ZDF-Talk

"Das macht mir Angst": Corona-Animation verunsichert Markus Lanz

14.01.2022 von SWYRL/Christopher Schmitt

Modellierer Dirk Brockmann hatte Gastgeber Markus Lanz nicht nur eine Animation zur weltweiten Corona-Ausbreitung mitgebracht, sondern auch Informationen zur Impfung: Der Physiker erklärte, warum die aktuellen Vakzine "praktisch keinen Infektionsschutz" bieten, aber dennoch "extrem wichtig" seien.

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen sind bei "Markus Lanz" ein Dauerthema, doch ab und an lässt sich auch der erfahrene Talkmaster noch beeindrucken. So geschehen bei seiner Donnerstags-Sendung, bei der laut Lanz "einer der besten Modellierer des Landes", Dirk Brockmann, zu Gast war. Der Physiker hatte eine Animation mitgebracht, welche die Ausbreitung des Coronavirus im Zeitraffer auf einer Weltkarte darstellte. Anhand der überdeutlichen Vergrößerung der Kreise wurde gegen Ende klar, wie schnell sich die Omikron-Variante verbreitet. "Und jetzt: kawumm!", kommentierte Lanz. "Das macht mir Angst".

Brockmann erklärte anhand der Grafik würde deutlich, dass es sich bei Corona um ein globales Phänomen handele, das nicht regional verstanden werden kann. "Die Infektionsdynamik bei Omikron ist sehr ungebremst", hatte der Modellierer bereits zuvor erklärt - dies wurde nun bildlich unterstrichen. Bei der sich weltweit ausbreitenden Variante lasse der Infektionsschutz durch Impfung sehr schnell nach - auch nach dem Boostern. Die Impfung würde "praktisch keinen Infektionsschutz bieten" zitierte Lanz seinen Gast. "Genau", bestätigte Dirk Brockmann.

Allerdings unterstrich der Physiker mit Nachdruck, dass die Impfung "extrem wichtig" sei, um sich gegen schwere Erkrankung zu schützen. Es gelte zwischen Schutz vor Infektion und Schutz vor schwerem Krankheitsverlauf zu unterscheiden.

"Alle Expertinnen und Experten betonen, wie rapide sich diese Variante ausbreitet", sagte der Physiker über Omikron. Auch Virologinnen und Virologen seien angesichts der Geschwindigkeit überrascht gewesen. Nach eigener Aussage hält Brockmann Zahlen von 600.000 Neuinfizierten am Tag für möglich, was im Verhältnis ungefähr den aktuell explodierenden Zahlen in Frankreich entsprechen würde.

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"Mit allem was wir haben" die Omikron-Welle flachhalten

Früher sei der Inzidenzwert von 50 wichtig gewesen, aber im Falle von Omikron sei "1000 das neue Normal". Bei einer halben Million Neuinfizierter täglich sowie einer zehntägigen Quarantäne wären "fünf Millionen Menschen laufend nicht im System", rechnete Brockmann. Damit sei die sogenannte kritische Infrastruktur - etwa Krankenhäuser oder Polizeiarbeit - bedroht. Eine Anpassung der Quarantänezeit sei denkbar, Daten wiesen darauf hin, dass Omikron-Infizierte nicht so lange ansteckend seien.

Aber liegt in Omikron angesichts der zu erwartenden Durchseuchung nicht auch eine Chance? "Wäre das der Ausweg?", wollte Markus Lanz wissen. "Wir müssen das halt dynamisch betrachten", entgegnete Brockmann. "Es ist clever, diese Omikron-Welle möglichst stark in Schach zu halten." Der Anteil der über 60-Jährigen ohne Kontakt zu Virus und ohne Impfung sei noch groß. "Insofern ist es wichtig, dass wir mit allem, was wir haben versuchen, das Ding flach zu halten" - bis zur Omikron-Impfung an der gerade gearbeitet würde.

Man gehe davon aus, dass Omikron irgendwann jeden Menschen auf dem Planeten in irgendeiner Form kontaktiert habe. Aber: "Ein wesentlicher Punkt dieser Pandemie ist, dass immer wieder Überraschungen kamen." Der weitere Verlauf der Pandemie ließe sich nicht einfach vorhersagen.

"Massenpanik": SPD-Mann warnt vor Zusammenbruch der kritischen Infrastruktur

Was tut die Politik, insbesondere die Ampel-Regierung, gegen diese Entwicklung? Zu dieser Frage stand Ralf Stegner (SPD) Rede und Antwort. Der Sozialdemokrat räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, eine Impfpflicht zunächst auszuschließen. Heute sei er ein "entschiedener Befürworter. Auch wenn sie nicht kurzfristig helfen würde, würde sie "hoffentlich dazu beitragen, dass wir nicht im Herbst wieder in der gleichen Situation sind."

Neben Brockmann warnte auch Stegner vor einem Zusammenbruch in der Versorgung aufgrund zu vielen gleichzeitigen Ansteckungen mit der Omikron-Variante. Dies würde die Bereiche Sicherheit, Gesundheit, Finanzen, Energie und Verkehr treffen. "Wir hätten nicht nur innerhalb kürzester Zeit Chaos, sondern es würde Massenpanik entstehen", formulierte der SPD-Mann seine Bedenken.

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