21.04.2026 von SWYRL/Wilhelm Flemmer
Mit "Wer ist hier der Boss" wurde Tony Danza auch in Deutschland ein Star. Wie aber verlief seine Karriere nach dem Ende der Erfolgssitcom?
Hinter der erfolgreichsten Rolle seiner Karriere stand ein Fragezeichen. Den Charakter spielte Tony Danza in einer Erfolgssitcom der 1980er-Jahre, er hieß Tony Micelli, war Vater einer Tochter und ehemaliger Baseballspieler, der sich nun als Haushälter der beruflich erfolgreichen Angela Bower verdingt. Die alleinerziehende Mutter eines Jungen begegnet dem liebenswürdigen Tony von Anfang an auf Augenhöhe, bevor sie ihn auch in ihr Herz schließt. Die Frage aber blieb bis zuletzt ungeklärt. Wer in dem Bower/Micelli-Haushalt hatte das Sagen? Und die Hosen an? Wer in "Wer ist hier der Boss?" war eigentlich der Boss?
Danzas biografische Herkunft in der Kultserie war nicht zu übersehen. Der durchtrainierte Körper von Haushälter Tony, vor allem die ausgeprägte Nase eines Boxers ließen die sportliche Vergangenheit des Hauptdarstellers erkennen. Danza mag als High-School-Schüler eine Niete gewesen sein, wie er in der Reality-Serie "Tony Danza - Eine Klasse für sich" sagte, sportlich aber überragte er den Durchschnitt. Besonders der Kampfsport sagte dem in Brooklyn geborenen Jungathleten zu. Danza war erst ambitionierter Ringer, was ihm sogar ein Stipendium und damit ein Studium der Geschichtswissenschaften einbrachte, dann ein noch erfolgreicherer Boxer.
Als Boxer hatte es Danza recht weit gebracht, elf Profikämpfe absolvierte er von 1976 bis 1979, von denen er acht gewann. Dann aber kam dem Sport die Schauspielerei dazwischen. Nachdem er von einem Produzenten in einer Boxhalle in New York entdeckt worden war, folgte bald die erste Fernsehrolle. In der Kult-Sitcom "Taxi" (1978 - 1983) spielte Danza neben Danny DeVito, Christopher Lloyd und Standup-Genie Andy Kaufman einen einfach gestrickten, aber gutherzigen Taxifahrer, der nebenher - was sonst? - Teilzeit-Boxer war. Die Rolle brachte ihm seine erste Golden-Globe-Nominierung ein, drei weitere, für "Wer ist hier der Boss?", sollten folgen.
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Tony Danza auf vielen Nebenpfaden
Der Erfolg der einen Sitcom, "Taxi", führte nahtlos über in den der anderen, "Wer ist hier der Boss?" - und auch für Danza hätte es in den 1980-ern nicht besser laufen können. Zumal er seine Karriere um das Kinofach ausbauen konnte. 1980 spielte er mit Michelle Pfeiffer in der Komödie "Hollywood Knights", ein Jahr später übernahm er die Hauptrolle in "Affen, Gangster und Millionen", und 1984 war er an der Seite von Burt Reynolds in "Auf dem Highway ist wieder die Hölle los" zu sehen. Hölle im Kino, Paradies im Leben. Danza, der Sohn italienischer Einwanderer, war zu der Zeit der nächste gemachte Mann in Hollywood.
Den Erfolg konnte er allerdings nicht aufrechterhalten, und auch der Sprung in die A-Riege der Traumfabrik blieb ihm versagt. Nach dem Ende von "Wer ist hier der Boss?" blieben die attraktiven Rollen aus. Auch die Versuche, weitere Sitcoms mit Danza in der Hauptrolle zu etablieren, scheiterten. Sowohl "Ein Vater zum Küssen" als auch "Wer ist hier der Cop?" - man beachte den bemühten deutschen Titel - wurden schon nach einer Staffel eingestellt. Danza musste sich mit Neben- und Gastrollen begnügen, in Fernsehfilmen ("Die 12 Geschworenen"), in Serien ("Practice: Die Anwälte"), in Kino-Produktionen ("In den Straßen von Brooklyn")
War der nachlassende schauspielerische Erfolg der Grund, dass er beruflich mehrfach umsattelte? Klar ist: Danza wurde Moderator einer eigenen Talk-Show, "The Tony Danza Show" (2004 -2006). Er war bald Miteigentümer eines traditionsreichen Käsegeschäfts. Er veröffentlichte eine Swing-Platte, "The House I Live In" (2002). Er drehte mit "Tony Danza - Eine Klasse für sich" (2010) eine Reality-Serie, die ihn dabei begleitete, wie er einer zehnten Schulklasse Englisch-Unterricht gab. Und er schrieb über seine pädagogischen Erfahrungen ein Buch, das schon im Titel, "I'd Like to Apologize to Every Teacher I Ever Had", tief in sein eigenes Schüler-Dasein blicken ließ.
Seine Traumrolle
Trotzdem: Die Schauspielerei hat Danza nie aufgegeben, hin und wieder gelang ihm sogar ein Achtungserfolg. Etwa mit einer Rolle im oscar-gekrönten Ensemble-Drama "L.A. Crash" (2004). Oder als Vater des libertinären Titelhelden in "Don Jon" (2013), dem Regiedebüt von Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt. Und selbst die Gastrollen und mehr noch: die Flops hatten mitunter Aufsehen erregenden Charakter, wie sein Cameo-Auftritt in der "Sex and the City"-Fortsetzung "And Just Like That..." oder die Polizeiserie "The Good Cop", die 2018 von Netflix unter viel Aufhebens lanciert, doch schon nach nur einer Staffel kleinlaut abgesetzt wurde.
Sein Herzensprojekt konnte Tony Danza bislang nicht fertigstellen. Es würde ihn zurück zu seiner Zeit als Profiboxer führen. Einen Boxer spielen, das wäre wohl selbst für den noch immer fit aussehenden Schauspieler eine kaum zu meisternde Herausforderung sein, immerhin feiert Danza am 21. April seinen 75. Geburtstag. Aber er würde nur zu gerne in die Rolle eines Box-Trainers schlüpfen, verriet er 2018 im Interview mit "HuffPost". Ein passendes Drehbuch habe er bereits selbst geschrieben. "The Hard Way", so dessen Titel, erzähle unter anderem eine "traurige Geschichte" über die Schattenseiten des Box-Sports. Eine "traurige Geschichte" - es wäre ein schöner, vorläufiger, Endpunkt einer Karriere, die mit lustigen Geschichten begann.



