25.03.2026 von SWYRL/Jasmin Herzog
Drei Fortsetzungs-Filme der "Ku'damm"-Saga setzten 2018 den Freiheitswillen, aber auch Muffigkeit und Unterdrückung einer Epoche zwischen Rock'n'Roll und weiblicher Rechtlosigkeit opulent in Szene. 3sat wiederholt "Ku'damm 59", nachdem Staffel vier Anfang des Jahres Premiere feierte.
Zehn Jahre ist es her, dass mit der "Ku'damm"-Saga im ZDF eine Erfolgsgeschichte begann. Das historische Drama rund um die Familie Schöllack und ihre Tanzschule auf dem Berliner Boulevard lockte ein Millionenpublikum und erhielt mehrere Fortsetzungen. Zuletzt wagte die Reihe Anfang des Jahres einen gewaltigen Sprung: "Ku'damm 77" spielt 14 Jahre nach den Ereignissen der Vorgängerfilme in den wilden 70-ern, in denen eine neue Generation gegen die nunmehr reiferen Schwestern rebelliert. Wie diese sich einst, in den 50er-Jahren, ebenso aus dem Mief der Älteren befreien mussten, zeigte 2018 die zweite Staffel "Ku'damm 59", die nun bei 3sat wiederholt wird.
Die Westberliner Tanzschulen-Betreiberin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) und ihre drei Töchter Monika (Sonja Gerhardt), Helga (Maria Ehrich) und Eva (Emilia Schüle) haben sich nach den Ereignissen des Ur-Dreiteilers "Ku'damm 56" (2016) in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Mit "Ku'damm 59" schuf Drehbuchautorin Annette Hess ein Familienepos, das ein wenig exemplarisch und doch fesselnd Frauengeschichten aus einer rigiden, gar nicht so lang zurückliegenden Zeit erzählt. Während die rebellische Monika mit einer Karriere in der Unterhaltungsindustrie flirtet, müssen Helga und Eva mit ihren freudlosen Ehen leben.
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Verdichtete Konflikte
Dass Helga und ihr schwuler Mann Wolfgang (August Wittgenstein) Monikas uneheliches Kind bei sich aufgenommen haben, schürt Konflikte zwischen den Schwestern. Derweil leidet Eva unter der tristen Verbindung mit dem deutlich älteren Nervenarzt Dr. Fassbender (Heino Ferch). Nachdem es Mutter Caterina gelungen ist, durch ein Familienarrangement die Schande um die uneheliche Geburt ihrer Enkeltochter zu umschiffen, fördert sie die Gesangs- und Filmkarriere Monikas und ihres Hallodri-Partners Freddy (Trystan Pütter) als Managerin.
Dabei bandelt Mutter Caterina mit dem österreichischen Regisseur Kurt Moser (Ulrich Noethen) an, der "künstlerisch" noch ein wenig an der Nazi-Zeit hängt, als es für ihn bedeutend besser lief. Auch Joachim Frank (Sabin Tambrea) muss sich neu orientierten. Der schriftstellerisch ambitionierte Industriellen-Erbe muss entscheiden, ob er bereit ist, die Waffenfabrik seines Vaters zu übernehmen. Dazu geht die unerfüllte Liebe zwischen ihm und Monika in eine neue Runde.
Autorin und Schöpferin Annette Hess, Jahrgang 1967, verarbeitete in ihrem Zeit- und Sittengemälde die Jugenderinnerungen der eigenen Mutter. Wenn man überhaupt einen Kritikpunkt an Hess' erfolgreichem Mehrteiler anbringen möchte, dann ist es die Tatsache, dass hier beinahe sämtliche Konflikte jener Zeit in gut einem halben Dutzend Charaktere verdichtet wurden. Ein Kunstgriff, der auch in "Ku'damm 59" zu einer sehr hohen Ereignisdichte führt und damit arg dramatisch macht, Sog und Spannung der Geschichte jedoch keinen Abbruch tut.
3sat zeigt alle drei, je anderthalbstündigen Filme bis 0.55 Uhr am Stück.



