines ramponierten Zustands schätzte Lessmann den Wert auf 1.500 bis 1.600 Euro.
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Im Händlerraum ging es dann richtig zur Sache: Die Gebote schossen über die Expertise hinaus. Am Ende zahlte Susanne Steiger beeindruckende 3.000 Euro für das historische Schmuckstück.
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