24.03.2026 von SWYRL/Niels Tenhagen
Mit ihm wurde Jazz wieder chart- und salon-fähig: Auch zehn Jahre nach seinem Tod bleibt Roger Cicero als prägende Stimme zwischen Jazz und Pop in Erinnerung.
Auf seinem Album "Was immer auch kommt" (2014) gibt es den Titel "Wenn es morgen schon zu Ende wär" - eine Beschäftigung mit dem Tod. "Ja, klar", sagte Roger Cicero 2014 im teleschau-Interview auf den Song angesprochen, die Angst vor dem Tod sei ihm nicht fremd. Der Sänger dachte damals dabei vor allem an seinen Sohn. Ihn vorzeitig ohne Vater zurückzulassen, das bereite ihm Sorgen, gestand er: "Was mit mir genau passiert, ist zweitrangig. Ich habe viel erlebt, bin sehr glücklich und dankbar um jede Erfahrung, die ich machen durfte und habe auch nicht den Eindruck, etwas verpasst zu haben." Vor genau zehn Jahren, am 24. Märt 2016, passierte das Unerwartete: Der Jazz- und Popmusiker starb völlig überraschend in Berlin an den Folgen eines Hirnschlags. Roger Cicero wurde nur 45 Jahre alt. Aber nicht nur wegen seines zu frühen Todes bleibt der sympathische, stets perfekt gekleidete Musiker, als Unikat in Erinnerung: Der Mann mit dem Hut brachte den Jazz in die deutschen Charts.
Bereits im November zuvor hatte sich Cicero wegen eines Erschöpfungssyndroms krankgemeldet. Auch der Herzmuskel sei damals betroffen gewesen: "Es war, als hätte jemand den Stecker bei mir gezogen", gab Cicero Ende Januar nach eigenen Aussagen erholt gegenüber "Bild" zu Protokoll. Stress und ein verschleppter Virus seien damals wohl die Auslöser für die Krankheit gewesen. Laut seiner Plattenfirma habe der Sänger "in den vergangenen Wochen zahlreiche Promotion- und TV Auftritte" für sein Sinatra-Coveralbum absolviert. "Einen Tag nach seinem letzten Live-Auftritt im Bayerischen Fernsehen traten plötzlich akute neurologische Symptome infolge eines Hirninfarkts auf." Im Krankenhaus habe sich sein Zustand "rapide" verschlechtert. Cicero sei am Abend des 24. März "im Kreise seiner Lieben" verstorben, "ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben".
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Roger Cicero: Geprägt von seinem Vater
Zuvor hatte Roger Cicero, Sohn des Jazzpianisten Eugen Cicero, über mehr als ein Jahrzehnt die deutsche Poplandschaft geprägt. Im teleschau-Interview erinnerte er sich an die enge Verbindung zu seinem Vater: "Wir hatten unsere intimsten und engsten Momente, wenn wir miteinander musizierten." Erste musikalische Erfahrungen sammelte er bereits als Kind: "Als Zehnjähriger bekam ich Gitarrenunterricht und entdeckte einen Song nach dem anderen. Der erste, den ich mit meinem Vater zusammen spielte, war 'Alone Again (Naturally)' von Gilbert O'Sullivan. Danach begann meine große Liebe zu Al Jarreau und Stevie Wonder. Ich habe mich viele Jahre an Stevie-Wonder-Titeln heiser geschrien!"
Schon früh stand er auf der Bühne und vor der Kamera: Als Elfjähriger trat er im Vorprogramm von Helen Vita auf, mit 16 folgte ein Fernsehauftritt mit dem RIAS Tanzorchester unter der Leitung von Horst Jankowski. An einem Konservatorium wurde er in Klavier, Gitarre und Gesang ausgebildet, später studierte er Jazzgesang in Hilversum. In den frühen 1990er-Jahren spielte er unter anderem mit Formationen seines Vaters sowie im Bundesjugendjazzorchester unter der Leitung Peter Herbolzheimers. Später folgten Engagements bei Jazzkantine und Soulounge sowie eigene Projekte, darunter ein Quartett und eine Bigband unter Lutz Krajenski.
Den Durchbruch als Popstar feiert er 2006: Sein Debütalbum "Männersachen" hielt sich 83 Wochen in den Albumcharts. 2007 vertrat er Deutschland beim Eurovision Song Contest 2007 und erreichte den 19. Platz. Der Wettbewerb hatte keine negativen Auswirkungen auf seine weitere Laufbahn: Vier weitere Alben platzierten sich in den folgenden Jahren jeweils in den Top fünf. 2015 veröffentlichte Cicero gleich zwei Langspieler: die Jazzproduktion "The Roger Cicero Jazz Experience" sowie die Live-Zusammenstellung "Cicero Sings Sinatra".
Roger Cicero engagierte sich auch gesellschaftlich
Neben seiner musikalischen Karriere engagierte sich Cicero gesellschaftlich. Er unterstützte die Organisation PETA und sprach sich gegen das Tragen von Pelzen aus. Als Pate von Save the Children setzte er sich insbesondere für Kinder in Rumänien ein, dem Geburtsland seines Vaters. Auch Roger Cicero selbst hatte Familie: Er hinterließ einen Sohn, von dessen Mutter er sich 2013 nach einer langen Beziehung getrennt hatte.



