19.02.2026 von SWYRL/Martina Borgschulze
Ski-Bergsteigen feiert olympische Premiere, und Esther Sedlaczek feiert mit. Die Sportart mag den meisten Zuschauern fremd sein. Das deutsche Ergebnis kommt einem allerdings bekannt vor.
Auf Skiern durch die Berge zu stapfen - diese Art der Fortbewegung hat eine lange Tradition. Es gibt schon Höhlenzeichnungen von Menschen auf Holzbrettern. Man muss also der ARD-Expertin Gela Allmann absolut recht geben, wenn sie über die olympische Premiere des Skibergsteigens sagt: "Es ist sooo an der Zeit!"
Nun hat sich das IOC aber gar nicht so lange Zeit gelassen, um Ski Mountaineering, kurz Skimo, ins olympische Programm aufzunehmen. So richtig organisiert ist der Sport nämlich erst seit den 1990ern, die International Ski Mountaineering Federation (ISMF) gründete sich, nachzulesen bei Wikipedia, gar erst 2008. Der Weg zu den Olympischen Winterspielen war also eigentlich ziemlich kurz.
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Beim olympischen Skimo geht es rasant zu
So kurz wie die Sprints, die in Bormio ausgetragen werden. Um die 3 Minuten dauert ein Rennen. Mehr will man den Zuschauern an der Stelvio wohl nicht zumuten. Nur allzu verständlich, das viel kritisierte Eventpublikum dort ist ja Abfahrtszeiten von unter 2 Minuten gewöhnt.
Weil die wenigstens Wintersportfans wissen dürften, wie so ein Rennen funktioniert, erklärt ein Einspieler die Regeln. Und auch Kommentatorin Linda Striebig und Expertin Gela Allman wiederholen sie vorsichtshalber bei jedem Durchgang. Für alle, die es trotzdem noch nicht mitbekommen haben, liefern wir hier die Zusammenfassung.
Erst geht es auf Skiern, die in rutschfeste "Felle" eingepackt sind, einen Berg hoch, auf halber Strecke werden die Sportgeräte in einer Wechselzone abgenommen und auf den Rücken geschnallt, dann geht es zu Fuß über 42 Stufen und in die nächste Wechselzone, wo die Skier wieder angelegt werden, und zum Schluss gibt es eine kurze Abfahrt hinunter ins Ziel. Das ist so rasant, "man kommt beim Zuschauen ins Schwitzen", findet Esther Sedlaczek.
Wie Triathlon, nur im Schnee
Unterwegs lauern einige Stolperfallen. Etwa glitschige Holztreppen (wer immer die dorthin gebaut hat, ist noch nie im Winter spazieren gegangen, im Weltcup gibt es nämlich rutschfeste Schneestufen). Und Zeitstrafen, wenn zum Beispiel die Felle bei der Abfahrt aus der Jackentaschen ragen. Das ist also ein bisschen vergleichbar mit dem Triathlon, bei dem olympische Rennen schon dadurch entschieden wurden, dass ein Fahrradhelm neben dem Korb gelandet ist.
Um kurz vor 11 Uhr schaltet die ARD endlich ins Wettkampfgeschehen und behauptet, live bei den Vorläufen dabei zu sein. Dabei begannen die bereits um 9.50 Uhr, wer den Livestream gesehen hat, weiß also längst, dass die deutsche Vizeweltmeisterin Tatjana Paller als Zweite ihres Durchgangs das Halbfinale erreicht hat.
Paller ist früher mal Bahnrad gefahren, verpasste dann aber die Qualifikation für die Sommerspiele in Rio. Zehn Jahre später hat sie nun im Skimo Medaillenchancen. "Rückschläge machen dich stärker", sagt Gela Allmann weise.
ARD-Expertin jubelt: "Mensch, Tatjana!"
Sie weiß, wovon sie spricht: 2014 stürzte die Skitourenläuferin bei Filmaufnahmen 800 Meter in die Tiefe, verbrachte 200 Tage in der Klinik - und erklimmt nun wieder Gipfel. Außerdem gibt sie Motivationskurse. "Für mich war irgendwie klar, das darf nicht umsonst gewesen sein", sagt Allmann. "Wir müssen alle durch Tiefs gehen." In diesem Licht betrachtet, wirken da doch ein paar tragische Momente dieser Spiele gleich viel weniger tragisch.
Das Halbfinale steigt im Schneetreiben, und Kommentatorin Linda Striebing macht sich Sorgen um Tatjana Paller. Der gehe es vor Rennen meist gar nicht gut. Eine Aufregung, die, so vermutet Striebing, die Psychologie-Expertin, "auch mental ist". Die Skimo-Expertin weiß es besser: "Tatjana ist super dabei!", jubelt Allmann. "Unsere Tatjana ist auf der Zwei! Mensch, Tatjana!"
Auch Esther Sedlaczek ist hin und weg. "Das mach so viel Spaß beim Zuschauen!" Und Linda Striebing findet, Skimo sei eine Sportart, die es "so verdient hat ins olympische Programm zu kommen."
Esther Sedlaczek hat Spaß
Nun, spannender als 50 Kilometer Langlauf sind die Rennen objektiv betrachtet schon. Aber "verdient" hätten es andere Sportarten wohl auch. Grüße gehen an dieser Stelle raus an die Nordischen Kombiniererinnen. Aber natürlich ist genau das das Besondere bei Olympischen Spielen: dass man Sportarten kennenlernt, von denen man nie zuvor gehört hat. Dass Fußballstars beim Curling-Gucken eskalieren. Dass Menschen Medaillen holen, die in ihrem Leben noch nie auf dem Podest gestanden haben.
Tatjana Paller wird am Ende in guter deutscher Tradition Vierte. Aber mit dem Einzug ins Finale "hat sie ja schon gewonnen", meint Gela Allermann. Für die deutsche Medaillenbilanz nützt das natürlich nichts. Aber vielleicht hat Paller ein paar Fans für ihre Sportart dazugewonnen. Falls Sie dazu gehören: Anfang März überträgt Eurosport den Weltcup.



