Im Podcast "Lanz + Precht"

Lanz will "nicht so tun", als wäre die AfD "eine ganz normale Partei" - da widerspricht Precht

13.02.2026 von SWYRL/Franziska Wenzlick

Die Brandmauer lähmt die Politik - davon sind sowohl Markus Lanz als auch Richard David Precht überzeugt. Bei der Frage, ob es sich bei der AfD um "eine ganz normale Partei" handle, herrscht in der aktuellen Ausgabe des Podcasts "Lanz + Precht" jedoch Uneinigkeit.

"Lähmt die Angst vor der AfD die Berliner Akteure?", fragt sich Markus Lanz. "Wahrscheinlich ja", glaubt sein Podcast-Partner Richard David Precht, auch wenn dies "in erster Linie für die CDU" gelte. "Die CDU hat ja nur die Möglichkeit, mit der SPD und im Zweifelsfall noch mit den Grünen dazu zu koalieren. Sie hat aber in die andere Himmelsrichtung keine Koalitionsmöglichkeit", gibt der TV-Philosoph in der aktuellen Ausgabe des Podcasts "Lanz + Precht" zu bedenken.

Die Brandmauer sei "ein riesiges Problem für die CDU", schlussfolgert Precht. Auch Lanz ist überzeugt: Die Zusammenarbeit mit der AfD auszuschließen, zwinge die Union dazu, mit Parteien zusammenzuarbeiten, mit denen sie "kulturell eigentlich gar zusammengehört". Der ZDF-Moderator glaubt: "Davon profitiert wiederum die AfD, weil sie jederzeit sagen kann: 'Guck sie dir an, sie kriegen es einfach nicht auf die Reihe.'"

Dass auch gemeinsame Abstimmungen mit der AfD als verpönt gelten, sehen die beiden Podcaster ebenfalls kritisch. "Grundsätzlich müssen alle demokratischen Parteien, die nicht verboten sind - und die AfD ist nicht verboten - miteinander abstimmen dürfen", sagt Precht. Man mache sich "zum Popanz der AfD, wenn man grundsätzlich ausschließt, mit ihr zu stimmen". Das sieht Lanz ähnlich. Im Extremfall könnten auch sinnvolle Anträge nicht beschlossen werden, falls "die Mehrheit nur mithilfe der AfD zustande kommt", mahnt er.

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"Wenn du die AfD bekämpfen willst, dann musst du sehr erfolgreiche Politik machen"

Eine "eigentlich gute Sache" sei dann "plötzlich keine gute Sache mehr, weil die Falschen zustimmen", bedauert der Journalist. "Daran siehst du, wie sehr uns diese Brandmauer lähmt." Wer die Demokratie ernst nehme, dürfe nicht so tun, als sei es "ein völlig undemokratischer Prozess", gemeinsam mit der AfD abzustimmen.

Nichtsdestotrotz habe Lanz "ein Störgefühl, wenn man sagt, das ist dann alles ganz normale Demokratie". Der Polittalker erklärt: "Die AfD ist keine Partei wie alle anderen. Man sollte auch nicht so tun, als wäre das eine ganz normale Partei." So distanziere sich etwa selbst die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen von der AfD, weil diese "zu radikal" sei.

Richard David Precht hadert mit der Aussage seines Gegenübers, dass es sich bei der AfD um keine "ganz normale Partei" handle. Der Autor fragt: "Was ist die Definition einer ganz normalen deutschen Partei? Wer legt das fest, was eine ganz normale deutsche Partei ist?" Der 61-Jährige geht gar einen Schritt weiter: "Die AfD ist wahrscheinlich der Überzeugung, dass sie die einzige ganz normale deutsche Partei ist." Für Precht stehe nicht fest, wer "die Deutungshoheit" über diese Definition besitze.

"Ich denke, du musst mit der Realität der AfD, wie sie im Augenblick ist, leben. Und wenn du die AfD bekämpfen willst, dann musst du sehr erfolgreiche Politik machen", erklärt Precht weiter. "Du kannst sie nicht dadurch bekämpfen, dass du sie kollektiv zu Nazis erklärst." Ohnehin werde es seines Erachtens "dauerhaft nicht möglich sein, diese Brandmauer aufrechtzuerhalten". Dafür seien "die Lähmungserscheinungen für dieses Land, die dadurch hervorgerufen werden", zu groß. Precht ist überzeugt: "Diesen Preis wird man nicht dauerhaft bezahlen wollen."

Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt's unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im Youtube-Kanal des ZDF.

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